Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2674
Quedlinburg (Landkreis Harz, Sachsen-Anhalt)

Vitzthum von Eckstedtscher Freihof (Lange Gasse 26a)

Der sogenannte Hagensche Freihof, richtiger aber der Vitzthum von Eckstedtsche Freihof, befindet sich  im Quedlinburger Stadtteil Westendorf  am westlichen Knick der Langen Gasse an der Einmündung der Straße Gildschaft, ca. 150 m nördlich des Schloßberges. Das zweistöckige Gebäude hat einen leichten Knick in der Fassade. Das Obergeschoß aus verputztem Fachwerk besitzt acht Fensterachsen, das massive Erdgeschoß aus Stein im linken (östlichen) Teil vier Fenster, im rechten Teil ein schönes Portal mit doppelflügeliger Holztür und ein Ladengeschäft mit separater Tür und rundbogigem Schaufenster.

Der auf das Jahr 1597 datierte Wappenstein über dem Portal ist inschriftlich zugewiesen: "ANNO DOMINI 1597 / CHRISTOF VITZTHVMB VON ECKSTEDT / MARIA VON HAGEN". Die Jahreszahl paßt nicht zum Portal aus der Zeit um 1700 und ebenso wenig zu den Fenstern; das Haus wurde im Barock um 1780 umgebaut, und dabei wurden auch gleich die beiden Teilsteine des Allianzwappens verwechselt, denn normalerweise ist das Wappen des Ehemannes heraldisch rechts und optisch links, hier ist es umgekehrt. Noch nicht einmal die säuberlich in einen rechten und einen linken Namen aufgeteilte Inschrift mit vertikaler Trennung in den beiden unteren Zeilen hat den damaligen Renovierer davon abgehalten, die Teilsteine in umgekehrter Anordnung einzubauen. Deshalb wird dieser Freihof auch fälschlicherweise Hagenscher Freihof genannt. Das echte von Hagensche Freihaus lag jedoch im Bereich Bockstraße 6 und Klink 11 und wurde 1564 erbaut (heute Areal des Hotels Wyndham Garden).

Wir sehen also in falscher Position heraldisch links das Wappen des Ehemannes, das von Stiftshauptmann Christoph Vitzthum von Eckstedt, in Gold zwei rote Pfähle, überdeckt von einem silbernen Balken. Auf dem rot-silbern-rot-golden bewulsteten Helm mit rot-goldenen oder rot-silbernen (je nach Quelle) Decken nach Literatur ein spitzer Hut, oben mit einem goldenen sechszackigen Stern besteckt und an den Seiten mit Hahnenfedern. Hut und Federn sind rot und silbern tingiert, wofür sich in der Literatur aber verschiedene Varianten finden. Meist wird der Hut rot abgegeben, die Hahnenfedern abwechselnd rot und silbern. Hier verschmilzt das alles zu einer Gesamtform. Das Wappen der thüringischen Familie mit dem Stammsitz Eckstedt wird beschrieben im Siebmacher Band: Pr Seite: 428 Tafel: 471, Band: BraA Seite: 99 Tafel: 60, Band: Bay Seite: 24b Tafel: 19, Band: Sa Seite: 51 Tafel: 59 und Band: Bö Seite: 266 Tafel: 123. Die rote Farbe ist hier fast völlig verblichen.

Gegenüber, in falscher heraldisch rechter Position, ist das Wappen der Maria von Hagen angebracht, es ist gespalten, rechts in Blau eine aufrechte silberne Schafschurschere, links in Gold zwei schwarze Balken, auf dem gekrönten Helm mit rechts blau-silbernen und links schwarz-goldenen Decken ein goldener Flug, beiderseits mit zwei schwarzen Balken belegt. In der Literatur sind es meistens drei Balken, und der obere der zwei Balken in diesem Beispiel ist eindeutig verrutscht, im Idealfall steht er natürlich horizontal. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Pr Seite: 10 Tafel: 11, Band: Bad Seite: 142 Tafel: 82, Band: Pr Seite: 156 Tafel: 204, Band: ThüA Seite: 9 Tafel: 6.

Das Wappen dieser ursprünglich aus dem Eichsfeld stammenden Familie von Hagen wurde später vermehrt, erst im 18. Jh. mit den zwei schwarzen Angelhaken im silbernen Feld eines anderen, thüringischen Geschlechtes dieses Namens kombiniert, dann 1803 anläßlich der Erhebung in den preußischen Grafenstand (geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: Schafschere, Feld 2: drei Balken, Feld 3: Angelhaken, darin der preußische Adler, 3 Helme, Helm 1 (Mitte): Adler, Helm 2 (rechts): Flug, belegt mit Schafschere und Angelhaken, Helm 3 (links): Stammhelm), dann erneut 1840 nach der Erlangung des Erbschenkenamtes im Herzogtum Magdeburg. In Feld 4 wurde die Schafschere durch den Schenkenbecher ersetzt, und ein vierter Helm kam hinzu mit einem Arm mit Becher. Somit entstand 1840 diese Form: Geviert mit Herzschild, Feld 1: in Gold eine silberne Schafschere pfahlweise, Feld 2: in Silber zwei schwarze Balken, Feld 3: in Gold zwei voneinander abgekehrte schwarze Angelhaken, Feld 4: in Rot ein goldener Schenkenbecher, Herzschild: in Silber der königliche preußische Adler mit Insignien, 4 Helme, Helm 1 (Mitte rechts): Adler, Helm 2 (rechts außen): Flug mit Schere und Angelhaken, Helm 3 (Mitte links): Arm mit Schenkenbecher, Helm 4 (links außen): Stammhelm, zwei geharnischte Hellebardenträger als Schildhalter. Der Familie von Hagen gehörte 1742-1945 das Majorat Möckern.

Literatur, Links und Quellen:
Position in Google Maps: https://www.google.de/maps/@51.7873682,11.1374104,20z - https://www.google.de/maps/@51.7873682,11.1374104,47m/data=!3m1!1e3
'von Hagen bei Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hagen_(thüringisches_Adelsgeschlecht)
Freihof bei Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Vitzthum_von_Eckstedtscher_Freihof
Gustav Sommer: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen (Band 33, 2): Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Stadt Quedlinburg, Halle, 1923,
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bkds_bd33_2 - http://digi.ub.uni-heidelberg.de/cgi-bin/digi-downloadPdf.fcgi?projectname=bkds_bd33_2&zoom=3

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