Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2871
Garstadt (zu Bergrheinfeld, Landkreis Schweinfurt)

Die Kuratiekirche St. Michael in Garstadt

Der kleine Ost Garstadt gehört seit 1971 zum 3,75 km nördlich gelegenen Bergrheinfeld im Landkreis Schweinfurt. Die weithin sichtbare, katholische Kuratiekirche St. Michael wurde durch den Birnfelder Maurermeister Georg Baumann erbaut. Die Grundsteinlegung für den barocken Bau erfolgte am 19.4.1691, bis 1694 war sie weitestgehend fertiggestellt, und am 4.9.1695 wurde sie von Weihbischof Stephan Weinberger geweiht. Der Saal wird im Osten polygonal zum eingezogenen Chor geschlossen und hat den viereckigen, dreigeschossigen Turm mit achteckiger Haube und Laterne am Nordosteck des Schiffes angebaut. Im Untergeschoß gibt es einen Raum mit einem Kreuzgratgewölbe auf Pfeilern, die alte Sakristei, in der am 20.9.1691 bereits die erste Messe gefeiert wurde.

 

Die westliche Giebelseite wird durch vier ockergelb von der weiß gestrichenen Wand abgesetzte Vorlagen gegliedert. Die mittlere, breiteste Wandzone enthält das rechteckige Hauptportal mit Segmentbogengiebel. Die beiden seitlichen Zonen besitzen eine hoch angebrachte Figurennische mit einer Muschelnische im oberen Bereich mit unterschiedlich stark eingetieften Rippen. Der dreieckige Giebel ist schlicht und besitzt lediglich ein rundes kleines Fenster in der Spitze und zwei noch kleinere Rechtecköffnungen, aber gar keinen Bauschmuck. Stilistisch orientiert sich diese Kirche an den Arbeiten von Antonio Petrini. Die Hauptzierde dieser Fassade ist das Wappen des zur Bauzeit amtierenden Landesherrn, des Würzburger Fürstbischofs Johann Gottfried von Guttenberg (6.11.1645-14.12.1698, amtierte 1684-1698).

Die ovale Kartusche ist geviert, Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt (hier abweichend umgekehrte Spitzenrichtung), Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Blau eine goldene Rose mit goldenem Butzen, Stammwappen der von Guttenberg, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine (von der Stange aus gesehen) rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Über der Wappenkartusche wird der rot gefütterte, hermelingestulpte Fürstenhut bzw. Herzogshut geführt, hinter dem Schild schräggekreuzt sieht man das gestürzte Schwert und den Krummstab. Das Wappen ist eingebettet in Ornamente, die die restliche Fläche des Segmentbogens ausfüllen und ohne Vorhandensein eines Helmes helmdeckenartige Motive aufgreifen.

Auch die Längsseiten werden durch die gleichen Pilaster gegliedert. Auf der Südseite besitzt das Schiff vier Pilaster mit je einem Rechteckfenster mit Segmentbogengiebel; in der schmäleren mittleren Zone liegt das südliche Nebenportal, in dessen Sturz die Jahreszahl 1694 eingeschlagen ist. Ein weiteres Fenster folgt nach dem Mauerrücksprung im Chorbereich. Im ersten Kompartiment der Südseite befindet sich ein weiteres quadratisches Fenster. Wegen diesem und dem Portal enden die beiden linken Fenster unten höher als das rechte und das Chorfenster. Die nördliche Längsseite ist gleichermaßen gegliedert, nur ohne Portal und Zusatzfenster, und anstelle des Rücksprungs zum Chor ist der Turm angebaut, und hier befindet sich auch die neue Sakristei.

Im Inneren der Kirche gibt es einen Hochaltar aus dem Jahre 1691, der ebenfalls das Amtswappen von Johann Gottfried von Guttenberg trägt (ohne Abb.). Passend zum Patrozinium der Kirche zeigt das Altarblatt den hl. Michael beim Kampf mit dem Drachen. Rechts und links des Altars stehen die Statuen des hl. Kilian links und des hl. Erhard rechts. Sie entstanden erst ein halbes Jahrhundert nach der Kirche und dem Altar. Zeitweise waren die beiden Figuren 1893-1905 im Rathaus aufgestellt. Die beiden Seitenaltäre sind bauzeitlich; ihre Themen sind die Heilige Familie einerseits und Maria Magdalena unter dem Kreuz andererseits. Die Kanzel mit Darstellungen der vier Evangelisten an den Ecken des Kanzelkorbes stammt aus der Zeit um 1700. Die restliche Ausstattung der Kirche wurde größtenteils Ende des 19. Jh. angefertigt, ebenso das Deckengemälde, denn 1893 erfuhr die Kirche eine umfassende Renovierung. Die Kirche wurde zuletzt 2006 innen renoviert; dabei bekam das Dach einen neuen Ringanker.

Die Pfarrei bildet heute zusammen mit Bergrheinfeld (Zusammenlegung am 1.1.1990) und Grafenrheinfeld einen Verbund, die Pfarreiengemeinschaft "Zu den Frankenaposteln im Maintal".

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.9745254,10.1721709,21z - https://www.google.de/maps/@49.9745254,10.1721709,42m/data=!3m1!1e3
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe, hrsg. vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein, Würzburg, 1974, 192 S.
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9
Johann Gottfried von Guttenberg in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottfried_von_Guttenberg
Familie von Guttenberg in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Guttenberg_(Adelsgeschlecht)
Alfred Wendehorst: Johann Gottfried von Guttenberg, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 7, Duncker & Humblot, Berlin 1966, ISBN 3-428-00188-5, S. 352 -
https://www.deutsche-biographie.de/gnd118013289.html#ndbcontent - https://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016325/images/index.html?seite=366
Johann Gottfried von Guttenberg im Würzburg-Wiki:
https://wuerzburgwiki.de/wiki/Johann_Gottfried_von_Guttenberg
Winfried Romberg (Bearb.): Die Würzburger Bischöfe von 1684 bis 1746, Germania Sacra. Dritte Folge Nr. 8, die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz, das Bistum Würzburg 8, De Gruyter, Berlin/Boston 2014,
https://rep.adw-goe.de/handle/11858/00-001S-0000-0023-9A8C-9 - https://rep.adw-goe.de/bitstream/handle/11858/00-001S-0000-0023-9A8C-9/3.F._8_Romberg_Bischoefe.pdf?sequence=1&isAllowed=y
Webseite der Pfarrei:
https://pg-im-maintal.de/pfarrgemeinden#garstadt-kuratie mit Geschichte der Kirche

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