Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2864
Rodeneck / Rodengo (Italien, Region Trentino-Südtirol, Eisacktal / Valle Isarco)

Burg bzw. Schloß Rodenegg

Burg Rodenegg: Lage und Beschreibung
Schloß Rodenegg thront am Eingang des Pustertales hoch über der Rienzschlucht südlich von Nauders, Vill und Rodeneck; gegenüber liegen Viums und Schabs. Man kann die Burg nur von Norden her erreichen, am besten aus dem Nordwesten kommend über Mühlbach im Pustertal und San Paolo. Von den anderen Seiten her ist kein Zugang möglich, denn der Fuß des fast 900 m in die Höhe ragenden, 200 m langen Felssporns wird auf drei Seiten von der Rienz umflossen. Wenn man sich auf der Straße der Burg nähert, bekommt man nicht ansatzweise einen repräsentativen Eindruck von Lage, Größe und Ausdehnung der Anlage, sondern steht vor einem wuchtigen Bollwerk, das aber nur die Schmalseite der ca. 65 m langen Vorburg darstellt. An der breitesten Stelle ist die Vorburg nur wenig mehr als 30 m breit. Ihre Gebäude stehen im Osten, während im Westen eine Mauer mit Wehrgang die Verbindung zur Hauptburg herstellt.

Abb.: Vordere Bastei mit Tor, Feldseite

Den Kopf der Vorburg bildet eine unregelmäßig viereckige Bastion mit extrem dicken Mauern und Geschützpforten. Vor der Bastion (Vordere Bastei) befindet sich ein weit vorgezogener, keilförmiger und stark geböschter Bereich, um Beschuß abzulenken und ein Untergraben der Mauern zu verhindern. Die Basteispitze sieht etwas seltsam aus, weil die äußerste, nördlichste Spitze in den 1950er Jahren eingestürzt und danach 1959 mit anderem Material neu aufgemauert worden ist, und dabei wurde der Dachverlauf verändert. Auch die Mauern auf der Westseite des Tores besitzen eine enorme Stärke, denn das war die gefährdetste Stelle bei einem Angriff. Im Osten und im Süden braucht die Vorburg keine Wehrmauer, weil hier schroffe Felsabgründe liegen, dort greift wirklich niemand an. Zum Tor führte früher eine Zugbrücke; der rechteckige Anschlag und die Schlitze für die Rollen der Zugbrückenketten sind noch vorhanden. Heute führt eine 1986 erneuerte Holzbrücke über den Halsgraben. Das Tor selbst ist aus eisenbeschlagenem Holz, und es trägt nicht nur die Jahreszahl 1582, sondern auch Reste eines gemalten Wolkenstein-Wappens mit zwei Löwen. In dem großen Tor ist eine kleine Tür als Mannloch eingearbeitet. Über dem Tor ist ein kleiner Erker mit Beobachtungsfenster angebracht, und ganz oben verläuft der Wehrgang mit mehreren quadratischen Schießscharten in Reihe für Handfeuerwaffen. Um die Ecke ist landseitig ein weiterer Erker auf der Wehrgangsebene zu sehen, an dem die Schießscharten in zwei Reihen übereinander angebracht sind, je zwei auf der Fläche und je eine an den Seiten. Zusätzlich ist der Boden offen, um direkt senkrecht nach unten an den Mauerfuß feuern zu können.

Abb.: Vordere Bastei und Tor, Innenseite

Beim Durchschreiten des Tores folgt die nächste Überraschung: Es geht nicht gerade weiter, sondern der Weg schleicht sich an der hohen nordwestlichen Wehrmauer entlang zum nächsten Tor, dabei leicht ansteigend. In einem Teil der Bastei befindet sich die Wohnung des Kastellans, da trocknet die Wäsche auf dem Balkongeländer. Hofseitig trägt die Bastei eine Sonnenuhr mit Mann und Säule als Symbol der Stärke. Das Kordongesims ist aus Granit. Linkerhand steht ein Wirtschaftsgebäude mit kreuzrippengewölbten Stallungen im Erdgeschoß und Platz für Futter im Obergeschoß, also Stall und Scheune kombiniert. 1687 erhielt das Gebäude die heutige Form.

Abb.: hier lohnt ein Blick in die Stallungen mit den herrlichen Gewölben

Das zweite Tor ist ebenfalls stark gesichert. Über den Graben führte früher eine Zugbrücke; heute ist der Übergang auch talseitig durch eine Brüstungsmauer geschützt, und die Brücke ist zwar nach wie vor aus Holzbohlen, aber neueren Datums und fest installiert. Über dem rundbogigen Tor sieht man noch den einzelnen vertikalen Schlitz, in dem sich früher der Wippbalken für die Brücke bewegte. Direkt darüber sichert ein schmaler Wehrerker den Zugang, unten mit einem breiten Wurfschlitz, um den Mauerfuß verteidigen zu können, zum Zugang hin noch mit drei quadratischen Schießscharten für Handfeuerwaffen versehen. Rechts daneben führt eine rechteckige Türöffnung auf die landseitige Wehrmauer. Im Torweg passiert man den Zugang zur gewölbten Waffenkammer. Der mit buckeligen Steinen grob gepflasterte Torweg selbst ist leicht gekrümmt, so daß man nicht gerade hindurchschießen konnte. Kurz vor Erreichen des Innenhofes konnte durch ein Fallgatter der weitere Weg versperrt werden. Und das ist eine ganz große Besonderheit im Südtiroler Burgenbau, denn es haben sich nur drei erhalten, in der Trostburg (auch von Wolkenstein), in der Burg Reifenstein (von Trautson, Deutscher Orden, Thurn und Taxis) und hier. Kurz vor Erreichen des Innenhofes geht es rechts ab zum halbrunden Veitsturm, in dem sich auch das Verlies mit Zugang durch ein Loch im Boden befindet.

 

Abb. links: zweites Tor von außen, Abb. rechts: Fallgatter im Torweg

Die Hauptburg bildet ein schlankes Trapez von 90 m Gesamtlänge, dessen schmalste Seite der Torkomplex bildet. Hier sichert nach Nordwesten der genannte Halbrundturm (Veitsturm) die Mauern. An die tonnengewölbte Rüstkammer schließt sich im Südosten die Backstube (Pfisterei) an. Die Wohngebäude liegen an der Ost- und an der Südseite des 45 m langen und maximal 12 m breiten Hofes. Hier führt eine gemauerte überdachte Treppe zu einer Renaissance-Loggia, für die vier ältere Granitsäulen zweitverwendet wurden. Dahinter gelangt man in die Jägerstube. Weiter im Süden folgt der Palas, erhöht gegenüber den vorher beschriebenen Gebäuden. Die größte Sehenswürdigkeit der Burg ist ein Raum mit dem Zyklus der Ywain-Fresken, ein durchgehender Fries von elf Szenen. Die profanen Malereien aus dem frühen 13. Jh. wurden erst in den 1970er Jahren zur Gänze freigelegt. Vor dem Südwesttrakt springt noch ein zweigeschossiges Brunnenhaus mit einer 7 m tiefen Zisterne in den Hofraum vor.

Abb.: Blick vom Innenhof nach Norden, links Wehrmauer und Veitsturm

Die Westseite an der Wehrmauer ist hälftig bebaut. Eine mächtige Eckbastei auf sechseckigem Grundriß sichert die Westecke; die Außenmauern sind geböscht. Auch der talseitige Rundturm an der Südecke besitzt unten über dem Halbrundgesims Kanonen-Schießscharten. Durch die Mitte des abschließenden Südwesttraktes führt ein Weg mittels einer Brücke über den anschließenden Graben zu einem ummauerten Gartenbereich von 90 m Länge und anfangs 45 m und am Ende nur noch 23 m Breite, von dem aus man den besten Blick auf das Schloß und die Schlucht mit ihren felsigen Abgründen hat. Die talseitige Mauer windet sich ondulierend entlang der Felsen. Am Südwesttrakt gibt es auf der Außenseite einen kleinen, nur ganz leicht dreieckig vorspringenden Erker mit einem in der Mitte gewinkelten Doppelfenster. Neben dem Durchgang zum Innenhof erheben sich zwei verschieden hohe Standerker mit Pultdach. Hoch über dem Durchgang befindet sich ein kleiner Wehrerker mit Wurföffnung im Boden. Mit diesen drei ganz unterschiedlichen Abschnitten ist die Burg insgesamt über 250 m lang, bei einer Breite von maximal 62 m.

Abb.: Südosttrakt mit Treppe zur kleinen Loggia

Burg Rodenegg unter den Herren von Rodank
Die naturräumliche Lage des Burgplatzes machte den Felssporn zu einem gut zu verteidigenden Platz, der vermutlich schon in vorgeschichtlicher Zeit befestigt war. Seit dem späten 11. Jh. hatten die Bischöfe von Brixen die Herrschaft über das Pustertal, und sie waren es auch, die die erste Hofanlage und Burg errichteten, die genauso wie die ganze Stelle "Rodunc" (Rodung) genannt wurde. Erst später kam die Endung "egg" an die Bezeichnung. Die Bischöfe gaben die erste Anlage an Ministerialen des Hochstifts. Friedrich II. von Rodank bekam sie um die Mitte des 12. Jh. von Bischof Hartmann zur Hut für das Hochstift, im Tausch gegen ein Gut zu Stockach bei Vahrn. Die Familie gehörte zu den ältesten und bedeutendsten Familien des Brixner Dienstadels. Die damals von Friedrich bewohnte erste Burg, die damit zu den ältesten in Tirol gehört, war noch sehr bescheiden und bestand nur aus Turm und Palas. Friedrich II. von Rodank hatte vier Söhne, von denen drei im Jahre 1167 von Konrad Vallai bei einem Streit ermordet wurden. Der überlebende Sohn, Arnold II., heiratete Mechthild von Hohenburg, die Witwe des Heinrich von Taufers. Die Herren von Rodank, deren Namen sich nicht von der Burgstelle, sondern von dem Eigennamen Rodanus ableitet, bauten die Burg aus und stiegen in wichtige Positionen im Dienst des Hochstifts auf, unter anderem stellten sie einen Dompropst, und mit dessen Sohn Konrad von Rodank stellten sie schließlich 1200-1216 selbst einen bedeutenden Brixner Bischof. Dieser, ein Vetter von Arnold II., übertrug im Jahre 1214 die Vogtei über das Hochstift Brixen, welche bis dahin Heinrich von Andechs innegehabt hatte, an Graf Albert III. von Tirol. Damit trug Konrad von Rodank in erheblichem Maße zum Entstehen der Grafschaft Tirol bei, legte andererseits aber auch schon die Basis zum Übergang der Burg an dieselbe. Doch zunächst ging die Burg Rodenegg an Arnold IV. von Rodank, einen großen Wohltäter des Klosters Neustift, wo er auch im Kreuzgang begraben wurde.

Nach ihm ging Rodenegg an Friedrich IV., Sohn von Arnold IV., welcher bereits als Parteigänger Kaiser Friedrichs II. in Opposition zu seinem Dienstherrn geriet. Friedrich IV. bekam nun erstens Krach mit dem energischen Brixner Bischof Bruno von Kirchberg und hatte zweitens keine Nachkommen, sondern starb um 1300 als der Letzte des Geschlechts. Er wechselte vorher noch gänzlich zur Gegenseite und übergab 1269 Burg und Herrschaft Rodenegg und die Mühlbacher Klause an die Brüder Meinhard und Albert von Görz- Tirol, d. h. er trug sie ihnen zu Lehen auf, was der zweite Schritt des Übergangs war. Auch das Gericht Rodenegg ging etwa gleichzeitig an Meinhard über und war damit abgetrennt vom bischöflichen Gerichtsbezirk. So konnten die Grafen wirkungsvoll das Pustertal kontrollieren und damit den Zugang zu bischöflichen Enklaven, insofern war Burg Rodenegg für die Grafen von großer strategischer Bedeutung. Die Grafen gründeten den Marktflecken Mühlbach, eine Bedingung des Vertrages zur wirtschaftlichen Stärkung der Herrschaft und eine Reaktion auf die bischöfliche Gründung Bruneck. 1271 wurde geteilt, Meinhard bekam Tirol, Albert bekam Görz, und die Mühlbacher Klause (Haslacher Klause) bildete bis zum Jahr 1500 die Grenze zwischen beiden Grafschaften. Damit hatten die Brixner Bischöfe Burg Rodenegg verloren. Ein späterer Bischof, Nikolaus von Kues, versuchte zwar später noch einmal, sich darauf zu berufen, daß die Grafen ja eigentlich nur die Vogtei hatten und die Burg in Wirklichkeit dem Hochstift gehörte, doch das war angesichts der mittlerweile von der Geschichte geschaffenen Tatsachen weder aussichtsreich noch erfolgreich, sondern brachte ihn selbst ins Abseits. Den Herren von Rodank verdankt Burg Rodenegg aber einen ihrer größten Kunstschätze, die Ywain-Fresken in der alten Kapelle aus dem frühen 13. Jh., die älteste profane Wandmalerei im deutschsprachigen Raum. Der Auftraggeber war vermutlich der um 1220 verstorbene Arnold II. von Rodank. Die Herren von Rodank hatten neben der um 1300 erloschenen Rodenegger Linie noch eine Schönecker Linie, diese starb um 1378 aus.

Abb.: Südosttrakt mit Treppe zur kleinen Loggia

Das Wappen der Herren von Rodank war in Blau ein silberner Sparren, und dieses Wappenbild führt auch heute die Gemeinde Rodeneck (Genehmigung: 10.7.1969). In der Fischnaler-Wappenkartei werden verschiedene Kleinode dokumentiert, ein mit dem Schildbild belegter Flügel, ein blaues Paar Büffelhörner mit dem silbernen Sparren auf jedem Horn, ein Busch Pfauenfedern und ein Hut. Die Herren von Wolkenstein (s. u.) übernahmen später den Wappenschild der Herren von Rodank als Herzschild, fügten ihrem vermehrten Wappen aber kein drittes Kleinod für diesen Besitz hinzu.

Die Grafen von Tirol gaben Burg Rodenegg nach dem Erlöschen der Herren von Rodank an verschiedene Amtsträger, zeitweise auch auf dem Weg der Verpfändung. 1294 kam die Burghut an Peter von Trautson. König Heinrich verpfändete 1315 das Gericht Mühlbach und die Burg Rodenegg an Heinrich von Villanders. Um 1350 war Burg Rodenegg nach dem Fall von Engelmar von Villanders (endete durch Enthauptung) zwei Jahre lang belagert und umkämpft, was ihren Ruf als besonders feste und sichere Burg begründete. Danach wurde Rodenegg 1352 an den schwäbischen Herzog Konrad von Teck verpfändet. 1354 wurde sie an Herzog Albrecht von Österreich verpfändet. Die Burg gelangte durch Heiratsverträge an die Habsburger, noch bevor sie Tirol als Landesherren übernahmen. Auch die Habsburger verpfändeten Rodenegg, 1366 für fast ein Jahrhundert an die Familie Gufidaun, die 1458 erlosch. Danach wurde die Burg nicht mehr als Pfandschaft, sondern nur noch als Pflegschaft an Tiroler Adelsfamilien gegeben, um die strategisch wichtige Burg nicht mehr ganz aus der Hand zu geben und so die Landesherrschaft zu stärken. Zuerst bestellte Erzherzog Sigmund den Balthasar von Welsperg als landesfürstlichen Pfleger. Auf dem Wege der Pflegschaft kam die Burg 1460 erstmalig an ein Mitglied der Familie von Wolkenstein. Im nachfolgenden Abschnitt wechseln wir zur Geschichte dieser Familie.

Abb.: links Rüstkammer, Pfisterei, Jägerstube, rechts Palas mit Erker

Wolkenstein-Rodenegg - die erste Generation
Rodenegg ist namengebender Sitz einer Linie der Herren von Wolkenstein, wurde von diesen aber nicht initial erbaut, sondern nach Inbesitznahme ausgebaut. In der Generation des spätmittelalterlichen Dichters Oswald I. von Wolkenstein kam es zu einer Aufteilung der Familiengüter in zwei Linien: Sein älterer Bruder Michael (-1543) begründete die Linie zu Trostburg, wobei die Stammburg Wolkenstein auch zu diesem Erbteil gehörte; Oswald I. begründete die spätere Linie zu Rodenegg, obwohl er selbst Rodenegg noch nicht besaß, sondern die Burg Hauenstein im Eisacktal bei der Erbteilung bekam, und auch die zunächst nur zu einem Drittel und erst später ganz, nachdem der Hauensteinsche Erbschaftsstreit 1427 beigelegt worden war. Für 500 Golddukaten hatte Oswald die ganze Burg Hauenstein erworben, und die Neuvergabe der gesamten Burg als Lehen erfolgte am 30.6.1438.

Die beiden Brüder Oswald und Michael waren Söhne von Friedrich von Wolkenstein (-1400), der Enkel des ersten Wolkensteiners Randold von Vilanders-Pradell, Pfandinhaber von Kastelruth, und Friedrichs entfernter Verwandter Katharina von Villanders-Trostburg, wodurch diese beiden Wappenkomponenten zusammenkamen und fortan in geviertem Schild vereinigt wurden. Denn die Mutter war die einzige Tochter von Eckhard von Villanders (-1386) und brachte 1382 als Erbin Burg und Herrschaft Trostburg in Waidbruck an die Familie von Wolkenstein. Die Familie zog sofort um, denn die Trostburg bot viel mehr Komfort als die Burg Wolkenstein, eine kleine Höhlenburg im Schatten einer riesigen Felswand. Die Brüder dürften den größten Teil ihrer Kindheit in der Trostburg verbracht haben. Der ältere Bruder Michael heiratete zuerst Anna von Hohenegg, danach Fulginia Suppan von Mais. Der jüngere Bruder Oswald I. ehelichte Margaretha von Schwangau.

Die Vermögensteilung innerhalb der Familie wurde 1407 vorgenommen. Der ältere Michael hatte da bereits durch Kinder die Sukzession der Hauptlinie gesichert (die Kinder seines Sohnes Berthold wurden später in den Freiherrenstand erhoben). Den beiden jüngeren Brüdern, Oswald und Lienhard oder Leonhard wurden Anteile an den Burgen Hauenstein und Aichach gegeben, somit hatten sie eine Lebens- und Herrschaftsgrundlage sowie jeweils standesgemäße Wohnsitze. Oswald, bei der Teilung 30 Jahre alt, saß auf Hauenstein, und Leonhard stiftete die kurzlebige Linie zu Aichach. Leonhard bekam 1410 von Heinrich von Rottenburg die gesamte Burg als Pfandschaft übertragen. In gewissem Sinne hat der ältere Michael seine beiden Brüder übervorteilt, denn die Herrschaft blieb grundsätzlich ungeteilt: Die Anteile der Brüder waren Lehen des Hochstifts Brixen, und formal war Michael der Lehenträger. Er selber hatte mit der Trostburg etc. landesfürstliche Lehen, und auch die nach 1406 bestehende Rolle als Pfleger in Tirol und dem Burggrafenamt und Pfandherr des Gerichts Kastelruth waren landesfürstliche Herrschaften, vergeben von Friedrich IV. Graf von Tirol. Umgekehrt kann man aber auch betonen, daß die beiden nachgeborenen Söhne sich glücklich schätzen konnten, überhaupt eine eigene Herrschaft zu bekommen und nicht entweder in Kriegsdiensten oder im Klerus zu enden, und nur der Tatsache, daß die Familie zu den wohlhabenderen des Tiroler Adels zählte, verdankten sie es, überhaupt eine eigene Linie mit eigenem Herrschaftssitz gründen zu können. Die Familie war sogar so wohlhabend, daß noch nicht einmal die Schwestern der drei Brüder ins Kloster mußten, sondern standesgemäß verheiratet werden konnten. Oswald hingegen geriet durch die Hauensteinfehde in Opposition zu Friedrich IV. Graf von Tirol, bis hin zur Gefangennahme und Auferlegung einer potentiell ruinösen Bürgschaft, und er suchte politisch eher die Nähe zum Hochstift Brixen und zu König und Kaiser. Seine Ehe mit Margaretha von Schwangau brachte ihm eine kleine reichsunmittelbare Herrschaft, wodurch er formal den Status eines Reichsritters bekam und so eine gesellschaftliche Stufe nach oben schaffte.

 

Abb. links: Erker am Palas, Abb. rechts: Loggia mit zweitverwendeten Säulen

Wolkenstein-Rodenegg - die zweite Generation
Erst 1491 kam Rodenegg an Oswalds Linie, also an die Nachfahren des Dichters. Von den sechs Kindern des Dichters, die das Erwachsenenalter erreichten, waren fünf Söhne. Einer davon, Michael, und die Tochter Maria wurden geistlich, ersterer war ab 1440 Domherr in Brixen, letztere trat bei den Klarissen ein, erst in Brixen, dann in Meran. Es blieben also vier Söhne, die angemessen versorgt werden mußten, das Erbe war jedoch klein und bestand im wesentlichen aus dem Lehen Hauenstein und Schulden durch die erzwungene Bürgschaft des Vaters. Das Lehen bekamen die vier Brüder gemeinsam, und die Verwaltung lag zunächst in den Händen ihrer verwitweten Mutter. 1447 übergab diese ihrem ältesten Sohn Oswald II. die Burg und die Herrschaft Hauenstein; die Herrschaft wurde nicht geteilt. Seine Mutter zog sich anschließend auf ihren Wohnsitz in Brixen zurück. Die Brüder gründeten Seitenlinien, die rasch wieder erloschen. Oswald II. blieb der einzige unter den Brüdern, der eine dauerhafte Linie gründete und so die alleinige Kontrolle über die Familiengüter erhielt. Ein Glücksgriff war die Heirat mit einer Frau aus der Familie der von Trautson, nicht nur wurde damit eine langjährige Fehde zwischen den beiden Familien Wolkenstein und Trautson beendet, sondern die Erbtochter mehrte den Besitz.

In dieser zweiten Generation verlagerte sich die politische Positionierung der Wolkensteiner, denn es gab keinen Rückhalt im Bistum Brixen, eher Streit mit dem konfliktfreudigen Nikolaus von Kues, der Michael eine bessere Karriere verwehrte und sogar exkommunizierte und Maria als Widerständlerin gegen strenge Reformen im Kloster schikanierte, u. a. durch Isolation und gewaltsame Besetzung des Klosters. Das Verhältnis zum Landesherrn, nun Herzog Sigmund der Münzreiche, blieb vom erzwungenen Schuldbrief des Vaters überschattet: Erst am 6.9.1465 wurde dieser von Oswald durch Zahlung von 1000 fl. ausgelöst. Statt dessen orientierte sich diese zweite Generation in Richtung der Grafschaft Görz, wo Oswald als Stellvertreter der Görzer Grafen auf der Görzer Burg Altrasen im Pustertal die Herrschaft ausübte. Auch hier gab es Streß mit dem streitbaren Brixner Bischof Nicolaus von Kues, weil diese Burg den Zugang zu einer Exklave des Brixner Hochstifts im Görzer Gebiet kontrollierte. In summa gab es also reichlich Grund, daß der Bischof und die Wolkensteiner Geschwister keine besten Freunde mehr waren, sondern letztere sich im antibischöflichen Widerstand zu organisieren. Diesem Lager schloß sich auch noch Herzog Sigmund von Tirol an, nachdem der Bischof 1458 die Forderung erhob, dem Hochstift die Burgen Rodenegg, Velthurns und Gufidaun zu übergeben, weil er sie als Kirchenlehen ansah und sich darauf berief, daß die Grafen von Tirol und Görz nur Vogteirechte innehatten, er aber Lehnsherr sei. Das war der Tropfen, der bei Sigmund das Faß zum Überlaufen brachte: Der Herzog lehnte das natürlich ab, was er aufgrund der realpolitischen Lage auch gut konnte, der Bischof belegte Tirol mit dem Interdikt, der Herzog eroberte militärisch die Bischofsburg Bruneck und nahm den scheiternden Fürstbischof gefangen, welcher nach langem Streit 1464 auf die Amtsausübung verzichtete. Spätestens ab 1458 war Oswald II. von Wolkenstein Rat von Herzog Sigmund, vermutlich leistete er ihm auch Waffendienste gegen den Bischof, denn am 8.8.1460 wurde er von Papst Pius II. wegen der Gefangennahme des Bischofs exkommuniziert. Zur Belohnung wurde er 1460 als Statthalter von Brixen eingesetzt. Seine diplomatischen und militärischen Dienste waren dem Herzog hochwillkommen.

Und eine weitere Belohnung war, daß Oswald II. am 15.6.1460 die Pflegschaft der Burg Rodenegg erhielt, als Nachfolger von Balthasar von Welsperg. Damit hatte erstmalig ein Herr von Wolkenstein die Kontrolle über diese Burg, und die Vergabe dieser strategisch wichtigen Burg war ein absoluter Vertrauensbeweis seitens des Herzogs. Diese Pflegschaft hatte Oswald II. befristet inne, danach bekam er 1492 die Pfandschaft über die landesfürstliche Herrschaft Kastelruth, die zuvor schon sein Onkel Michael innegehabt hatte; sie blieb bis 1650 in der Familie. Außerdem hatte er seit 1469 das Amt zu Kollmannn inne. In dieser Generation konnte also die Familie die Burg Rodenegg nur gute 30 Jahre genießen, und nur als Pflegschaft, sozusagen auf Abruf.

Abb.: Ansicht von Süden

Wolkenstein-Rodenegg - die dritte Generation
In der Enkelgeneration kam Burg Rodenegg endgültig an die Familie. Die Ausgangslage nach dem Tod von Oswald II. 1498 war folgende: Die Burgen Wolkenstein und Trostburg gehörten der anderen Linie, die Pflegschaft Rodenegg war weg, und Oswalds Söhne, unter denen Veit der älteste war, erbten das Lehen Hauenstein, die Pfandschaft Kastelruth sowie das Erbtruchsessenamt des Hochstifts Brixen (Belehnung von Veit und dann Michael mit letzterem erst Ende der 1490er Jahre). Das war sehr wenig, um 12 Söhnen und 5 Töchtern eine Lebensgrundlage zu bieten, denn nur ein Sohn wurde geistlich. Deshalb mußte sich die Familie um andere Möglichkeiten kümmern. Die politische Großwetterlage veränderte sich gerade: Die regionalen Machthaber, die Grafen von Tirol und Görz und das Hochstift Brixen, verloren an Relevanz, während die Habsburger und das Kaisertum europaweit relevante, aufstrebende Mächte waren. Die neue politische Größe am Horizont war Maximilian von Habsburg, er brauchte Geld, sehr viel Geld, Tirol lieferte es, und so wurde Tirol eine der wichtigsten ökonomischen Stützen von Maximilians Herrschaft, und für die Adelsfamilien Tirols zeichnete sich eine win-win-Situation ab: Aufstieg im Gefolge Maximilians gegen loyale Habsburger-Dienste vor Ort. Diesen Weg ging die dritte Generation der Linie Wolkenstein-Rodenegg und knüpfte Beziehungen zu Erzherzog Sigmund,  Kaiser Friedrich III. und König Maximilian, insbesondere die Brüder Michael und Veit von Wolkenstein standen ihm nahe, begleiteten seinen Weg zur Macht und unternahmen diplomatische Missionen. Wie eng die Wolkensteiner mit Maximilian verbunden waren, zeigt folgende Auflistung: Veit und Georg von Wolkenstein erhielten 1486 persönlich von Maximilian den Ritterschlag anläßlich dessen Krönungszeremonie. 1488 wurde Maximilian in Brügge von den Bürgern gefangengenommen, und Georg von Wolkenstein war mit dabei bei den festgesetzten Personen. Veit von Wolkenstein wiederum verhandelte mit den Reichsständen die Befreiung und stellte sich als Geisel zur Verfügung, und Michael von Wolkenstein befreite schließlich den König aus der Gefangenschaft. Der dankte es den Brüdern mit Titeln und Ämtern: Michael, Veit, Balthasar und Johann wurden kaiserliche Räte, die drei erstgenannten Brüder zudem Kämmerer. Veit wurde oberster Feldhauptmann und in späteren Jahren Administrator von Vorderösterreich. Veit diente seinem König als Ratgeber, Diplomat und Sprecher bei den Reichstagen. Er bekam die Oberaufsicht über das Turnier in Worms, ein Prestige-Auftrag. Im Turnierbuch Freydal ist gleich dreimal zu sehen, wie Veit gegen seinen Herrn im Turnier anreitet (Blätter 49, 133 und 166). Michael, der 1486 Wiener Neustadt gegen Matthias I. von Ungarn verteidigt hatte, wurde 1500 Landhofmeister der Grafschaft Tirol. Die allerhöchste Ehre bekam Michael durch die Aufnahme in den Orden vom Goldenen Vlies auf dem 18. Kapitel 1516 in Brüssel (es wird oft angegeben, Veit hätte die gleiche Ehre bekommen, doch fehlt er in der Liste der Ordensritter, mir ist kein verläßlicher Beleg bekannt). Durch die Nähe zu Maximilian ist die dritte Generation der Wolkenstein-Rodenegg in die erste Reihe habsburgischer Hof- und Landesbeamter aufgestiegen und hatten großen informellen Einfluß auf Maximilians Politik.

Abb.: südliche Außenseite des Wohntraktes, Tor in der Mitte

Im Zuge dieses gesellschaftlichen Aufstiegs mehrten sich auch die Besitztümer der Freiherren von Wolkenstein. 1491 bekam Veit von Wolkenstein vom ungarischen König die Burg Scharfeneck im Grenzgebiet von Österreich und Ungarn geschenkt, das stand in Zusammenhang zu den Verhandlungen zum Frieden von Preßburg. Vor allem aber profitierten Michael und Veit von der Dankbarkeit Maximilians in Form von Tiroler Herrschaften aus landesfürstlichem Besitz. Veit von Wolkenstein bekam von König Maximilian I. die Burg Rodenegg mit allen dazu gehörigen Herrlichkeiten am 22.7.1491 als Eigengut übertragen, nachdem sie ihm bereits 1484 vom Erzherzog versprochen worden war, sobald er die Grafschaft Tirol ererbt hätte. Dazu bekam er die Herrschaft, das Gericht, die Pfarrei und die Zollstation zu Mühlbach. Es war die gleiche Burg, auf der er mit seinen Brüdern die Kindheit verbracht hatte, aber diesmal als freies Eigengut. Damit war in der dritten Generation geschafft, was schon sein Großvater angestrebt hatte: eine eigene Herrschaft in Tirol. Maximilian gab damit zwar eine landesfürstliche Burg aus den Händen, aber er wußte sie in den besten und loyalsten Händen, und die ihm eng verbundenen Wolkensteiner sicherten damit für ihn eine strategisch wichtige Burg. Die für Rodenegg relevante Linie der Wolkensteiner geht also zwar zurück auf den berühmten Dichter Oswald als Stammvater, aber zu seinen Lebzeiten gab es noch keine Identität Wolkenstein-Rodenegg, die entstand erst 1491 durch die Übernahme der Burg und Herrschaft als freies Eigentum, zum Lohn für geleistete Dienste. Das wiederum war die Grundlage für die Erlangung des Freiherrenstandes der Linie, der als faßbare Erhöhung nicht dokumentiert ist, der jedoch ab 1492 durch konkludente Verwendung des Titels in Urkunden der königlichen Kanzlei belegt ist (die Linie Wolkenstein-Trostburg wurde 1564 in den Freiherrenstand erhoben). Veit erlangte 1492 noch eine weitere Herrschaft, nämlich Ivano im Valsugana südöstlich von Trient, zunächst hatte Maximilian I. ihm Schloß und Herrschaft verpfändet, dann kaufte Veit von Wolkenstein sie ihm 1496 gänzlich ab.

Veit, der am 12.12.1498 ohne männlichen Erben starb (vermutlich existierte mindestens eine Tochter), hatte vorher am 3.9.1498 einen von König Maximilian bestätigten Erbvertrag mit seinem Bruder Michael geschlossen, der seinerseits bereits einige Herrschaften hinzuerworben hatte, nämlich 1495 Schloß Hollenburg an der Drau, 1496 die Herrschaft Grünburg, 1497 Schloß Greifenstein in Kärnten sowie 1501 die Herrschaft Lienz mit Maut, Stadt und Landgericht, Schloß Bruck sowie die Gerichte und Ämter Kals, Virgen, Defreggen und die Burg Rabenstein. Michaels Herrschaftsschwerpunkt lag daher vor dem Erbschaftsvertrag und dem Erbfall nicht in Südtirol, sondern hauptsächlich in der Nähe von Villach. Michael bekam also mit dem Tod seines Bruders dessen Herrschaften Rodenegg etc. hinzu, aber er hatte seinen Lebensschwerpunkt woanders. Obwohl die Linie damit noch weitere Burgen besaß, auch als ihr Eigengut, entwickelte sich Rodenegg in der Folgezeit als namengebender Hauptsitz, und Hauenstein blieb Nebensitz, denn alle anderen Burgen und Herrschaften lagen außerhalb Tirols und damit nicht im Kerngebiet der Familie. Rodenegg bot mehr Möglichkeiten und Komfort als Hauenstein und wurde daher bevorzugt. Michael blieb jedoch noch in seinem Herrschaftszentrum Lienz.

Wolkenstein-Rodenegg - die vierte Generation
Erst Michaels Sohn, Veit II. von Wolkenstein (12.11.1506-19.7.1538) aus der vierten Generation, verwurzelte sich wieder in der Stammregion Tirol und baute Burg Rodenegg aus. Er war auch nicht so intensiv in den Hofdienst involviert wie sein Vater und sein Onkel, die mehr in Innsbruck als auf ihren Besitzungen gewesen sein dürften. Drei Wappensteine sind im Innenhof der Burg zu finden, von denen zwei sicher Veit II. zuzuordnen ist, der dritte wahrscheinlich auch von ihm stammt.

Veit II. von Wolkenstein baute nicht nur das Innere zu einem repräsentativen Edelsitz aus, sondern er ließ nach außen damals hochmoderne Festungsanlagen errichten, um mit der sich entwickelnden Technik mitzuhalten. Vollendet wurde der Ausbau unter seinem Sohn Christoph I. von Wolkenstein. Beide machten Rodenegg zu einem der bestbefestigten und bestausgebauten Renaissanceschlösser Tirols. Durch die extrem dicken Mauern des Vorburgtores, die Geschützpforten und durch die sechseckige Eckbastei wurde die Burg zur Festung. Im Bauernkrieg 1525 rückten Bewaffnete auf die Burg, doch sie widerstand erfolgreich und ohne Schaden zu nehmen. Eine andere ernstzunehmende Bedrohung jener Zeit war die stets präsente Türkengefahr, auch deshalb hielt man die Festungsanlagen auf dem neuesten technischen Stand. Im Jahre 1694 wurde die Burg bei einem Brand beschädigt, und etliche der heute sichtbaren Ausbauten wurden erst danach vorgenommen, manches wurde auch gar nicht mehr aufgebaut.

 

Wappenstein von 1531 über dem Brunnenhaus für Veit II. von Wolkenstein (12.11.1506-19.7.1538), Vertreter der vierten Generation der Linie Wolkenstein-Rodenegg. Die Inschrift dieses Wappensteines lautet: "Der Wo(h)lgebor(e)n(e) herr, her(r) Veyt frey/herr zu Wolkenstain lyes im 23 ia(h)r / Sein(e)s alters da(s) haus / erpauen Anno d(omi)ni 1531".

 

Von der Inschrift des zweiten Wappensteines, der nach Durchschreiten des zweiten Toren gleich linkerhand an der Innenhofwand angebracht ist, ist nur noch in der zweiten Zeile das "Wolken(stain)" gut zu erkennen, alles andere ist verwittert bzw. großflächig als Fehlstelle vermörtelt. Inhaltlich sind alle drei Wappensteine gleich, mit geviertem Schild, Feld 1 und 4: silbern-rot im Wolkenschnitt schräggeteilt (modifiziert Maulrapp, für die Herrschaft Wolkenstein im Grödnertal, späteres wolkensteinsches Wappen), Feld 2 und 3: über rotem Schildfuß in Blau drei silberne Spitzen, so gestellt, daß die linke Seite vertikal verläuft (von Pradell auf Villanders, Stammwappen des ganzen Geschlechts von Wolkenstein). Dazu werden zwei gekrönte Helme geführt: Helm 1 (rechts): zu rot-silbernen Decken zwischen zwei mit goldenen Kämmen und Pfauenspiegeln besteckten roten Büffelhörnern ein goldener Schanzkorb, dieser mit drei silbernen Federn besteckt (Maulrapp, späteres wolkensteinsches Kleinod), Helm 2 (links): zu blau-silbernen Decken ein oben mit Straußenfedern besteckter, blauer Hut zwischen zwei silbernen Hirschstangen (von Pradell auf Villanders). Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Tir Seite: 19 Tafel: 23, Band: GfA Seite: 68 Tafel: 70, Band: OÖ Seite: 662 Tafel: 133 und im Band: Bö Seite: 271 Tafel: 127, ferner im Münchener Kalender 1909. Das Objekt zwischen den Büffelhörnern wird in der Literatur ganz verschieden angesprochen, darunter als goldener Schanzkorb, als Schanzgeflecht oder als viereckiger goldener Zaun (lt. Diplom). Im Scheiblerschen Wappenbuch ist das Stammwappen auf Folio 137 abgebildet; dort sind es drei silberne Straußenfedern zwischen Pfauenspiegeln, und alles zusammen zwischen den Büffelhörnern wie beschrieben.

Der dritte Wappenstein besitzt in seiner gegenwärtigen Erhaltung einen unregelmäßig ovalen Zuschnitt und ist ohne Inschrift. Veit II. von Wolkenstein führt in allen drei Darstellungen weiterhin das gevierte Wappen ohne Herzschild. Die Aufnahme des zusätzlichen Wappensymbols für die Herrschaft Rodenegg, das Wappen der Herren von Rodank, erfolgte wesentlich später, erst am 2.8.1564 erhielt Christoph von Wolkenstein aus der fünften Generation die Erlaubnis dazu von Kaiser Maximilian II.

Wolkenstein-Rodenegg - die fünfte Generation
Die fünfte und sechste Generation der Linie Wolkenstein-Rodenegg begegnen uns in der Neuen Kapelle, die mit einer Trennwand mit einer Rechtecktür zwischen zwei Fenstern vom Vorraum abgetrennt wird. Die drei Maueröffnungen werden auf der Außenseite von einer gemalten Scheinarchitektur gerahmt. Man erkennt auch über der lateinischen Inschrift den Patron der Kapelle, den hl. Michael, mit der Seelenwaage. Innen ist die Kapelle reich ausgemalt, das Tonnengewölbe ist als blaues Himmelszelt gestaltet mit Sonne, Mond und Sternen, mit der Dreifaltigkeit im Wolkenkranz im Scheitel. Die zentrale Darstellung wird umgeben von den vier Evangelisten, ebenfalls jeweils in einem Wolkenkranz. Die hier vorgestellte Heraldik befindet sich auf der Eingangswand, auf der Innenseite derselben.

In der Neuen Kapelle, die am 25.7.1582 vom Brixner Weihbischof Johannes Nas geweiht worden ist, ist das Ehewappen angebracht für Christoph I. von Wolkenstein d. Ä. (1530-26.5.1600), der Sohn von Veit II. von Wolkenstein (12.11.1506-19.7.1538) und Susanna von Welsperg (4.10.1512-11.8.1581), und für seine Frau, Ursula Freiin von Spaur (11.8.1532-22.2.1575), die Tochter von Ulrich Freiherr von Spaur und Flavon und Caterina Baronessa di Madruzzo. Das Paar hatte am 16.10.1549 in Trient geheiratet. Die Fresken in der Kapelle müssen in der Zeit zwischen 1575 und 1584 entstanden sein. Das Schriftband über den Wandfresken trägt den Wortlaut: "QVOTIES DIE(M) ILLV(M) CONSIDERO TOTO CORPORE CONTREMISCO, SIVE ENI(M) COMEDO, SIVE BIBO SIVE ALIVD ALIQVID FACIO, SEMPER VIDETVR MIHI TVBA ILLA TERRIBILIS SONARE IN AVRIBVS MEIS, SVRGITE MORTVI, VENITE AD IVDICIVM * SANCTVS HIERONIMVS". Hier wird an das Jüngste Gericht erinnert, mit einem dem hl. Hieronymus zugeschriebenen Zitat. Die Imagination ist vor allem eine auditive durch den Schall der letzten Posaune (1 Kor. 15,52), die zu Auferstehung und Gericht ruft, ein eindringlicher Mahnruf an die Lebenden, die folgende große Abrechnung zu bedenken (vgl. auch Dionysius Cartusianus: De quatuor hominis novissimis). Eine deutsche Übertragung von Gregor Fritz lautet: "So offt ich jenen Tag erwege / zittere ich am gantzen Leib / ich esse / oder trincke / oder thue etwas anders / scheinet mir allezeit / es klinge jene erschröckliche Posaune in meinen Ohren: Stehet auf ihr Todte / kommet zum Gericht" (R. P. Gregorius Fritz: Der Wohlversehene Sonntags-Prediger Oder Sonntägliche Predigten auf das gantze Jahr, 1721). Oberhalb des Schriftbandes ist in der Lünette das Jüngste Gericht bildlich dargestellt.

Das Wappen für Christoph von Wolkenstein d. Ä. (1530-26.5.1600), Vertreter der fünften Generation der Linie Wolkenstein-Rodenegg, auf der linken Seite über dem Durchgang ist geviert, Feld 1 und 4: silbern-rot im Wolkenschnitt schräggeteilt (modifiziert Maulrapp, für die Herrschaft Wolkenstein im Grödnertal, späteres wolkensteinsches Wappen), Feld 2 und 3: über rotem Schildfuß in Blau drei silberne Spitzen (von Pradell auf Villanders, Stammwappen des ganzen Geschlechts von Wolkenstein), Herzschild: in Blau ein silberner Sparren (von Rodank, für die Herrschaft Rodenegg). Dazu werden zwei gekrönte Helme geführt: Helm 1 (rechts): zu rot-silbernen Decken zwischen zwei mit goldenen Kämmen und Pfauenspiegeln besteckten roten Büffelhörnern ein goldener Schanzkorb, dieser mit drei silbernen Federn besteckt (Maulrapp, späteres wolkensteinsches Kleinod), Helm 2 (links): zu blau-silbernen Decken ein oben mit Straußenfedern besteckter, hier schwarzer, eigentlich blauer Hut zwischen zwei silbernen Hirschstangen (von Pradell auf Villanders). Christoph von Wolkenstein kniet gleich links neben seinem Wappen; er ist als einzige männlich Person nicht namentlich beschriftet.

 

Das Wappen für Ursula Freiin von Spaur (11.8.1532-22.2.1575) auf der optisch rechten Seite über dem Durchgang ist geviert, Feld 1 und 4: in Silber einwärts ein roter Löwe, der in seinen Pranken einen goldenen Doppelbecher hält (Klein-Spaur/Erbschenk), Feld 2 und 3: rot-silbern schrägrechtsgeteilt, oben links und unten rechts je ein Stern in verwechselten Farben (Valèr, Valör). Dazu werden zwei gekrönte Helme geführt, Helm 1 (rechts): zu rot-silbernen Decken ein wachsender roter Löwe, der in seinen Pranken einen goldenen Doppelbecher hält (Klein-Spaur/Erbschenk), Helm 2 (links): zu rot-silbernen Decken ein rot-silbern schrägrechtsgeteilter Flügel, oben links und unten rechts je ein Stern in verwechselten Farben (Valèr, Valör). Ursula von Spaur sollte von der Logik her eigentlich wie der Ehemann ebenfalls neben ihrem Wappen knien, doch da ist sie nicht. Vielmehr ist sie ganz rechts außen hinter den Töchtern zu finden, kenntlich an ihrem reich verzierten Gewand, außerdem ist sie ebenfalls ohne Schriftband mit Namen. Sie war zu dem Zeitpunkt bereits verstorben, deshalb ist vor ihr ein kleines rotes Kreuz angebracht. Das gibt die Untergrenze der Datierung mit 1575.

 

Das Familienwappen der von Spaur, einem Tiroler Ministerialengeschlecht, wird beschrieben im Siebmacher Band: NÖ2 Seite: 168 Tafel: 72, Band: Tir Seite: 16 Tafel: 18 etc., eine Abb. des einfachen Wappens findet sich im Scheiblerschen Wappenbuch (Bayerische Staatsbibliothek Cod. icon. 312 c), Folio 270. Das Feld mit dem Schenkenbecher steht für das Erbmundschenkenamt der Grafen von Tirol. Namengebend wurde die Burg Klein-Spaur (Spor minore), auf der Ritter Volkmar (1270-1343) 1312 von König Heinrich von Böhmen, Graf von Tirol, das Burggrafenamt erhielt. Mit der Grafschaft Flavon wurde er 1334 belehnt. Ulrich zu Spaur und Flavon auf Unter-Valèr, Hauptmann an der Etsch, erhielt am 24.9.1546 von Kaiser Karl V. zu Prag den Reichsfreiherrenstand. Dabei wurde das Wappen mit dem der Valèr vereinigt. In dieser Form ist es das Wappen des jüngeren Stammes, der älteren Linie (Neu-Spaur), und ganz präzise des älteren Astes (Unter-Valèr). Am 12.10.1633 erlangte die Familie den erbländisch-österreichischen Grafentitel (österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 926.30), und am 27.6.1637 zu Prag den Reichsgrafenstand mit "Wohlgeboren"; der Begünstigte war beidesmal Anton Freiherr von Spaur und Flavon auf Unter-Valèr, Kaiserlicher Kämmerer und Rat, Hauptmann zu Brixen und Bruneck (österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/AVA Adel RAA 400.12). Neben diesem Zweig gibt es noch weitere Linien, wobei deren Wappen immer den Löwen mit dem Doppelbecher enthält, damit kombiniert jedoch andere Inhalte (von Lichtenberg, Anich). Zwischen den beiden Wappen befindet sich ein Kruzifix. Ein weiteres Allianzwappen Wolkenstein/Spaur befindet sich am Gebälk des Altars. Und von beiden Ehepartnern gibt es Portraitgemälde mit Wappen im Waffensaal, angebracht über dem oberen Teil der Treppe am Übergang zur Galerie.

 

Beiderseits des mittig angeordneten Durchgangs werden der hl. Georg ("SANCTVS GEORGIVS", linke Seite) und der hl. Florian ("SANCTVS FLORIANVS", rechte Seite) dargestellt; sie sind quasi als Türwächter positioniert.

Übersicht über die Genealogie der Linie von Wolkenstein-Rodenegg
unter Hervorhebung der wichtigen Personen, der hier mit Wappen vertretenen Personen und Angabe von bekannten Wappenfundstellen und Abbildungen (viele der Daten in den einschlägigen Listen widersprechen sich gegenseitig, deshalb sind Hinweise auf wirklich belegte Daten stets willkommen!)

Wolkenstein-Rodenegg - die sechste Generation
In der neuen Kapelle werden rechts und links des Ehewappens die Kinder von Christoph von Wolkenstein d. Ä. (1530-26.5.1600) und Ursula Freiin von Spaur (11.8.1532-22.2.1575) abgebildet, insgesamt siebzehn, sämtlich namentlich bezeichnet, außer den als Kleinkind verstorbenen. Sie bilden die sechste Generation der Linie Wolkenstein-Rodenegg. Hinter Christoph steht auf der optisch linken Seite Michael von Wolkenstein (-6.6.1604), 1566 Domherr zu Salzburg, 23.6.1586 Dompropst in Salzburg. An seiner weißen Chorkleidung ist er als Geistlicher zu erkennen. Dahinter folgen die Kinder Karl von Wolkenstein (1557-1618) und Sigmund/Sigismund von Wolkenstein (22.10.1554-18.3.1624).

Hinter Sigmund steht Veit IV. von Wolkenstein (1555-1575), Deutschordensritter, kenntlich an seiner weißen Ordenskleidung mit dem schwarzen Tatzenkreuz auf der Brust. Dahinter stehen Georg von Wolkenstein (1559-1614), Christoph von Wolkenstein d. J. (12.10.1560-1615), Johannes (Hanns) von Wolkenstein (1561-1587) und Ulrich/Udalrich von Wolkenstein (ca. 1550-26.12.1626). Letzterer trägt hier noch weltliche Kleidung, später wurde er Deutschordensritter. Da sein Ordenseintritt am 9.12.1584 erfolgte, muß dieses Fresko vorher entstanden sein, damit haben wir eine Obergrenze der Datierung. Er gelangte im Orden zu Amt und Würden, denn er wurde Komtur in Lengmoos 1587, Statthalter am 25.2.1613 und Landkomtur am 12.1.1615. Dahinter kommen noch zwei jung verstorbene Söhne mit Kreuz über dem Kopf.

Auf der optisch rechten Seite ist die Anordnung etwas anders: Da hier keine Ehefrau (verstorben 1575, damit Untergrenze der Datierung) neben dem Wappen dargestellt wird, wird die Lücke kompensiert durch das Voranstellen von drei jung verstorbenen Töchtern, kenntlich an dem Kreuz über ihrem Kopf. Dann folgen hintereinander Barbara von Wolkenstein, die zweite Barbara von Wolkenstein (1568-1636), Susanna von Wolkenstein (1555-1574) und zuletzt Katharina von Wolkenstein (1556-). Und ganz hinten folgt die zu dem Zeitpunkt bereits verstorbene Ursula von Spaur. Somit haben wir einerseits eine hochsymmetrische Konzeption des Aufbaus, andererseits ist die Reihung der Personen nicht gespiegelt, sondern gleichlaufend: Optisch links verstorbene Kinder, in der Mitte die lebenden Kinder, und ganz rechts Auftraggeber und Frau.

Wolkenstein-Rodenegg - die heutige Generation
In der Besitzgeschichte gibt es eine kleine Diskontinuität, denn in der Mitte des 19. Jh. kam die Burg auf dem Erbwege an Guido Baron Seyffertitz. Seine Witwe verkaufte 1874 die Burg an den ungarischen Grafen Alfred (Aladar) Karatsonyi von Beodra. Dessen Enkel Eugen Baron Piret de Bihain verkaufte Rodenegg 1897 wieder an die Familie der Grafen von Wolkenstein.

Schlüsselfigur für die neuere Geschichte von Schloß Rodenegg ist Arthur II. Ernst Veit Leonhard Graf von Wolkenstein (22.10.1861-31.1.1939), welcher am 22.7.1897 Schloß Rodenegg zurückerwarb und es wiederbelebte. Er hatte zwei Töchter, und deshalb entstand in der nächsten Generation ein geteilter Besitz: Die erste Tochter, Katharina Amalie Anna Julie Maria Leonarda Gräfin von Wolkenstein (28.8.1896-12.6.1969), heiratete am 13.6.1923 in Rodeneck Johann Theodor Maria Anton Graf von Preysing-Lichtenegg (17.5.1884-26.2.1965), deshalb ging der Besitz hälftig an die von Preysing-Lichtenegg. Diese Hälfte gehört heute Franz Gottfried Thurn-Valsassina und Taxis-Preysing Lichtenegg, von der Abstammung her Graf von Thurn-Valsassina und Taxis, durch Adoption seitens seiner Tante auch Graf von Preysing-Lichtenegg. Die zweite Tochter, Dorothea Anna Maria Leonarda Gräfin von Wolkenstein (7.4.1898-), heiratete am 16.10.1919 in Innsbruck Roman Freiherr von Call zu Rosenberg und Kulmbach (15.7.1894-). Zuletzt gehörte diese Hälfte Baronin Maria Dolores von Call (-17.01.1994). Da es dort keine Nachkommen gab, ging diese Besitzhälfte an Leonhard Michael Theodor Peregrin Andreas Venerand Otto Maria Graf von Wolkenstein (5.12.1929-31.10.2016), welcher am 26.4.1965 in Innsbruck-Wilte Dorothea Cornet (24.4.1935-) geheiratet hatte. Diese Hälfte gehört jetzt seinen Erben. Beide Familien teilen sich nach wie vor den Besitz und verbringen jeweils abwechselnd ihren Urlaub auf dem Schloß, so daß es nach wie vor ein bewohnter Familiensitz ist.

Eine Wappentafel Habsburg/Medici
Im Hof ist eine zweiteilige bronzene Erinnerungstafel (Kopie) angebracht, deren oberer Teil die Brustbilder von Leopold V. Erzherzog von Österreich Graf von Tirol (9.10.1586-13.9.1632) und seiner Frau Claudia de' Medici (4.6.1604-25.12.1648) zeigt. Ersterer war der Sohn von Karl II. Erzherzog von Innerösterreich (3.6.1540-10.7.1590) und Maria Anna von Bayern (21.3.1551-29.4.1608). Er war der Bruder von Kaiser Ferdinand II. Er hat eine interessante Karriere, denn er schlug zunächst eine geistliche Laufbahn ein, wurde 1597 Koadjutor in Passau, 1598 Koadjutor in Straßburg, dann 1598-1625 Bischof von Passau (Inbesitznahme erst 1605), dann 1607-1626 Bischof von Straßburg, wurde 1614-1625 Abt des Benediktinerklosters Murbach im Elsaß, resignierte schließlich 1625/1626 zugunsten seines Neffen Leopold Wilhelm von Österreich (Passau, Straßburg, Halberstadt, Magdeburg, Olmütz, Breslau, Hochmeister des Deutschen Ordens und Statthalter der habsburgischen Niederlande) und heiratete am 19.4.1626. Höhere Weihen hatte er nie erhalten, und eigentlich war er umständebedingt mehr militärisch als geistlich engagiert. 1619 wurde er Statthalter in Tirol und Vorderösterreich. Seit dem 24.9.1625 war er Graf in Tirol.

Seine Frau war die Tochter von Ferdinando I. de' Medici Großherzog von Toscana (30.7.1549-1609) und Christine von Lothringen (1565-1637), und für sie war es die zweite Ehe, denn in erster Ehe hatte sie am 29.4.1621 in Pesaro den Herzog Federico Ubaldo della Rovere Duca di Sora, di Sinegallia e di d'Urbino (16.5.1605-28.6.1623) geheiratet. Was die Daten sagen, ist, daß sie mit 4 Jahren verlobt wurde, mit 5 Jahren ihren Vater verlor, mit 16 Jahren das erste Mal heiratete, einen fünfzehnjährigen Knaben, daß sie mit 19 Jahren Witwe wurde, dann 2 Jahre lang in einem Kloster geparkt wurde, mit 21 Jahren zum zweiten Mal heiratete, in sechs Ehejahren fünf Kinder zur Welt brachte und mit 28 Jahren schon wieder Witwe wurde. Ihre Erfüllung fand sie als Regentin für ihre minderjährigen Kinder, ehe sie im Alter von 44 Jahren starb.

Nach dem Tod ihres zweiten Mannes war sie 1632-1646 Regentin von Tirol und den österreichischen Vorlanden, bis ihr Sohn, Ferdinand Karl Erzherzog von Österreich (17.5.1628-1662) volljährig war und die Herrschaft als Graf von Tirol antreten konnte. Auch dieser, ein Verschwender mit ausschweifendem Lebensstil, heiratete eine Medici, nämlich Anna de' Medici (21.7.1616-11.9.1676), die Tochter von Cosimo II. de' Medici Großherzog von Toscana (12.5.1590-28.2.1621) und Maria Magdalene von Österreich (7.10.1589-1.11.1631). Ferdinand Karl heiratete also am 10.6.1646 die Nichte seiner Mutter bzw. die Tochter seines Onkels mütterlicherseits und zugleich die Tochter der jüngeren Schwester seines Vaters, also seine zweifache Cousine, sowohl mütterlicherseits als auch väterlicherseits - in diesen Kreisen nennt man das "Ahnenschwund" (das Paar hatte zusammen nicht 8 Großeltern, sondern nur 4 Großeltern, und zwar die identischen), vulgo Inzucht, und deshalb war der Nachwuchs auch nicht überlebensfähig und starb jung. Diese Nebenlinie der Habsburger bestand bis 1665 und erlosch mit Leopolds zweitem Sohn, Sigmund Franz Erzherzog von Österreich-Tirol (27.11.1630-25.6.1665, 1646 Bischof von Augsburg, 1653 Bischof von Gurk, 1659 Bischof von Trient, 1655 Kardinal, 1662 Erzherzog, 1665 Abdankung). Begraben ist Leopold V. in der Innsbrucker Jesuitenkirche.

Die separat darunter angebrachte zugehörige Inschriftentafel trägt folgenden Wortlaut: "LEOPOLDVS ET CLAVDIA / SERENISSIMI ARCHIDD &C COMITES TIROLIS &C / HVMANISSIMI PRINCIPES / AECEM RODNEGG MVNIMENTVM HOC MAIORVM SVORVM MAXIMORVM / CAESARVM / FIDEI BARONVM DE WOLCHENSTAIN DONVM ET MONVMENTVM AETERNVM / ACCEPTISSIMI HOSPITES / PRAESENTIA SVA ILLVSTRARVNT, FIRMARVNT. / DECIMO OCTAVO CALENDAS OCTOBRIS IN DECIMVM SEXTVM EIVSDEM / ANNO / M:DC XXVIII / FORTVNATVS EX IISD: BARONIBVS ARCIS ET DOMINII HAERES AC POSSESSOR / SVO, SVORVM, ET FAMILIAE VNIVER: BARON: DE WOLCHENSTAIN ET / RODNEGG, NOMINE GRATVM ANIMVM ET MEMORIAM / AETERNANDAM HOC AERE SIGNAVIT / Anno &c ut sup". Diese Tafel erinnert an den zweitägigen Besuch des Herrscherpaares im Oktober 1628. Das Original der Tafel befindet sich nach Verkauf im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck.

Die beiden Wappen zwischen den Brustbildern zeigen heraldisch rechts den silbernen Balken in rotem Feld für das Erzherzogtum Österreich, links das Wappen der Medici, in Gold sechs 1:2:2:1 gestellte Kugeln (palle), von denen eigentlich die obere etwas größer ist und blau tingiert sowie mit drei (2:1) goldenen Lilien (Fleur-de-Lys) belegt ist, und die fünf unteren rot tingiert sind. Die genannten Details sind hier nicht aufgelöst. Hinter den beiden unten spitz zulaufenden, fischblasenförmigen Schilden wächst ein geflügelter Engelskopf hervor, der den Erzherzogshut trägt. Der Erzherzog trägt über der Rüstung die Collane des Ordens vom Goldenen Vlies, in den er 1635 als Ritter aufgenommen worden war. Er wird ohne Arme dargestellt; die kurzen Armstücke der Prunkrüstung enden offen. Bei seiner Frau, die einen reich verzierten Mantel trägt, konnte das eleganter gelöst werden, weil die verdeckende Kleidung bis zum Rand reicht.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@46.77327,11.6876319,17z - https://www.google.de/maps/@46.7732571,11.687671,258m/data=!3m1!1e3
Homepage des Schlosses Rodenegg:
https://www.rodenegg.it/
Schloß Rodenegg auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Rodenegg
Jonas Froehlich: Die Burgen Hauenstein und Rodenegg und ihre Funktionen für die Familie Wolkenstein-Rodenegg, Zulassungsarbeit, Universität Tübingen, 2016 -
https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/81031/Burgen%20Hauenstein%20und%20Rodenegg_Zulassungsarbeit_Jonas%20Froehlich%202016_V2.pdf
Helmut Stampfer: Schloß Rodenegg, Geschichte und Kunst, Pluristamp, Bozen 1998, ISBN: 88-87301-01-8
Die Herren von Rodank:
https://www.gemeinde.rodeneck.bz.it/de/Die_Herren_Rodank
Die Herren von Wolkenstein-Rodenegg:
https://www.gemeinde.rodeneck.bz.it/de/Dorfleben/Schloss_Rodenegg/Die_Herren_von_Wolkenstein-Rodenegg
Rodenegg im 20. Jh.
https://www.gemeinde.rodeneck.bz.it/de/Dorfleben/Schloss_Rodenegg/Rodenegg_im_20_Jhdt
Die Ywain-Fresken:
https://www.gemeinde.rodeneck.bz.it/de/Dorfleben/Schloss_Rodenegg/Die_Ywein_Fresken
Stammliste der von Wolkenstein:
https://de.wikipedia.org/wiki/Stammliste_der_Wolkenstein#B._Linie_Wolkenstein-Rodenegg
Genealogie auf ww-person:
http://ww-person.com/cgi-bin/l1/LANG=germ/INDEX=I947347
Genealogie der von Wolkenstein:
https://www.geni.com/people/Friedrich-von-Wolkenstein/6000000015170412534 und weiterführende Seiten der Abkömmlinge
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Genealogie der von Wolkenstein:
https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&n=von+wolkenstein+rodenegg&oc=0&p=christoph und weiterführende Seiten
Genealogie der von Wolkenstein:
https://www.geneagraphie.com/getperson.php?personID=I462214&tree=1 und weiterführende Seiten
österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 926.30
https://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=4377225
österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/AVA Adel RAA 400.12
https://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=2722506
Genealogie von Wolkenstein:
http://www.literature.at/viewer.alo?objid=12542&viewmode=fullscreen&scale=3.33&rotate=&page=58
Leopold V. von Österreich:
https://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_V._(Österreich-Tirol)
Claudia de Medici:
https://de.wikipedia.org/wiki/Claudia_de%E2%80%99_Medici

Ortsregister - Namensregister - Regional-Index
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright bzw. Urheberrecht an Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2022
Impressum