Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2757
Wilflingen (zu Langenenslingen, Landkreis Biberach)

Stauffenberg-Schloß in Wilflingen

Das Stauffenberg-Schloß im Langenenslinger Stadtteil Wilflingen liegt ca. 9 km westlich von Riedlingen in einer innerörtlichen Straßenbiegung am Übergang der Stauffenbergstraße in die Enhofer Straße (Stauffenbergstraße 12). Das privat bewohnte Schloß mit seinen malerischen blau-weißen Fensterläden und seinem bewachsenen Erdgeschoß besteht aus einem dreigeschossigen Hauptflügel mit je einem Rundturm an der Nordwest- und der Südostecke und einem östlich angesetzten Seitenflügel mit zwei weiteren Rundtürmen an der östlichen Giebelseite. An der Südwestecke setzen einfache Nebengebäude an, die einen westlich des Schlosses gelegenen Wirtschaftshof einleiten. Von dem südlichen Trakt der Nebengebäude führt ein kurzer gedeckter Brückengang zur benachbarten katholischen Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk. Das Pfarrhaus, das ehemalige Forsthaus im Norden und das Rentamt ergänzen das herrschaftliche Ensemble. Der auf der östlichen Straßenseite gegenüber dem Herrenhaus gelegene Schloßgarten wird von einer Mauer eingefaßt. Das private Anwesen kann nur im Rahmen von vereinbarten Führungen innen besichtigt werden; der Außenbereich kann für Veranstaltungen gebucht werden.

Die Ortsherrschaft lag erst bei den Grafen von Veringen, dann kam sie an die Grafen von Grüningen-Landau. Auch die Herren von Justingen hatten zeitweise Herrschaftsrechte inne. Es gab einen Niederadel von Wilflingen, der aber schon im 13. Jh. nicht mehr im Ort anwesend war. Die nächsten Besitzer waren das Kloster Heiligkreuztal und dann ab Anfang des 14. Jh. ein Zweig der Herren von Hornstein. Diese wiederum verkauften Wilflingen 1437/1438 an den württembergischen Landhofmeister Hans Truchseß von Bichishausen, dessen Tochter Barbara den Besitz als Heiratsgut an Werner Schenk von Stauffenberg (-1485) brachte, den sie um 1454 geehelicht hatte. Die Schenk von Stauffenberg besitzen Schloß Wilflingen seit 1464, und seitdem ist es ununterbrochen in Familienbesitz, über 550 Jahre lang. Es handelt sich um den ältesten Familiensitz der Schenk von Stauffenberg. Der spätmittelalterliche Giebelbau, vermutlich aus dem 15. Jh. mit Anbau aus dem 16. Jh., wurde zuletzt vom Konstanzer Fürstbischof Johann Franz II. Schenk von Stauffenberg (1658-1740, reg. 1704-1740) in der Zeit von 1710 bis 1715 aufgestockt und innen bis 1730 barockisiert. Er stattete das Schloß mit einem neuen Treppenhaus, zeitgemäßen prachtvollen Stuckdecken in der Belle Étage, gußeisernen Öfen und Mobiliar aus, Verschönerungsmaßnahmen, die bis heute noch die Inneneinrichtung prägen. Der Fürstbischof ließ auch 1710 den etwas außerhalb gelegenen, dreistöckigen Eisighof errichten, der für Veranstaltungen als Festsaal gebucht werden kann, und ebenso ließ er die Wirtschaft zum Löwen und die barocke Patronatskirche errichten. 1805 kam der reichsritterschaftliche Ort an Württemberg und wurde dem Oberamt Riedlingen zugeschlagen.

Ein besonderer Schatz dieses Schlosses ist die vom Reichstagsvizepräsidenten Franz August Schenk Freiherr von Stauffenberg (3.8.1834-2.6.1901) und von seinem Sohn, dem Reichstagsabgeordneten Dr. Franz Wilhelm Karl Maria Gabriel Schenk Freiherr von Stauffenberg (14.8.1878-9.11.1950), zusammengetragene Schloßbibliothek mit einem Umfang von ca. 30000 Bänden, deren größter Teil sich in der kreuzgratgewölbten Eingangshalle befindet.

Das Wappen der Schenk von Stauffenberg zeigt in Silber einen roten Balken, oben und unten begleitet von einem blauen schreitenden Löwen, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein silbern gestulpter roter Turnierhut, im Stulp zwei auswärts geneigte, silberne und oben mit schwarzen Hahnenfedern besteckte und mit einer roten Binde umlegte Schäfte (Münchener Kalender 1908, Wolfert, Siebmacher Band: Bay Seite: 58 Tafel: 61, Band: Bö Seite: 172 Tafel: 76, Alberti S. 759-760, Rahrbach S. 215-218).

 

Das älteste Wappen ist als Spolie in einer Wand der Nebengebäude in der Nähe zum Durchgang zur Kirche eingelassen, ein Epitaph mit dem folgenden Wortlaut der Inschrift: "An(n)o Domini 1594 den 28 Januarii / starb die Edel Fraw Margaretha schenckhin / vo(n) Stauffe(n)berg gebor(e)ne von Hocheneckh / Des Edlen Gestrenge(n) hans Christoff schenck he(rr) / von Stauffenbergs zu Milfflingen - Österreich/ischen Raths pflegers zu Ehingen - / Gemahlen liegt al(l)sa sampt ihrem Sohne / Dietterich schenckh von Stauffenberg / begraben dero gott gen(a)edig seye".  Die oben bogenförmig abgeschlossene Nische in der oberen Hälfte des Epitaphs trägt in der Mitte ein Kleeblattkreuz, das auf den Enden und dem Kreuzungspunkt mit Ornamenten belegt ist und am Fuß von einem Totenschädel als Vergänglichkeitssymbol begleitet wird. Davor stehen die beiden Wappen der Ehepartner, heraldisch rechts dasjenige der Schenk von Stauffenberg wie oben beschrieben, auf der anderen Seite das der von Hohenegg bzw. von Hoheneck, in Silber der schwarze Kopf und Hals eines rotgezungten Ochsens (Stiers), auf dem Helm ein silberner, rotgezungter Ochsenkopf (Stierkopf) wachsend, Helmdecken schwarz-silbern, silbern-schwarz oder silbern-rot.

Das Geschlecht der von Hoheneck blühte etwa zwischen 1239 und 1671. Es handelt sich um einen Zweig der Herren von Trauchburg und von Hohentann (Hohentann von Hoheneck). Der Stammsitz war Burg Hohenegg im Allgäu. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: BayA3 Seite: 183 Tafel: 129-130 und im Band: OÖ Seite: 129 Tafel: 38, im Alberti S. 333 sowie im Rietstap/Rolland. Es ist in vielen historischen Wappenbüchern enthalten: Berliner Wappenbuch mit silbern-schwarzen und alternativ mit silbern-roten Decken, Scheiblersches Wappenbuch Folio 45, Wappenbücher von St. Christoph auf dem Arlberg (209n2), Zürcher Wappenrolle (169), Conrad Grünenbergs Wappenbuch (1233), Wappenbuch St. Gallen (1565), Ingeram-Kodex (533), Donaueschinger Wappenbuch (845) und Ulrich Richental's Chronik des Konzils zu Konstanz (871). Das Wappen des Geschlecht wird in der Literatur nicht einheitlich dargestellt; Helmzier und Helmdecke erscheinen teilweise in anderen Farben, der Ochse hat rote Hörner etc., z. B. im Scheiblerschen Wappenbuch ist der Ochse der Helmzier golden, und die Helmdecken sind golden-schwarz.

Bei den hier erwähnten Personen handelt es sich um Hans Christoph Schenk von Stauffenberg (1559-11.5.1638), Sohn von Albrecht Schenk von Stauffenberg (-19.8.1593) und dessen zweiter Ehefrau, Katharina von Closen. Hans Christoph war dreimal verheiratet, in erster Ehe mit besagter Margarete von Hoheneck (-28.1.1594), deren gemeinsames Kind Dietrich ebenfalls 1594 verstarb, am Tag seiner Geburt zusammen mit seiner Mutter, wodurch dieses Epitaph an eine familiäre Tragödie erinnert, dann heiratete Hans Christoph in zweiter Ehe am 8.4.1598 Barbara von Essendorf (-1612) und in dritter Ehe am 5.8.1613 Marie von Laubenberg (-31.5.1632), die Tochter von Hans von Laubenberg und Anna von Bubenhofen.

Es gibt hier einen interessanten Bezug zu einem heute verlorenen Epitaph der Familie von Hoheneck aus bemaltem Holz, das in der epigraphischen Sammelhandschrift des Johann Georg Adam und des Johann Georg Brix von Hoheneck Erwähnung findet. Dieses Epitaph stammte vermutlich aus der Pfarrkirche Vils, hing dann eine Zeitlang in einem nicht näher bekannten Wirtshaus in Vils und war irgendwann nicht mehr aufzufinden. Die Inschrift nennt den Vater der Ehefrau, Andreas von Hoheneck (24.2.1594) zu Vilseck und Sulzschneid, Erbkämmerer des Hochstifts Augsburg ("der Edl vnd Vest Andreaß Von Hoheneck zu Vülseckh vnd Schulzschnaidt, deß Hochlöbl(ichen) domb=Stüffts zu Augspurg Erb Cam(m)erer"), sowie die Mutter, Cordula von Landau (21.3.1605) als Stifterin des Epitaphs ("darnach Anno 1605 den 21 tag Martij Starb die Edl.... Cordula v(on) hoheneckh, ein Gebohrne Von Landau Wittib, hat ihrn Geliebten gemahel diße Tafel herrein mallen lasßen"), und es nennt die hier relevante Tochter, für deren Todestag allerdings abweichend der 27.1.1594 angegeben wird ("Auch zuvor deß Lauffenden Jahrs a(nno) 94 den 27 Tag Januarij zwischen 10 Vnd 11 Vhr Vor=Mittag starb sein dochter Margaretha Schenkhin Von Stauffenberg"). Dieses verschollene Epitaph bildet die Ergänzung zu demjenigen in Wilflingen.

Eine stark verwitterte Spolie, ebenfalls neben dem Durchgang zur Kirche angebracht, verweist auf den Konstanzer Fürstbischof Johann Franz II. Schenk von Stauffenberg (geb. 1658, reg. 1704-1740), den Sohn von Johann Wolfgang Friedrich Schenk von Stauffenberg (ca. 1612-19.10.1676) und Anna Barbara von Wernau (1632-15.7.1681). Sein Wappen ist geviert mit Herzschild und einer eingepfropften Spitze, Feld 1 und 4: in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz (Reichsabtei Reichenau), Feld 2 und 3: in Silber ein roter Balken, beiderseits begleitet von zwei blauen schreitenden Löwen (Schenk von Stauffenberg), eingepfropfte Spitze: in Gold zwei aus blauen Wolken hervorkommende natürliche Hände, einen aufwärts gerichteten silbernen Schlüssel mit beidseitigem Bart emporhaltend (Propstei Öhningen), Herzschild: in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz (Hochstift Konstanz). Über dem Schild ruht ein Fürstenhut, hinter dem Schild sind Krummstab und Schwert schräggekreuzt. Ein weiteres, besonders raffiniert und opulent gestaltetes Wappen dieses Fürstbischofs mit den gleichen Inhalten ist in der nahen Pfarrkirche angebracht.

Als schmiedeeiserne Arbeit sehen wir in der näheren Umgebung des Schlosses ein Ehewappen, das aus dem Wappen der Schenk von Stauffenberg wie beschrieben und demjenigen der Adelmann von Adelmannsfelden besteht; letzteres zeigt in Silber einen blauen, rot gekrönten, gezungten und bewehrten Löwen. Dieses Ehewappen gehört zu Friedrich Wilhelm Peter Hubertus Maria Schenk Freiherr von Stauffenberg (19.5.1908-25.3.1982) und seiner Frau, Mechthild Maria Sophie Gertrud Adelmann von Adelmannsfelden (6.8.1909-). Der Ehemann war der Sohn von Franz Schenk Freiherr von Stauffenberg (14.8.1878-9.11.1950) und Hubertha Maximiliana Anna Maria Aloysia Gräfin Wolff-Metternich zur Gracht (24.7.1882-21.1.1952). Die Ehefrau war die Tochter von Sigmund Maria Graf Adelmann von Adelmannsfelden (29.6.1876-18.10.1926) und dessen zweiter Frau, Irma Freiin von Hake (26.9.1883-12.3.1967). Das hier durch das Allianzwappen vertretene Paar, das am 30.12.1936 geheiratet hatte, hatte drei Kinder, Marie Sophie Freiin von Stauffenberg (1936-), Franz Schenk Freiherr von Stauffenberg (1939-) zu Wilflingen und Wolf Dietrich Schenk Freiherr von Stauffenberg (1942-).

Gegenüber der Kirche befindet sich ein weiteres Stauffenberg-Wappen am Anwesen Enhofer Straße 21, einem zweistöckigen Gebäude (Abb. oben) mit Walmdach, das durch die Tafel über der Tür (Abb. unten) auf das Jahr 1782 datiert wird. Das Wappen ist hier nur Beiwerk einer runden Kartusche mit einer Madonnendarstellung, die von einem geflügelten Engelskopf mit Inful überhöht wird. Das gesamte Schmuckelement, das einzige der Fassade, weist klassizistische Gestaltungselemente wie die typischen Girlanden und Friese auf.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@48.1367626,9.3561394,19z - https://www.google.de/maps/@48.1368625,9.3561228,124m/data=!3m1!1e3
Schloß Wilflingen:
https://www.schloss-wilflingen.de/ - Räumlichkeiten: https://www.schloss-wilflingen.de/das-schloss/raeumlichkeiten/
Wilflingen auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wilflingen_(Langenenslingen)
Wilflingen auf Leo-BW:
https://www.leo-bw.de/en_US/web/guest/detail-gis/-/Detail/details/ORT/labw_ortslexikon/17353/Wilflingen
Stefan Uhl: Burgen, Schlösser und Adelssitze im Landkreis Biberach, in: Heimatkundliche Blätter für den Kreis Biberach, hrsg. von der Gesellschaft für Heimatpflege (Kunst- und Altertumsverein) Biberach e. V., 9. Jahrgang, Sonderheft 1, 6.6.1986, S. 65
Schenk von Stauffenberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Stauffenberg_(Adelsgeschlecht)
von Hoheneck:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hohenegg_(Adelsgeschlecht)
von Hoheneck:
https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Artikel_45715
Werner Köfler und Romedio Schmitz-Esser: Die Inschriften der Politischen Bezirke Imst, Landeck und Reutte, Die Deutschen Inschriften Bd. 82, Wiener Reihe Bd. 7, Teil 1, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2013, Kat. Nr. 318,
https://hw.oeaw.ac.at/inschriften/tirol-1/reutte/tirol-1-obj318.xml
Genealogie der Schenk von Stauffenberg:
http://http.genealogy.euweb.cz/german/staufenbg3.html
Genealogie der von Hoheneck: Joseph Freiherr von Hormayr-Hortenburg: Die goldene Chronik von Hohenschwangau, München 1842, Stammbäume im Anhang hinter S. 92, online:
https://books.google.de/books?id=G8R3QttBcL4C
Webseite der Gemeinde:
https://www.langenenslingen.de/index.php?id=165
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 288-289

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