Bernhard Peter
Bhaktapur, Durbar Square (5):
Vatsala-Durga-Tempel:

Der Vatsala-Durga-Tempel (Vatsala-Devi-Tempel, Batsala-Tempel) befindet sich auf dem Durbar Square südlich gegenüber dem Palast der 55 Fenster, neben der Statue des Königs (Abb. unten rechts) und nördlich des Pashupati-Tempels. Im Gegensatz zu letzterem ist er im nordindischen Shikara-Stil errichtet worden, und zwar komplett aus hellem Sandstein. Stilistisch ähnelt der Tempel dem Krishna-Tempel von Patan, obgleich jener eine andere Grundrißform besitzt. Ursprünglich wurde der Tempel 1672 von König King Jagat Prakash Malla erbaut, doch später von König Bhupatindra Malla im späten 17. oder frühen 18. Jh. wiederhergestellt.

Der Vatsala-Durga-Tempel ist ein Meisterwerk der Steinmetzkunst aufgrund seiner vielen und qualitätvollen Reliefs. Der Grundriß ist prinzipiell quadratisch. Er steht auf einem dreistufigen Sockel; eine kurze Treppe wird von zwei Skulpturenpaaren gesäumt. Der Kultraum wird reihum von einer Galerie gesäumt, die auf jeder Seite vier Stützen besitzt. Auf einer mächtigen Gesimszone erhebt sich der Shikara über den Mauern des Kultraumes, in jeder Himmelsrichtig von einem Vorbau auf zwei Stützen begleitet. In den vier verbleibenden Ecken befinden sich achteckige Türmchen mit Statuen in allen Feldern zwischen den tragenden Säulen. Es ist einer der qualitätvollsten und reichverziertesten Steintempel der Stadt. Vatsala Devi ist eine Form der Gottheit Durga.

Der Tempel besitzt einen Glockengalgen mit einer unter König Jaya Ranjit Malla im Jahre 1737 angefertigten gewaltigen Glocke (links im Bild), die bei morgendlich stattfindenden Tempeldiensten zu Ehren der Gottheit Taleju geschlagen wurde. Eine zweite, kleinere Glocke steht in einem weiteren Glockengalgen auf der untersten Stufe des Tempelsockels (Bildmitte). Diese kleine Glocke wird im Volksmund "bellende Glocke" genannt. Sie wurde 1721 unter König Bhupatindra Malla aufgestellt.

Die kurze, aber steile Treppe, die den Höhenunterschied des dreistufigen Sockels ausgleicht, wird von zwei Skulpturenpaaren gesäumt, unten Elefanten, die mit ihrem Rüssel Pflanzen ausreißen, und oben Löwen.

Dieser Tempel ist bei dem verheerenden Erdbeben vom 25.4.2015 eingestürzt und wurde komplett zerstört. Vom dem Tempel blieb nur ein meterhoher Schutthaufen übrig. Nur der in Richtung auf den Palast der 55 Fenster stehende große Glockengalgen ragte unzerstört aus dem Schutt. Rings um diesen Tempel wurden zunächst kleinere Bauwerke wiederaufgerichtet, ehe man hier mit dem Wiederaufbau beginnt, der einen kompletten Neubau bedeutet.

Details vom Sockel des Tempels.

Pashupati-Tempel (Pashupainath-Tempel):

Der Pashupati-Tempel (Pashupatinath-Tempel) befindet sich im Süden des Vatsala-Durga-Tempels (oben die Ansicht genau von Süden, im Hintergrund links der Königspalast, der Palast der 55 Fenster verdeckt). Es ist ein Tempel im traditionellen Newar-Stil mit zwei Dächern. Der einer Form von Shiva geweihte Tempel wurde 1475 einer Legende nach aufgrund eines Traumes des Königs Yaksha Malla errichtet, in welchem ihm der Gott den Bau dieses Tempels an dieser Stelle befahl. Der Tempel hat das Erdbeben von 2015 überlebt.

Der Tempel ist eine verkleinerte Nachbildung des ungleich berühmteren Pashupatinath-Tempels in Kathmandu, weshalb er heute zur Unterscheidung aus "Mini Pashupatinath" genannt wird. Dabei ist "Nachbildung" spirituell gemeint, nicht architektonisch, denn vom Aussehen haben die beiden Tempel nichts gemeinsam. Später erschien die von diesem Tempel ausgehende Kraft als zu stark genau gegenüber dem Palast, so daß man den Chyasalin Mandap dazwischen stellte.

Sowohl die ins Ziegelmauerwerk eingelassenen Schnitzarbeiten von Türen und Fenstern als auch die Reliefs der das ausladende Dach tragenden Schrägstreben sind von herausragender künstlerischer Qualität. Bei genauem Hinsehen entdeckt man auch erotische Motive.

Blick von Westen auf das Ostende des Durbar Square: Ganz links das Goldene Tor, daneben der Palast der 55 Fenster, im Hintergrund der Siddhi Lakshmi-Tempel, dann wieder diesseits der Engstelle der Chyasalin Mandap, die Statue des Königs auf der Säule, der Glockengalgen, der Vatsala Durga-Tempel und schließlich ganz rechts der Pashupati-Tempel.

Abb. oben: Nandi-Statue vor dem Pashupati-Tempel. Nandi ist das Reittier (Vahana) von Shiva.

Literatur, Links und Quellen:
Wolfgang Korn: The traditional architecture of the Kathmandu valley, Bibliotheca Himalayica, Series III, volume 11, Ratna Pustak Bhandar, Kathmandu, 1976/2007, ISBN: 978-99933-0-630-6.
Durbar Square:
https://en.wikipedia.org/wiki/Bhaktapur_Durbar_Square
Bhaktapur:
http://www.holidaynepal.com/kathmandu/about-bhaktapur.html

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