Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1153
Weismain (Landkreis Lichtenfels, Oberfranken)

Kastenhof

Der Kastenhof nimmt die Nordwestpartie des Stadtgrundrisses ein. Hier lag schon immer das Herrschaftszentrum des Ortes, auch schon unter den Andechs-Meraniern, und die Bamberger Fürstbischöfe bauten hier ihren Sitz für den Kastner, der für das Einnehmen der Steuern und Abgaben zuständig war. Im Jahre 1479 wird der Kastenhof zum ersten Mal urkundlich genannt. Das heute den großen freien Platz beherrschende Gebäude wurde 1701-1703 unter dem Bamberger Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn erbaut. Als Architekt war der Hofbaumeister Franz Leonhard Dientzenhofer tätig. Später baute J. M. Küchel 1751 das Gebäude um. Der Fürstbischof nutzte seinen Amtssitz auch als Jagdschloß, wenn er sich hier in der Gegend aufhielt. Nach der Säkularisierung fiel das Gebäude an den bayerischen Staat; es folgten Nutzungen als Rentamt bis 1932, als Reichsarbeitsdienstlager, später nach 1945 als Kindergarten und Grundschule. Bis 1974 wurde es als Schulhaus genutzt. Das Gebäude wurde in den letzten Jahren vollständig restauriert und saniert und beherbergt heute die Umweltstation des Landkreises Lichtenfels (die auch die Außenanlagen und Gärten angelegt hat), die Tourist-Information, das Nordjura-Museum (2004 eröffnet), das Stadtarchiv und die Stadtbücherei St. Martin sowie das Schützenhaus.

Die beiden ältesten Wappen befinden sich an der Mauer, die das Kastenhofgelände nach Süden und Osten hin zum Kirchhof abgrenzt. In einem Zickzack-Versatz der Mauer befinden sich die beiden Tore nebeneinander, ein großes Wagentor links und eine kleine Fußgängerpforte rechts.

Der größere Wappenstein befindet sich über der Fußgängerpforte und ist oben auf dem inneren Rahmen auf das Jahr 1496 datiert. Er ist dem Bamberger Fürstbischof Heinrich III. Groß von Trockau (lebte -30.3.1501, regierte 1487-1501) zuzuordnen. Zwei Vollwappen sind hier zusammengestellt, heraldisch rechts und einwärts gewendet: in Gold ein rotbewehrter und rotgezungter, schwarzer Löwe, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste, auf dem Helm zu schwarz-goldenen Decken ein rundes, goldenes, ringsum pfauenfederbestecktes Schirmbrett, auf dem sich der schwarze Löwe mit der silbernen Schrägrechtsleiste vom Schildbild wiederholt, Helmdecken schwarz-golden, Hochstift Bamberg, heraldisch links: silbern-blau gespalten, darüber ein roter Balken, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken zwei Büffelhörner in den Schildfarben, außen besteckt mit silbernen Federn, Helmdecken blau-silbern, Stammwappen der Groß von Trockau.

In den Ecken des Wappensteines befinden sich noch vier kleine Schilde einer Ahnenprobe des Fürstbischofs, rechts oben erneut Groß von Trockau, links oben von Lichtenstein (von Silber und Rot im Zackenschnitt geviert), rechts unten von Redwitz (siebenmal silbern-blau geteilt, darüber ein roter, schrägrechter Wellenbalken) und links unten von Künsberg (in Blau eine silberne eingebogene Spitze). Das entspricht den auf der bronzenen Grabplatte befindlichen Familienwappen; ein weiteres Mal taucht diese Ahnenprobe auf dem qualitativ herausragenden Wappenrelief außen an der Alten Hofhaltung von Bamberg auf. Die phantasievolle Genealogie bei Biedermann ist ganz klar unzutreffend; die Vorfahren sind jedoch namentlich nicht bekannt.

Über der größeren Durchfahrt befindet sich der kleinere und spätere Wappenstein; er ist im Feld auf das Jahr 1565 datiert. Hier wurde der Bamberger Fürstbischof Veit II. von Würtzburg (regierte 1561-1577) verewigt, in einer Variante mit zwei separaten, unter einer gemeinsamen Krone zusammengestellten Wappenschilden, rechts: in Gold ein rotbewehrter und rotgezungter, schwarzer Löwe, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste, Hochstift Bamberg, hier gewendet, links: in Gold das Brustbild eines bärtigen Mannes, schwarz gewandet mit silbernem Kragenaufschlag, auf dem Kopf eine spitze, nach hinten umgebogene schwarze Mütze mit silbernem Aufschlag, an der Spitze ein roter sechszackiger Stern, Stammwappen der von Würtzburg. Ein weiteres Mal taucht diese Kombination in Weismain am "Rolands"-Brunnen oder Stadtbrunnen im Stadtzentrum auf, dort sind es drei zusammengestellte Schilde, weil dazu noch Stadtwappen ergänzt ist (ohne Abb.).

An dem kurzen, zur Pfarrkirche hin gerichteten Flügel des Kastenhof befindet sich ein barockes Wappen in Höhe des Obergeschosses zwischen den beiden mittleren Fenstern; der Stein ist auf 1702 datiert. Es handelt sich um das Wappen des Bamberger (und Mainzer) Fürstbischofs Lothar Franz von Schönborn (reg. 1693-1729). Der Hauptschild ist geteilt und zweimal gespalten, Feld 1 und 6: in Gold ein rotbewehrter und rotgezungter, schwarzer Löwe, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste, Hochstift Bamberg, Feld 2 und 5: in Rot ein silbernes sechsspeichiges Rad, Erzstift Mainz, Feld 3: in Rot drei (2:1) silberne Schildchen, reichsständische Herrschaft Reichelsberg, Feld 4: in Blau ein silberner Balken, begleitet von 3 (2:1) silbernen Rauten, Herrschaft Heppenheim, Herzschild: in Rot auf drei silbernen Spitzen ein schreitender goldener Löwe mit eigentlich blauer, aber auch goldener Krone, Stammwappen der Grafen von Schönborn. Auf der Schildkartusche ruht der Kurfürstenhut, der dem zweifachen Fürstbischof als Erzbischof von Mainz zustand, anstelle der Kaiserkrone. Hinter dem Schild sind das gestürzte Schwert und der Krummstab schräggekreuzt.

Ein zweites Mal taucht das Wappen dieses Fürstbischofs in Weismain an der Stadtmauer auf, dort ist es auf das Jahr 1719 datiert (ohne Abb.).

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@50.085471,11.2396142,18.95z - https://www.google.de/maps/@50.0854962,11.2397132,115m/data=!3m1!1e3
Weismain:
https://de.wikipedia.org/wiki/Weismain
Baudenkmäler in Weismain:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkm%C3%A4ler_in_Weismain
Rundgang Weismain:
https://www.stadt-weismain.de/weismain-entdecken/sehenswertes/ein-rundgang-durch-weismains-altstadt/
Erläuterungstafeln der Stadt Weismain
Geschichte von Weismain:
https://www.stadt-weismain.de/stadtinfo/geschichte/
Heinrich Groß von Trockau:
https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_III._Gro%C3%9F_von_Trockau
Veit von Würtzburg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Veit_II._von_W%C3%BCrtzburg
Lothar Franz von Schönborn:
https://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_Franz_von_Sch%C3%B6nborn

Die Wappen der Fürstbischöfe von Bamberg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Die Wappen der Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Die Entwicklung des Wappens der von Schönborn

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