Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2978
Würzburg (Unterfranken)

Marienkapelle am Markt: Johann Philipp Eckenbert von Dalberg

Auch dieses Grabdenkmal ist auf der Südseite der Marienkirche zu finden, und es hat einen direkten Bezug zum zuvor vorgestellten, weil die beiden Personen Onkel und Neffe waren. Leider haben großflächige Abplatzungen einen großen Teil der Inschrift unlesbar gemacht, es fehlen der rechte Rand und die untere rechte Ecke. Zu erkennen ist noch: "ANNO 1692 Den 3. ... / Ist in Gott Selig Entschlaffen (der) /  Hoch wo(h)lgebohr(e)ne Herr Joh(hann) / Philipp Erkenberth Caem(m)erer v(on) / Wormbs Freyherr zu Dalb(erg) / Herr zu Gamberg un(d) ... / ... / Cammerherr ... (Amt) / Man zu Bischo(fsheim an der) / Tauber Seines (Alters .. Jahre) / 9 Monath 14 (Tage .....) / Christgläubigen ... / Seelen gott der(Allmächtige eine fröhliche) / Aufferst(ehung verleihen wolle Amen)".

In der Mitte sehen wir als Hauptwappen dasjenige der Kämmerer von Worms gen. Dalberg, der Schild ist geviert, Feld 1 und 4: unter einem mit drei Spitzen abgeteilten goldenen Schildhaupt in Blau 6 (3:2:1) silberne Lilien (Kämmerer von Worms), Feld 2 und 3: in Gold ein schwarzes Ankerkreuz (Dalberg). Dazu werden zwei Helme geführt,  Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein Flug, beiderseits unter einem mit drei Spitzen abgeteilten goldenen Schildhaupt in Blau 6 (3:2:1) silberne Lilien (Kämmerer von Worms), Helm 2 (links): auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein goldener Flug, beiderseits belegt mit einem schwarzen Ankerkreuz (Dalberg). Die beiden Bogenzwickel über dem Wappen füllen zwei schräggestellte geflügelte Engelsköpfe aus, zwischen ihnen ist der Bogenscheitel schneckenförmig eingerollt. Auch unter dem Wappen ist ein dritter geflügelter Engelskopf zu sehen, dieser en face. Seitlich von diesem hängen zwei Fruchtgebinde an einem hochgebundenen Tuchstreifen.

 

Johann Philipp Eckenbert Kämmerer von Worms Freiherr von Dalberg war zunächst Domherr in Würzburg. Er erhielt am 23.7.1671 die Dompräbende, von der Adolph Johann Karl von Bettendorf resigniert war. Eine zweite Stelle als Domherr hatte er seit 1667 in Mainz. Im Jahre 1680 resignierte er selber, ohne höhere Ämter im Kapitel erreicht zu haben, zugunsten seines Neffen Johann Friedrich Eckenbert von Dalberg (4.8.1668-11.2.1719), für den es ebenfalls in der Marienkapelle ein Epitaph gibt. Wieder im weltlichen Leben, wurde er kurmainzischer Rat und Oberamtmann in Tauberbischofsheim. Er heiratete am 16.5.1684 eine Verwandte, Maria Magdalena Theresia Kämmerer von Worms Freiin von Dalberg (30.9.1658-22.5.1740), die Tochter von Wolf Eberhard Kämmerer von Worms gen. von Dalberg (1611-7.9.1675) und Maria Eva Kämmerer von Worms gen. von Dalberg. Johann Philipp Eckenbert und seine Frau hatten fünf Kinder, von denen zwei früh, eines als Jugendlicher und zwei als junge Erwachsene starben, alle ohne Leibeserben.

 

Die Ahnenprobe besteht aus insgesamt 16 Wappenschilden, je acht auf jeder Seite übereinander. In der optisch linken Spalte beginnt die Reihe mit einer Wiederholung des Schildes der Kämmerer von Worms gen. Dalberg wie oben beschrieben; der Schild ist beschädigt (Abb. oben links). Hier steht der Schild für den Vater, Wolfgang Hartmann Kämmerer von Worms gen. von Dalberg, kurmainzer Rat und Oberamtmann zu Höchst, den Großvater, Wolf / Wolfgang Dietrich Kämmerer von Worms gen. von Dalberg (-1.7.1618), kurfürstlich Mainzer Rat, Oberamtmann in Rieneck, Nieder-Olm und Gau-Algesheim, den Urgroßvater, Johann Kämmerer von Worms gen. von Dalberg (-29.7.1607), kurmainzer Rat und Amtmann zu Lahnstein, und den Ururgroßvater, Friedrich Kämmerer von Worms gen. von Dalberg (1499/1500-21.2.1574). Darunter folgt das Wappen der von Cronberg (Abb. oben rechts), das ist geviert, Feld 1: In Rot eine goldene Krone, Feld 2 und 3 in Silber 4 (2:2) blaue Eisenhütlein (silbern-blauer pfahlförmig angeordneter Eisenhutfeh), Feld 4: ledig und rot. Auch dieses Wappen ist beschädigt, aber noch gut erkennbar. Hier steht das Wappen für die Großmutter väterlicherseits, Magdalene von Cronberg (-29.8.1616). Sie war die Erbin der Gamburg, weswegen der Proband auch im Text der Platte als "Herr zu Gamberg" bezeichnet wird. Weiterhin steht das Wappen hier für Magdalenes Vater, Hartmut XIV. von Cronberg (1550-21.6.1606), kurmainzischer Rat, Oberamtmann in Hofheim und Höchst, Lohr und Rieneck, und für dessen Vater, Hartmut XIII. von Cronberg (-3.5.1591), Hofmarschall und Großhofmeister in Kurmainz, Oberamtmann in Höchst und Hofheim, womit auch hier die Ebene der Ururgroßeltern erreicht wäre.

 

Darunter folgt der Schild der Waldbott von Bassenheim ("Waltbott v. Bassenheim", Abb. oben links), rot-silbern zu zwölf Plätzen geständert, gefolgt vom Schild der Brendel von Homburg ("Brendell v. homburg", Abb. oben rechts), in Gold ein roter Zickzackbalken. Die Urgroßmutter Katharina Waldbott von Bassenheim (1545-5.8.1596) war die Ehefrau von Johann Kämmerer von Worms gen. von Dalberg (-29.7.1607), und sie war die Tochter von Anton Waldbott von Bassenheim (-28.8.1571). Urgroßmutter Margareta Brendel von Homburg (12.2.1559-1619) war die Ehefrau von Hartmut XIV. von Cronberg (1550-21.6.1606), und sie war die Tochter von Eberhard Brendel von Homburg.

 

Das fünfte Wappen von oben ist das der elsässischen Herren von Fleckenstein ("Fleckenstein", Abb. oben links), in Grün drei silberne Balken. Ururgroßmutter Anna von Fleckenstein (-12.12.1564) war die Ehefrau von Friedrich Kämmerer von Worms gen. von Dalberg (1499/1500-21.2.1574). Darunter folgt das Wappen der von Sickingen ("Sickingen", Abb. oben rechts), innerhalb eines roten Bordes in Schwarz fünf (2:1:2) silberne Kugeln. Ururgroßmutter Barbara von Sickingen (1519-1.3.1567) war die Ehefrau von Hartmut XIII. von Cronberg (-3.5.1591).

 

Das siebte Wappen ist dasjenige der von Nesselrode ("Nessellrodt", Abb. oben links), in Rot ein silberner Wechselzinnenbalken. Ururgroßmutter Katharina Gräfin von Nesselrode war die Ehefrau von Anton Waldbott von Bassenheim (-28.8.1571). Als letzter Schild der Schwertseite schließt derjenige der Rüdt von Collenberg ("Rüd v. Collenberg", Abb. oben rechts) die Reihe ab, in Rot ein silberner Rüdenkopf mit Stachelhalsband, hier aus Courtoisie gewendet. Ururgroßmutter Gertrud Rüdt von Collenberg (-1574) war die Ehefrau von Eberhard Brendel von Homburg.

 

Auf der heraldisch linken Seite beginnt die Reihe mit dem Schild der Echter von Mespelbrunn ("Echter", Abb. oben links), in Blau ein silberner, mit drei blauen Ringen belegter Schrägbalken. Dieser Schild steht für die Mutter des Probanden, Maria Echter von Mespelbrunn (1621-1663), den Großvater mütterlicherseits, Johann Dietrich Freiherr Echter von und zu Mespelbrunn (1580-1629), den Urgroßvater Dietrich Echter von Mespelbrunn (23.1.1554-1601), Amtmann in Rothenfels, sowie den Ururgroßvater Peter Echter von Mespelbrunn (1520-1576), Alleinerbe von Mespelbrunn. Darunter folgt erneut ein Schild der Kämmerer von Worms gen. Dalberg wie oben beschrieben ("Dalberg", Abb. oben rechts); der Schild ist diesmal aber unbeschädigt. Hier steht er für die Großmutter mütterlicherseits, Anna Katharina Kämmerer von Worms gen. von Dalberg (1600-), den Urgroßvater Wolfgang Friedrich Kämmerer von Worms gen. von Dalberg (-9.1.1621), 1585 zu Herrnsheim, zu Dalberg, 1605 Herr zu Schüttburg und Mitherr zu Clairvaux/Luxemburg, kurmainzer Rat und Oberamtmann zu Niederolm und Gau-Algesheim, sowie für den Ururgroßvater Friedrich Kämmerer von Worms gen. von Dalberg (-1577).

 

Dafür kommt jetzt an dritter Stelle ein wegen der starken Beschädigung kaum noch zu erkennender Schild, das ist derjenige der Marschall von Pappenheim (Abb. oben links),  geviert, Feld 1 und 4: schwarz-silbern geteilt mit zwei schräggekreuzten roten Schwertern (Kurschwertern), Feld 2 und 3: blau-silberner Eisenhutfeh. Der Schild steht für die Urgroßmutter Susanna Marschall von Pappenheim, Tochter von Christoph Marschall von Pappenheim. Klar zu erkennen ist der Schild der von Kerpen darunter (Abb. oben rechts), in Silber ein roter Zickzackbalken. Er steht für die Urgroßmutter Ursula von Kerpen zu Illingen (1580/1581-1611), Tochter von Johann Heinrich von Kerpen zu Illingen (1545-1615).

 

Gerade noch zu erkennen ist der Schild der von Adelsheim (Abb. oben links), in Silber ein schwarzes Steinbockshorn mit silberner Spitze. Hier steht der Schild für Gertrud von Adelsheim (1525-1583), die Ehefrau von Peter Echter von Mespelbrunn (1520-1576). Die unteren drei Wappen sind bis zur Unkenntlichkeit zerstört, lediglich beim untersten ist auf dem Schriftband die Buchstabenfolge "...hawenb..." zu lesen (Abb. unten rechts). Anhand der Genealogie können wir rekonstruieren, was hier gewesen sein müßte: Der sechste Schild wäre das Wappen der von Rosenberg gewesen (rot-silbern geteilt und fünfmal gespalten, Abb. oben rechts), denn Ururgroßmutter Barbara von Rosenberg war die Frau von (-1578) Friedrich Kämmerer von Worms gen. von Dalberg (-1577).

 

Dann wäre an siebter Stelle der Schild der von Bemelburg gekommen (von Boineburg, schwarz-silbern geviert, Abb. oben links), denn Anna von Bemelburg war die Ehefrau von Christoph Marschall von Pappenheim. Und an achter und letzter Stelle wäre der Schild der von Schauenburg gekommen (silbern mit golden-blau im Wolkenschnitt geteiltem Bord, über allem ein roter Schragen, Abb. oben rechts), denn Anna von Schauenburg war die Ehefrau von Johann Heinrich von Kerpen zu Illingen (1545-1615). Dieser Familienname paßt auch zum erhaltenen Fragment der Schrift ("...hawenb...").

Die Genealogie zu diesem Epitaph noch einmal übersichtlich zusammengestellt:
Eltern:

Großeltern:

Urgroßeltern:

Ururgroßeltern:

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.7947946,9.9295677,20z - https://www.google.de/maps/@49.7948267,9.9295932,81m/data=!3m1!1e3
Homepage der Dompfarrei:
https://www.dom-wuerzburg.de/seelsorge/dompfarrei/
Marienkapelle in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Marienkapelle_(Würzburg)
Marienkapelle im Würzburg-Wiki:
https://wuerzburgwiki.de/wiki/Marienkapelle
Marienkapelle im Historischen Lexikon Bayerns:
https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Marienkapelle,_Würzburg
Marienkapelle auf der Webseite des Bistums Würzburg:
https://www.bistum-wuerzburg.de/bildung-kunst/sehenswuerdigkeiten/marienkapelle-wuerzburg/
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Theodor Stolzenberg: Die Echter, eine weit verzweigte Familie in oft dramatischen Zeiten, Verlag Plexus, Amorbach 2021, 352 S., ISBN-10: 3937996745, ISBN-13: 978-3937996745, S. 299 und genealogische Tafelbeilagen
Verwendung der Innenaufnahmen mit freundlicher Erlaubnis von Frau Alexandra Eck, Referentin für die Dombesucherpastoral, vom 27.6.2022, wofür ihr an dieser Stelle herzlich gedankt sei.
Personalie in: Joh. Octavian Salver, Proben des hohen deutschen Reichs Adels oder Sammlungen alter Denkmäler
http://books.google.de/books?id=ZONWAAAAcAAJ oder auch https://books.google.de/books?id=oPlPAAAAcAAJ S. 622
Genealogische Tafeln von Humbracht
Peter Kolb: Wappen in Würzburg, Mainfränkische Studien 90, hrsg. vom Verein der Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e. V. Würzburg, 169 S., Spurbuch-Verlag, Würzburg 2019, ISBN: 978-3-88778-572-7

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