Bernhard Peter
Japanische Toiletten


Toiletten:
- Toiletten: öffentliche Toiletten waren meist früher ohne Papier, das hat sich aber fast vollständig durchgesetzt, zumindest in häufig von Touristen aufgesuchten Orten. Wer in abgelegeneren Gegenden unterwegs ist, sollte zur Sicherheit Toilettenpapier oder Papiertaschentücher mitnehmen! Ganz selten gibt es Papier gegen Geld.
- öffentliche Toiletten sind im Weltvergleich sehr sauber und vorbildlich. Der hygienische Zustand ist generell sehr gut. Da schämt man sich, wenn man an den Zustand durchschnittlicher deutscher Toiletten denkt. Toiletten hinter einer Bezahlschranke (wohl dem, der einen JR-Paß hat!) sind in der Regel sauberer als die im Bereich außerhalb.
- die Dichte öffentlicher Toiletten ist sehr hoch. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ist das Auffinden einer Toilette nie ein Problem.
- gute und saubere Toiletten sind bei allen größeren Sehenswürdigkeiten oder in Bahnhöfen bzw. Busbahnhöfen hinter der Ticketschranke, dann umsonst. In ganz seltenen Fällen zahlt man evtl. fürs Papier. Oder bei Toiletten vor der Schranke. Weitere Toiletten-Möglichkeiten in Kaufhäusern oder größeren Buchläden.
- Toiletten sind meistens mit rot/blauen Symbolen Frau/Mann markiert und deutlich ausgeschildert. Trotzdem ist es hilfreich, die Schriftzeichen zu erkennen: Auch hinter
toire oder oder tearai oder auch  keshoushitsu verbirgt sich ein WC.
- die Herrenbereiche sind blau markiert, die Damenbereiche rot. Auch hier ist es hilfreich, die Kanjis dafür zu erkennen.

- es gibt Stehtoiletten und ultramoderne Washlets
- Stehtoiletten werden benutzt, indem man sich mit dem Gesicht zum "Höcker" hin platziert
- Washlets: Vollständiges Plazieren auf der Brille wegen steter Gefahr unkontrollierten Düsenbetriebs!
- Toilettenschlappen verwenden, denn die gesamte Toilette gilt als unreiner Bereich. In Tempeln liegen die Toiletten oft innerhalb des "Strumpfbereiches", dann stehen Toilettenpantoffeln bereit. Meist aus Plastik, aber auch noch aus Holz. Diese Schlappen dürfen auf gar keinen Fall versehentlich nach "draußen" getragen werden.
- Toiletten haben manchmal einen künstlichen Sound, um das Plätschern zu übertönen: Das Gerät heißt
Otohime und bedeutet: Geräuschprinzessin. Manche Personen, insbesondere die Damen, betätigen auch laufend die Spülung, um ihr eigenes Gepinkele zu übertönen.
- manchmal gibt es einen Wasserhahn direkt über dem Spülkasten - mal ein sinnvolles Recycling: Das Händewaschwasser läuft direkt wieder in den Spülvorrat
- Toilettenkabinen sind manchmal nicht abschließbar oder werden manchmal auch nicht verriegelt -> vorher anklopfen. Wenn man drinnen sitzt, daraufhin zurückklopfen
- Merken: Volle Spülung = Dai (groß) = Querstrich über gestürztem Y, halbe Spülung = Shou (klein) = senkrechter Strich, beiderseits flankiert von einem kleinen Schrägstrich.

 

Abb. links: modernes Washlet der Firma Toto mit Handwaschbecken auf dem Spülkasten. Abb. rechts: Japaner lieben Ordnungen und Regeln. Wenn man nichts dem Zufall überläßt, gibt es auch keine unangenehmen Überraschungen. Wir lachen über solche Anleitungen, aber einige Nationen machen es eben anders. Ad 1: Araber sind von zu Hause aus keine Sitztoiletten gewohnt und kennen nur Hocktoiletten. Wir haben in Deutschland ja auch so unsere Erlebnisse mit Flüchtlingen gehabt, die sich unserer Toiletten in der durchgestrichenen Variante bedienten oder mangels Kenntnis, was man mit so einem Porzellanstuhl macht, gleich den Abfluß der Dusche für ihr Geschäft nahmen. Ad 2: in einigen asiatischen Ländern sind die ableitenden Rohre so eng, daß tatsächlich das benutzte Klopapier in Eimern gesammelt wird, weil es sonst die Rohre verstopft. In Griechenland ist das oft auch noch so. Nicht aber in Japan, die Vorstellung eines stinkenden Eimers mit beschissenem Papier ist für Japaner gruselig! Ad 3: Nun ja, Schweine, die nicht abziehen, gibt es wohl weltweit.

Abb.: großes Rätselraten, was für welche Funktion steht. Links ist der Bereich für die Popo-Spülung. Der mittlere große Knopf steht für Spülung von hinten, der rechte große Knopf für Spülung von vorne. Mit den beiden kleinen Knöpfen darunter wird die Spülstärke in 5 Stufen eingestellt. Der orangefarbene Knopf ist der Stop-Knopf. Eine Spültaste sucht man hier vergebens, die ist separat am Klo zu finden, z. B. seitlich am Spülkasten. Alles auf dieser oben abgebildeten Apparatur neben der Klobrille ist daher erst einmal nicht wichtig für die Erstbenutzung; die Toilette funktioniert auch ohne all das. Wer sich hier unbedingt nach der Erleichterung reinigen lassen will, sollte unterscheiden: Männer und Frauen benutzen oshiri, nur Frauen benutzen bide.

Abb.: Das ist ein Spülknopf zum Drehen in zwei Richtungen. Gut erkennbar sind die Kanji für volle Spülung = dai (oben, nach oben drehen) und für halbe Spülung = shou (unten, nach unten drehen). Manchmal gibt es noch eco-shou für ganz kurze Spülung.

Abb.: modernes Washlet der Firma Toto mit Bedienfeld an der Wand. In der Ecke sieht man die Kabel für die Sitzheizung.

Abb.: Bedienfeld der obigen Toilette. Der einzig wirklich wichtige Knopf ist der große, separate für die Spülung = nagasu. Zur Sicherheit noch mal kontrollieren: Das letzte Zeichen ist in jedem Fall die "Kombination aus T und 9" = Hiragana "su" und ist hier vorhanden. Also kann man unbesorgt draufdrücken. Es gibt nämlich in manchen Toiletten auch Notruftasten, aber die sind meistens signalfarben und mit den Zeichen yobidasu = Notfallknopf oder hijou = Notfall beschriftet.

Das Feld rechts ist für die Hinternwaschanlage, man kann einstellen, ob der Strahl von vorne oder von hinten kommen soll, wie stark und mit welchem Druck er kommen soll (zwei Tasten untere Reihe links), und links oben ist die Stop-Taste für was auch immer man vorher gemacht hat. Merke: suisei = Wasserdruck. Die Musik zum Übertönen des Pinkelgeräusches gibt es rechts oben bei dem Zeichen oto. Es kann auch otohime geschrieben werden. Dabei kann man die Lautstärke regulieren (zwei Tasten untere Reihe rechts): onryo = Lautstärkeeinstellung. Manchmal kann man das Geräusch mit oto-teishi = Geräusch-Stop wieder abstellen. Hier ist nicht nur eine englische Beschriftung vorhanden, sondern auch noch Braille-Schrift.

Abb.: Eine weitere Variante des Bedienfeldes der Firma Toto mit allen Funktionen für Waschen, Legen, Fönen. Links oben in Orange die Stop-Taste, das wichtigste "escape" beim Ausprobieren. Merke: to = Stop. Die Zeichen über der zweiten großen Taste von links bedeuten Hintern-Spülen, die Zeichen über der großen mittleren Taste yawaraka bedeuten sanfteres Popo-Waschen mit einem weniger harten Strahl. Die Zeichen über der zweiten großen Taste von rechts bedeuten Bidet. Über dem dicken Horizontalstrich sind links zwei Tasten mit fünf Punkten dazwischen. Darüber steht Wasserdruck. Die linke Taste ist mit "schwach" gekennzeichnet, die rechte Taste mit "stark". Hier im Beispiel kann man also den Wasserdruck in fünf Stärken regulieren. Manchmal gibt es auch drei Tasten für die Stufen hoch, mittel und gering. Vor dem Ausprobieren sollte man erstmal ganz runter schalten, wenn man nicht das Gefühl haben möchte, auf einem Springbrunnen zu sitzen. Wasserstrahl-Stärke = senjou tsuyosa.

In Reihe über dem Horizontalstrich ist ganz rechts eine einzelne Taste mit der Kombination pawa dasshu für den Parfümvernebler. Ach ja, ganz rechts oben gibt es bei diesem Modell noch einen Fön für den Hintern bei den Kanji für das Wort kansou. Die mehrfach auftretende Kanji-Kombination bedeutet Ein / Aus. Noch was vergessen? Ja, in der Reihe über dem Horizontalstrich sieht man noch zwei Knöpfe, die mit einem dicken Balken miteinander verbunden sind. Senjo-ichi = Wasserstrahlort steht darüber. Damit kann man den Wasserstrahl zielgenau einstellen. Man könnte natürlich auch selber auf der Klobrille rumrutschen, bis es paßt. Aber nein, warum, wenn man das auch technisch lösen kann. Mit diesen beiden Tasten kann man also den Wasserstrahl mehr nach vorne = mae und mehr nach hinten = ushiro einstellen.

Bei einigen Toiletten kann man auch noch die Wassertemperatur regulieren. Der Knopf ist beschriftet mit onsui junbi = Wassertemperatur vorbereiten oder noch ein Zeichen länger mit tenmetsu junbi = Wassertemperatur einstellen ein/aus-Schalter. In der Regel gibt es die gleichen Zeichen wie oben für die Abstufungen, entweder das System schwach und stark oder das System hoch, mittel und gering. Oder man findet die Kombination aus dem Pluszeichen und dem stark-Kanji = stärker = tsuyoi.

Abb.: Die Toilette hat grundsätzlich eigene Toilettenschlappen (= toire surippa), die den Toilettenbereich nicht verlassen dürfen. Auch wenn es wie hier in einem Tempel nur wenige Dezimeter sind; der Übergang vom Holz zu den Kacheln markiert mit der kleinen Stufe den Übergang von der Sauber-Zone zu der Unsauber-Zone, vom Strumpfbereich zum Schlappenbereich. Die Holzschlappen stehen den Benutzern für die ca. 20 cm Distanz zur Verfügung. Sie dürfen auf keinen Fall auf den Holzboden kommen.

Abb.: Hier ist der ganze Toilettenbereich "unsaubere Zone" (Kyoto, Zenrin-ji bzw. Eikan-do). Die Plastik-Toilettenschlappen stehen daher an der Schwelle. Die roten Schlappen sind deutlich als Toilettenschlappen markiert, damit bloß kein Tourist auf die Idee kommt, sie jenseits der Schwelle nach außerhalb zu verbringen oder gar damit Tatami-Matten zu betreten, schlimmstmögliche aller Schuh-Sünden in Japan.


Literatur, Links und Quellen:
Kerstin Fels, Andreas Fels: Fettnäpfchenführer Japan: Die Axt im Chrysanthemenwald, 288 S., Conbook Medien, Meerbusch, 2016,  ISBN-10: 394317624X, ISBN-13: 978-3943176247
Toiletten in Japan:
https://de.wikipedia.org/wiki/Toiletten_in_Japan - https://en.wikipedia.org/wiki/Toilets_in_Japan
Toto-Toiletten:
http://www.toto.com/en/wtjapan/manners/


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