Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2724
Halberstadt (Landkreis Harz, Sachsen-Anhalt)

Der Dom zu Halberstadt, Teil (2): Friedrich von Britzke

Dieser rechteckige Bronzebeschlag, heute auf der Südempore des Halberstädter Domes zu sehen, bedeckte einst die Grabplatte des hiesigen Domdekans Friedrich von Britzke (-25.7.1576). Das Kunstwerk wurde vom Gießer Hans Meisner hergestellt, wie eine Einritzung auf dem unteren inneren Steg verrät: "HANS MEISNER GOS(S) MICH ZV BRAVNSCHWEIG", ergänzt um "V(ERBVM) D(OMINI) M(ANET) I(N) AE(TERNVM)" - in Ewigkeit bleibt das Wort Gottes bestehen. Die Anbringung an der Südwand der Empore ist sekundär; ursprünglich befand sich die Grabplatte direkt vor dem reich mit Figurenschmuck versehenen Epitaph des Domdekans im Boden der Kirche, vor dem nordöstlichen Vierungspfeiler.

 

Die abgesetzte Randzone der Platte trägt folgende Inschrift: "Anno d(omi)ni 1576 25 iv/lii obiit in christo reve/re(n)d(vs) et nobilis vir d(omi)n(v)s / fridericvs a breitzke h/vivs ecclesiae decanvs / c(vi)(vs) a(n)i(m)a reqviescat in pace" - im Jahre des Herrn 1576 am 25. Juli starb in Christus der ehrwürdige und edle Mann, Herr Friedrich von Britzke, Dekan dieser Kirche; dessen Seele in Frieden ruhe.

"Anno d(omi)ni 1576 25 iv..."

"...lii obiit in christo reve...

"...re(n)d(vs) et nobilis vir d(omi)n(v)s"

"fridericvs a breitzke h..."

"...vivs ecclesiae decanvs"

"c(vi)(vs) a(n)i(m)a reqviescat in pace"

Diese in erhabenen Lettern gegossene Inschrift wird von insgesamt sechs Medaillons unterbrochen, vier in den Ecken und zwei an den Längsseiten. Die vier Medaillons in den Ecken tragen die geflügelten Evangelistensymbole (Abb. unten), der mit einem Schriftband, das sie jeweils als "S(ANCTVS) / MATH(A)EVS E(VANGELISTA)", "S(ANCTVS) IOHANNES / E(VANGELISTA)", "S(ANCTVS) MARCVS (EVANGELISTA)" und "S(ANCTVS) LV/CAS E(VANGELISTA)" identifiziert. Das Medaillon auf der linken Längsseite stellt den hl. Stephanus dar, mit Palmzweig und dem Buch mit den darauf liegenden drei Steinen; er ist der Patron des Bistums Halberstadt. Im Medaillon auf der rechten Längsseite wird Maria mit dem Kind dargestellt.

Das Zentralfeld wird von einer Bogenarchitektur eingefaßt. Die Säulen tragen oben ein reichverziertes Kapitell und unten an den Basen jeweils halb zu sehende Löwenmasken; die rechteckigen Sockel tragen auf der Vorderseite jeweils einen Diamantbossen. In den beiden oberen Zwickeln halten geflügelte Putten die Enden eines in der Mitte herabhängenden Fruchtgebindes, das von einem weiteren Engelskopf auf Rollwerk überhöht wird. Zwischen den Sockeln bildet eine niedrige Mauer den Abschluß nach hinten, vor dem der Domdekan steht. Er wird in Prälatenkleidung dargestellt und ist mit einem quastenlosen Birett in Form eines Luther-Baretts auf dem Kopf und mit einem bis zu den Füßen reichenden Untergewand, einem bis zu den Knien reichenden Chorhemd mit weiten Ärmeln und einer pelzbesetzten Almutie gekleidet, die mittels einer mit Troddeln versehenen Schnur gehalten wird, die an zwei rosettenartigen Agraffen befestigt ist. In den beiden Händen hält er ein Buch vor seiner Brust. Das bärtige Gesicht hat er leicht aus der frontalen Stellung heraus nach rechts gedreht. Das im unteren Bereich vor den geraden Längsfalten des Untergewandes aufgestellte Wappen des Domdekans Friedrich von Britzke zeigt in Silber einen roten, sechszackigen Stern, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken drei Straußenfedern, eine rote zwischen zwei silbernen (Siebmacher Band: AnhA Seite: 11 Tafel: 15, Band: PrE Seite: 30 Tafel: 24, Band: Sa Seite: 22 Tafel: 23).

Die Familie gehört zum magdeburgischen Uradel. Der Stammsitz Brietzke (Möckern) liegt im Kreis Jerichow (daher auch die vertauschende Schreibung "Breitzke" in der Inschrift). 1820-1945 hatte die Familie das Rittergut Warchau (zu Rosenau, Landkreis Potsdam-Mittelmark) in ihrem Besitz. Zahlreiche Domherren wurden in den Stiften Brandenburg/Havel, Magdeburg, Merseburg, Halberstadt und Stendal untergebracht. Es gab einen Johannes, einen Friedrich und einen Ludwig von Britzke (Domdekan 1576-4.9.1588) im 16. Jh. im Domkapitel Halberstadt. Der erste und der zweite von den dreien werden an der Kanzel des Domes genannt; das Wappen ist zweimal auf dem Schalldeckel der Kanzel im Dom angebracht. Johannes war Thesaurarius (Schatzmeister) des Doms. Für Ludwig befinden sich die Bronzebeschläge der Grabplatte in der Neuenstädter Kapelle.

 

Friedrich von Britzke, Sohn des Henning von Britzke auf Bensdorf, wurde am 29.2.1516 zum Domherrn bestimmt. Er bekam am 15.7.1531 die Minorpräbende, die zuvor Balthasar von Schlieben innegehabt hatte, als Domherr in Magdeburg. Diese stieg vor 1557 zur Majorpräbende auf. Auch in Halberstadt wurde er Domherr und war als solcher ab 1538 Archidiakon des Balsamgaus. Am 23.5.1558 wählte ihn das Magdeburger Kapitel zum dortigen Domdekan, er lehnte aber die Übernahme des Amtes ab und "setzte auf das zweite Pferd". Seit 1560 ist er als Domdekan in Halberstadt belegt. Friedrich ist ferner 1551-1571 und 1572-1576 als Dompropst des Domstifts Lebus belegt  Zu der Lücke kam es, weil er als Domdekan von Halberstadt die Dompropstei Lebus an den Magdeburger Domherren Busso von Britzke (-21.7.1572) abtrat, nach dessen Tod aber wiederbekam. 1576 trat er sie erneut ab, diesmal an den Magdeburger Domherren Werner von Plotho.

Für Friedrich von Britzke befindet sich das zugehörige Epitaph an zentraler Stelle im Dom, vom Langhaus aus gesehen am linken hinteren (nordöstlichen) Vierungspfeiler. Es ist 4,75 m hoch und 2,04 m breit und beginnt in ca. 2 m Höhe. Es ist aus Sandstein und Alabaster mit zwei Schiefereinsätzen gefertigt und dreiteilig aufgebaut: Die Sockelzone unten trägt die aufgemalte Grabinschrift auf einer rechteckigen Rollwerktafel mit Schiefereinsatz: "EPITAPHIVM  REVERENDI NOBILIS AC CLARISSIMI / VIRI DOMINI FRIDERICI A BRIETZKEN HVIVS / CATHEDRALIS ECCLESIAE QVONDAM DECANI OBIIT / ANNO 1576 25 IVLII C(VIVS) A(NIMA) R(EQVIESCAT) IN PACE" - Grabmonument des ehrwürdigen, edlen und hochberühmten Mannes, des Herrn Friedrich von Britzke, zuvor Dekan dieser Domkirche, der im Jahr 1576 am 25. Juli starb und dessen Seele in Frieden ruhen möge. Der untere Abschluß wird von einer Löwenmaske über Rollwerk gebildet; die Inschriftenzone wird seitlich von Putten und Festons begleitet. Darunter befindet sich noch ein zweiter Schiefereinsatz, der in der Mitte gebrochen ist und dessen Inschrift nur zum Teil erhalten ist.

 

Das Hauptfeld besitzt eine eingesetzte, fast quadratische und oben halbrund ausgebogene Relieftafel mit einer Kreuzigungsszene. Davor wird der vollplastische Kirchenmann barhäuptig kniend und betend dargestellt vor einem aufgeschlagenen Gebetbuch, das auf einer niedrigen Bank liegt. Links von ihm steht schräg sein Familienwappen wie zuvor beschrieben. Als Schildhalter dient eine Allegorie der Fortitudo (Stärke), die mit der anderen Hand die gebrochene Säule haltend. Die zentrale Zone wird seitlich von zwei Karyatiden begleitet, links eine Allegorie der Justitia (Gerechtigkeit) und rechts eine solche der Caritas (liebende Fürsorge). Beide tragen ein verkröpftes Gesims. Darüber erhebt sich in der obersten Zone ein aedikulaartiger Aufsatz, in deren von einem Rollwerkrahmen eingefaßten Mittelfeld ein von geflügelten Putten in den Wolken umgebener Gottvater dargestellt wird. Seitlich sieht man links als vollplastische Figur Moses mit den Gesetzestafeln sowie rechts eine weibliche Figur. Vor dem Rollwerkrahmen befinden sich seitlich zwei weitere weibliche Figuren, kleiner als die äußeren. Über dem abschließenden Dreiecksgiebel hält ein Skelett Vergänglichkeitssymbole, in der Linken eine Sanduhr.

Das Wappen der Familie taucht auch am Portal des Petershofes auf. An der ehemaligen Dompropstei begegnet uns das Wappen der Familie in der oberen, holzgeschnitzten Reihe. In der Liebfrauenkirche ist das Wappen des evangelischen Stiftsdechanten Hans (Johann) Georg von Britzke (-22.9.1622) am bronzenen Taufbecken angebracht. Friedrich von Britzke wird jedoch als "Anhänger des alten Glaubens" bezeichnet. Außerdem brachte die Familie mehrere Deutschordensritter hervor, darunter Henning von Britzke (1546-1611), Komtur der Deutschordenskommende Lucklum und Bergen.

Liste der Domdekane von Halberstadt:
Fett der hier mit Wappen vertretene Domdekan, Wappenfundstellen
1465-1506 Johann von Querfurt - Dom Halberstadt, Paradiesbaum an der Nordempore
1511-1513 Sebastian von Plotho, resignierte
- Dom Halberstadt, an der Figur des hl. Mauritius
1513-1538 Johannes von Marenholtz d. Ä.
- Dom Halberstadt, an der Figur des hl. Sebastian, Schlußstein im Neuen Kapitelsaal
1538-1560 Huner von Sampleben
- Dom Halberstadt, Metallbedeckung der Grabplatte, Südempore
1560-1576
Friedrich von Britzke - Dom Halberstadt, Metallbedeckung der Grabplatte, Südempore, Epitaph am NO-Vierungspfeiler
1576-1588 Ludwig von Britzke -
Metallbedeckung der Grabplatte in der Neuenstädter Kapelle
1588-1605 Caspar von Kannenberg
- Dom Halberstadt, Metallbedeckung der Grabplatte, Südempore, Epitaph am SO-Vierungspfeiler
1605-1621 Matthias von Oppen
- Burg Zilly, Portal im südlichen Chorumgang des Halberstädter Domes, Halberstädter Dompropstei, Burg Schlanstedt
1621-1622 Eitel Johann von Holle
- Wappen aus seiner Zeit nur als Domherr an Burg Schlanstedt
1622-1630, 1635-1651 Arnd Spiegel von Pickelsheim
- Wappen aus seiner Zeit nur als Domherr an Burg Schlanstedt
1630-1635, 1651-1660 Joachim von Hünecke
1660-1661 Jobst Ludwig (Justus Ludolf) von Stedern
1661-1677 Philipp Ludwig von Spitznase
1677-1679 Johann Adrian von Wend, resignierte
1679-1691 Levin Caspar von Bennigsen
- Burg Zilly
1691-1705 Clamor von dem Bussche
- Dom Halberstadt, Grablege der von dem Bussche, Wappen am Schalldeckel der Kanzel
1705-1711 Johan Wolfgang von Stechow
1711-1753 Clamor Eberhard von dem Bussche
- Burg Zilly, Orgelprospekt im Dom Halberstadt
1753-1785 Ernst Ludwig Christoph von Spiegel zum Desenberg
- Wappen am Jagdschloß Spiegelsberge und an der Spiegelschen Domherrenkurie (Städtisches Museum)
1785-1786 Georg Ludwig von Hardenberg
1786-1796 Graf Christian Friedrich zu Stolberg-Wernigerode
- Wappen am Wohnhaus Domplatz 43 in Halberstadt
1796-1810 Johann August Ernst von Alvensleben

Literatur, Links und Quellen:
Position in Google Maps: https://www.google.de/maps/@51.8962678,11.0488647,18.5z - https://www.google.de/maps/@51.896156,11.0487941,131m/data=!3m1!1e3
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt:
https://www.kulturstiftung-st.de/ - Dome und Klöster: https://www.kulturstiftung-st.de/burgen-schloesser-dome/#dome-kloester
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Domschatz Halberstadt:
https://www.dom-schatz-halberstadt.de/ - Dom: https://www.dom-schatz-halberstadt.de/dom-domschatz/der-dom-zu-halberstadt/
Förderverein Dom und Domschatz:
https://www.domverein-halberstadt.de/de/aktuelle-projekte.html
Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus Dom und Domschatz mit freundlicher Genehmigung von Frau Dr. Uta-Christiane Bergemann vom 7.1.2021, wofür ihr an dieser Stelle herzlich gedankt sei
Deutsche Inschriften Bd. 75, Halberstadt Dom, Nr. 215 (Hans Fuhrmann), in: www.inschriften.net, urn: nbn:de:0238-di075l003k0021500 - http://www.inschriften.net/halberstadt-dom/inschrift/nr/di075-0215.html#content
Friedrich von Britzke in der Germania-Sacra-Datenbank:
http://germania-sacra-datenbank.uni-goettingen.de/index/gsn/005-02635-001
Familie der von Britzke auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Britzke
Zu Friedrich von Britzke in: Germania Sacra, AF I, 1972 - Die Bistümer der Kirchenprovinz Magdeburg. Das Erzbistum Magdeburg 1,1 Das Domstift St. Moritz in Magdeburg. und 1, 2. Die Kollegiatstifte St. Sebastian, St. Nicolai, St. Peter und Paul und St. Gangolf in Magdeburg. Die Bistümer der Kirchenprovinz Magdeburg, S. 565 -
http://germania-sacra-datenbank.uni-goettingen.de/books/view/130/583
Epitaph Friedrich von Britzke: Deutsche Inschriften Bd. 75, Halberstadt Dom, Nr. 216 (Hans Fuhrmann), in:
www.inschriften.net, urn: nbn:de:0238-di075l003k0021607 - http://www.inschriften.net/halberstadt-dom/inschrift/nr/di075-0216.html#content
Caspar Abel: Stiffts- Stadt- und Land-Chronick des jetzigen Fürstenthums Halberstadt -
https://books.google.de/books?id=LYlbAAAAcAAJ, S. 564-568
Samuel Lentz: Diplomatische Stifts- und Landes-Historie von Halberstadt und angräntzenden Oertern, Halle 1749
https://books.google.de/books?id=lRVhAAAAcAAJ

Mit freundlicher Unterstützung der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt

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