Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2761
Zwiefaltendorf (zu Riedlingen, Landkreis Biberach)

Schloß Zwiefaltendorf

Schloß Zwiefaltendorf steht in malerischer Lage direkt am westlichen Donauufer im Riedlinger Stadtteil Zwiefaltendorf in der Nähe der modernen Donaubrücke (Von-Speth-Straße 11). Das nach Süden hin parkartig gestaltete Gelände wird durch die hier verlaufende Zwiefalter Ach zur Halbinsel; weitere Gebäude an der Sägmühlstraße werden eingeschlossen. Diese Landzunge machte schon im Mittelalter den geschützten Bauplatz attraktiv, als man hier im 13. Jh. eine fast quadratische Burganlage errichtete und sogar noch einen bogenförmigen Graben im Westen aushob, um die Burg noch enger mit Wasser zu umschließen. Erst als man später den Park anlegte, bekam die Zwiefalter Ach ein anderes Bett und mündet seitdem weiter südlich in die Donau. Von der mittelalterlichen Burg ist außer wenigen Fundamenten im Schloßgarten nichts mehr vorhanden; die Reste wurden 1660 abgebrochen. Es handelt sich beim heutigen Schloß um einen schlichten zweistöckigen Satteldachbau aus der frühen Barockzeit mit zwei spitzbedachten, polygonalen Eckerkern an der zum Fluß gewandten östlichen Giebelseite. Die genaue Bauzeit ist nicht bekannt, einerseits bildet der Dreißigjährige Krieg, in dem Zwiefaltendorf durch die Schweden unter Feldmarschall Horn geplündert wurde, die Untergrenze, andererseits existierte es bereits, als die alte Burg abgebrochen wurde. Also ist als Bauzeit ca. 1640-1660 anzunehmen. Das im 19. Jh. umgestaltete Schloß, dessen Erdgeschoß 1933 erneut umgebaut wurde, wurde 1982-1985 außen und 2003 innen renoviert.

Im Mittelalter gab es einen Ortsadel, die Bossen von Zwiefaltendorf, ein ehemals staufische Dienstmannengeschlecht, das vermutlich mit den Herren von Stain und den Herren von Pflummern verwandt war, was die Wappenähnlichkeit nahelegt, und gegen Ende des 13. Jh. mit Reinher oder Burkhard von Zwiefaltendorf erlosch. Nachdem die Burg durch Ulrich von Berg zu Schelklingen 1311 eingenommen worden war, ist sie kurz darauf Eigentum der Grafen von Württemberg. Die Speth treten im Jahre 1441 als Besitzer von Zwiefaltendorf erstmals auf, als Albrecht Speth von Ehestetten und Steingebronn, vermählt mit Clara von Ehestetten, Zwiefaltendorf erst als württembergisches Pfand gegen 3700 fl. und dann 1441 als Eigengut bekam. Albrecht Speth (1385-17.3.1465) war Vormund der württembergischen Grafen Ludwig IV. und Ulrich V., und er war württembergischer Landhofmeister unter Graf Eberhard im Bart.

Die Herrschaft Ehestetten war seit 1364 im Besitz der Speth. Heinrich Speth von Steingebronn hatte das württembergische Lehen von Schwigger von Gundelfingen gekauft, zusammen mit der oberen Mühle in Gundelfingen. Die Mühle wurde schon 1629 verkauft, aber die Herrschaft blieb bei der Familie bis zum Ende. Die Speth bekamen die Herrschaft Eglingen zu Anfang des 15. Jh., auch diese war ein württembergisches Lehen. 1473 wechselte Eglingen von der Linie Schülzburg an die Linie Untermarchtal. Die Familie besaß Eglingen bis 1823.

Nach Albrecht folgte in Zwiefaltendorf sein Sohn Ludwig Speth von Zwiefalten (-4.11.1507), vermählt mit Veronica von Bubenhofen. Dieser verkaufte 1487 Zwiefalten an Hans Speth von Neidlingen bzw. von Ehestetten (-1509), Landhofmeister, der vermählt war mit Margaretha von Neipperg. Danach ging der Besitz an dessen Neffen, Dietrich Speth von Zwiefalten und Ehestetten (-1.12.1536), württembergischer Erbtruchseß, bayerischer Rat und Oberst, österreichischer Feldmarschall, vermählt mit Agathe von Neipperg. Kaiser Maximilian I. verlieh ihm am 1.5.1511 den Blutbann samt Stock und Galgen für Zwiefalten den Markt, ebenso Kaiser Karl V. am 22.6.1532.

Es gab zwischenzeitlich ein Zerwürfnis mit den Württembergern, in dessen Folge Herzog Ulrich die Burg und das Dorf 1517 zerstören ließ, woraufhin Dietrich Speth nach Wien floh. Hintergrund war, daß Dietrich von Speth mit des Herzogs Ehefrau Sabina von Bayern, die ihren Ehemann verließ, nachdem dieser nach einem Streit mit dem herzoglichen Stallmeister Hans von Hutten wegen verweigerten Beischlafs mit dessen Ehefrau Ursula jenen im Zorn ermordet hatte, nach Untermarchtal und dann weiter nach Bayern geflohen war. Der Helfer in dieser Sache, durch die sich Herzog Ulrich öffentlich gedemütigt und als tyrannischen Ehemann bloßgestellt sah, bekam seine Burgen eingeäschert. Dietrich von Speth, einst ein enger Vertrauter des Herzogs, wechselte die Seiten und wirkte maßgeblich an der Vertreibung des Herzogs mit. Nach dessen Rückkehr wurden 1534 die Besitzungen des Dietrich von Speth eingezogen. 1550 waren die Wogen wieder geglättet, nach Herzog Ulrichs Tod bekam die Familie 1550 ihre Güter wieder zurück, und die Speth waren wieder in Besitz von Zwiefaltendorf.

Auf Dietrich Speth und die "Lücke" folgte sein Enkel Wilhelm Dietrich Speth von und zu Zwiefalten und Ehestetten (23.6.1546-2.3.1615), zunächst noch unter Vormundschaft wegen seiner Minderjährigkeit. Später ergaben sich Schwierigkeiten, weil sich um 1600 die Bauern gegen seine Herrschaft erhoben. Im Jahre 1598 hatte er ein Drittel der Herrschaft Zwiefalten dem Herzog von Württemberg als Lehen aufgetragen, gegen die Überlassung eines Gnadenjagens im Zwiefalter Forst. Dann folgte als nächster Besitzer dessen Sohn Georg Dietrich (-1639), welcher ledig blieb und 1615 die Hälfte von Zwiefalten Württemberg zu Lehen auftrug. Als die Schweden anrückten, floh er ins Kloster Zwiefalten und verließ es bis zu seinem Tod nicht mehr. Deshalb können wir vor 1639 jegliche Baumaßnahmen für ein neues Schloß ausschließen. Dann ging der Besitz an dessen Cousin Bernhard Speth von Zwiefalten (-12.1.1663) aus der Untermarchtaler Linie, unter dem die alte Burg abgebrochen wurde und das neue Schloß erbaut wurde. Bernhard vereinigte nach seines Bruders und seines Vetters Tod wieder den Besitz Zwiefaltendorf, Untermarchtal, Eglingen und Ehestetten in einer Hand. Zentrum der Herrschaften und ihrer Verwaltung war Untermarchtal. Er war vermählt mit Veronica von Ulm-Erbach. Danach ging der Besitz an seinen Sohn Ulrich Bernhard Speth von Zwiefalten zu Zwiefalten, Untermarchtal und Ehestetten (27.2.1612-), vermählt mit Eva von Weichs auf Dassingen.

Der nächste Besitzer war deren Sohn Adam Bernhard Freiherr von Speth zu Zwiefalten, Untermarchtal, Eglingen und Ehestetten (9.10.1662-4.8.1691), vermählt mit Barbara Therese Schad von Mittelbiberach-Warthausen. Adam Bernhard wurde im Alter von 28 Jahren vom Augsburger Patrizier Ilsung erschossen und hinterließ seiner Witwe den zweijährigen Nachfolger, Adam Joseph Tiberius Freiherr Speth von Zwiefalten zu Zwiefalten, Untermarchtal, Eglingen und Ehestetten (18.3.1689-1744), der 1744 Antonia Gräfin von Thurn-Valsassina und Taxis geheiratet hatte. Dann folgten als Besitzer sein Sohn Franz Joseph Tiberius Freiherr Speth von Zwiefalten zu Zwiefalten, Untermarchtal, Eglingen und Ehestetten (27.7.1713-24.8.1771), kaiserlicher Rat, vermählt mit Maria Friderica Concordia Speth von Zwiefalten zu Hettingen, danach deren Sohn Johann Nepomuk Ferdinand Franz Joseph Adam Freiherr Speth von Zwiefalten zu Zwiefalten, Untermarchtal, Eglingen und Ehestetten (20.9.1746-25.2.1801), der Wilhelmine Gräfin von Sickingen (20.11.1757-27.12.1833) heiratete. Deren Sohn Maximilian Freiherr von Speth zu Zwiefalten und Ehestetten (8.4.1785-7.5.1856) heiratete Mathilde Gräfin von Jenison-Walworth (19.10.1812-9.6.1897). Unter Maximilian Speth, der von seinem Vater als Universalerbe eingesetzt worden war, Zwiefaltendorf und Ehestetten bekam und eine neue Linie zu Zwiefaltendorf begründete, wurde das Schloß umgestaltet.

Durch Heirat ging der Besitz an die Freiherren von Bodman über: Maximilians Sohn Rudolf Dietrich Heinrich Freiherr von Speth zu Zwiefalten und Ehestetten (30.1.1835-8.3.1878), der Letzte der Linie im Mannesstamm (seine einzige Schwester, Thusnelde, ging ins Kloster), heiratete Maria Elisabeth Gräfin von Bissingen-Nippenburg, die nach seinem Tod 1890 Freiherr Franz von und zu Bodman in zweiter Ehe heiratete, wodurch dessen Sohn aus erster Ehe, Johann Rudolf Freiherr von und zu Bodman, das Schloßgut Zwiefaltendorf 1905 durch Verkauf bekam. In dieser Familie blieb das Schloß bis 1999, dann wurde es an die Metzinger Industriellen-Familien Junger und Seiz verkauft und seitdem von der Schloß Zwiefaltendorf Event GbR betrieben. Das Schloß kann für Tagungen, Präsentationen, private Veranstaltungen und festliche Anlässe jeglicher Art wie z. B. Jubiläen, Geburtstage und Hochzeiten tageweise gemietet werden.

Am Schloß selbst sind keinerlei Wappen angebracht, aber an einem Nebengebäude (Scheune) im Westen der Anlage ist ein auf 1570 datierter Stein angebracht, vermutlich von der Burg und hier als Spolie sekundär vermauert. Heraldisch rechts ist das Wappen der Speth von Zwiefalten zu sehen, in Rot schräg übereinandergelegt drei silberne Schlüssel mit gezähntem Bart, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender Mannesrumpf, dessen rotes Gewand mit silbernem Kragen mit drei schräg übereinandergelegten silbernen Schlüsseln mit gezähntem Bart belegt ist, auf dem Kopf eine rote, silbern aufgeschlagene Mütze. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Bad Seite: 77 Tafel: 46, Band: Bay Seite: 58 Tafel: 61, Band: MeA Seite: 101 Tafel: 57, Band: Wü Seite: 12 Tafel: 14, im Münchener Kalender 1920, im Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 76 Seite 51, 157 und ist im Scheiblerschen Wappenbuch auf Folio 112 abgebildet.

Gegenüber befindet sich das Wappen der von Uttenheim, in Schwarz ein goldener Schrägbalken, auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken das Haupt eines wilden Mannes oder Riesen mit langen, wallenden Haaren. Die Familie gehört zu den Patriziergeschlechtern der Stadt Straßburg. Alternative Namen sind Klett von Uttenheim, Klött von Uttenheim oder Kloett zu Uttenheim und Matzenheim. Ihr Wappen wird beschrieben im Siebmacher Els Seite: 13 Tafel: 15, weiterhin im Basler Wappenkalender 1920, und es wird ebenfalls abgebildet im Stett- und Ammeisterbuch der Stadt Straßburg. Als Darstellungsvariante wird manchmal auf die Helmdecke verzichtet, wobei die wallenden Haare als Deckenersatz dienen. Seitlich stehen zwei Schildhalter, die jeder für sich noch einen eigenen kleinen Dreieckschild ohne erkennbare Inhalte mit der freien Hand auf den Boden stützen. Der lang querrechteckige Wappenstein war einmal in mehrere Fragmente zerbrochen und ist sichtbar unprofessionell zusammengeflickt worden.

Dieser Stein paßt zu Ulrich Speth von Zwiefalten und Untermarchtal (-1549) und seiner zweiten Frau, Ursula von Uttenheim zu Ramstein (-8.11.1589). Ulrich Speth war der Sohn von Dietrich Speth von Zwiefalten und Ehestetten (-1.12.1536) und Agathe von Neipperg, also der Sohn desjenigen, der aus seinen Besitzungen verjagt wurde und den Ärger mit Herzog Ulrich von Württemberg hatte. Als dieser Stein angefertigt wurde, war Ulrich schon verstorben, und seine Söhne Johann Ulrich (später zu Untermarchtal) und Wilhelm Dietrich (später zu Zwiefalten) waren noch minderjährig. Für die Kinder fungierten zunächst Jörg Speth zu Schülzburg und Stefan von Uttenheim zu Ramstein (Onkel mütterlicherseits) als Vormünder. Zum Zeitpunkt des Baus war Ursula geb. von Uttenheim schon verwitwet, aber die Söhne noch nicht verheiratet. Deshalb sehen wir hier im Jahr 1570 die Wappenkonstellation Speth und Uttenheim, genauso wie an Schloß Untermarchtal. In der Kirche von Zwiefaltendorf begegnet uns ebenfalls diese Wappenkombination. Ursula von Uttenheim heiratete später in zweiter Ehe Wilhelm von Stotzingen.

An diesem Nebengebäude ist noch eine zweite Spolie eingemauert, eine rechteckige Kartusche mit zwei Auspfropfungen an den Seiten und zwei Rollwerkelementen oben und unten, mit der religiösen Inschrift: "ICH WAIS(S) DAS(S) MEIN ERLÖSER LEBT / VND ICH WERD(E) IM LETZTE(N) TAG VO(N) / DER ERDE AVFFERST(EHEN) VND WERD(E) / DARNACH WI(E)DER MIT DI(E)SER MEINER HAVT / VMBGEBEN WERDE(N), VND WERD(E) / IN MEINEM FLAISCH GOTT SEHE(N) / IOB. 19. CAP:".

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@48.2147295,9.5177572,18.75z - https://www.google.de/maps/@48.2146369,9.5176527,124m/data=!3m1!1e3
Webseite des Schlosses:
http://www.schlosszwiefaltendorf.de/ - Schloßgeschichte: www.schlosszwiefaltendorf.de/das-schloss.html
Zur Geschichte der Herrschaften Zwiefaltendorf, Ehestetten, Eglingen und Untermarchtal:
https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/einfueh.php?bestand=2282
Schloß Zwiefaltendorf auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Zwiefaltendorf
Stefan Uhl: Burgen, Schlösser und Adelssitze im Landkreis Biberach, in: Heimatkundliche Blätter für den Kreis Biberach, hrsg. von der Gesellschaft für Heimatpflege (Kunst- und Altertumsverein) Biberach e. V., 9. Jahrgang, Sonderheft 1, 6.6.1986, S. 66-67
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 423
Zwiefaltendorf auf Leo-BW:
https://www.leo-bw.de/web/guest/detail-gis/-/Detail/details/ORT/labw_ortslexikon/17492/x
Sabina von Bayern:
https://www.elk-wue.de/service/gedenktage/gedenktage-2017/sabina-von-bayern/
Sabina von Bayern:
http://stiftskirche-digital.de/grablegen/grab-sabina-von-bayern/
Sabina von Bayern:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sabina_von_Bayern
Arthur Freiherr von Speth-Schülzburg: Stammbaum der Freiherren von Speth, 1903 -
https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&cqlMode=true&query=idn%3D115040096X - https://portal.dnb.de/bookviewer/view/115040096X#page/1/mode/2up - download am besten über http://d-nb.info/115040096X/34. Cave, der Stammbaum enthält etliche Fehler.

Ortsregister - Namensregister - Regional-Index
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright bzw. Urheberrecht an Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2021
Impressum