Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2665
Fulda (Landkreis Fulda, Hessen)

Dom St. Salvator - Epitaph für Placidus von Droste

Das Epitaph des Fuldaer Fürstabtes (1678-1700) Placidus von Droste (1641-22.6.1700) befindet sich im Dom an dem letzten, westlichsten südlichen Hauptschiffpfeiler des Langhauses und ist der Vierung zugewandt, es ist also beim Blick entlang der Hauptachse vom Eingang zum Altar linkerhand vor dem Querschiff zu finden, auf der Rückseite des Pfeilers. Insgesamt gibt es im Dom St. Salvator fünf Epitaphien, von den vier in einer Nord-Süd-Reihe stehen und eines separat, um letzteres handelt es sich hier. Einerseits steht das Epitaph gegenüber dem Schleifras-Epitaph, andererseits befindet es sich diagonal schräg gegenüber dem Dalberg-Epitaph, und das dritte Gegenstück in der Ausstattung stellt auf der anderen Hauptschiffseite die Kanzel dar. Das Epitaph ist eine Komposition aus schwarzem Lahnmarmor und rosa Marmor mit weißen Alabaster-Applikationen. Im Zentralfeld ist ein ovales goldenes Medaillon mit einem Brustbild des Verstorbenen angebracht, darunter eine von Blatt- und Blütengebinden gerahmte Zier-Urnenform auf einem hellen Sockel. Die etwas steif von oben nach unten nach außen schwingenden Seitenpilaster tragen jeweils sechs der Ahnenwappen, ein weiteres befindet sich jeweils oben im Gebälk zwischen den beiden verkröpften Lahnmarmor-Gesimsen und unten in der geraden Sockelzone, die ebenfalls von zwei schwarzen Marmorgesimsen eingefaßt wird. Daran schließt sich nach unten eine zweite, stark eingezogene Sockelzone mit dem Stifterwappen an, und darunter verjüngt sich der schwarze Marmor trapezförmig zusammenlaufend bis zum Fußboden. Die sich nach oben verjüngende Giebelzone trägt in der Mitte das fürstäbtliche Wappen, seitlich zwei geflügelte Putten, und oben zwei geflügelte Engelsköpfe mit einem Kreuz zwischen sich, das zwischen den Armen Strahlenbündel trägt.

 

Dieses Epitaph ist erst 40 Jahre nach dem Tod des Fürstabtes entstanden. Amand von Buseck gab gleich drei der fünf im Dom vorhandenen Epitaphien in Auftrag, 1739 das Buttlar-Epitaph im linken (südlichen) Eck des Querhauses, 1740 sein eigenes Epitaph im rechten (nördlichen) Eck und ebenfalls 1740 dieses Droste-Epitaph gegenüber der Viererreihe. Alle seine Aufträge wurden von dem Limburger Steinmetzen und Steinbildhauer Joseph Leitner (1704-) angefertigt. Den Entwurf machte Andrea(s) Gallasini, den schwarzen und den rosa Marmor bearbeitete Joseph Leitner, und die Alabaster-Applikationen machte Christian Joseph Winterstein. Diese Identität des Auftraggebers und der Künstler erklären die stilistische Nähe der Epitaphien, auch wenn sich das Droste-Epitaph in Kleinigkeiten von dem Buttlar- und dem Buseck-Epitaph unterscheidet: Durch die Position an der abgeschrägten Ecke ist die Seitenausdehnung limitiert, deshalb ist die Kurve der seitlichen Begrenzung weniger elegant ausgezogen, vielmehr etwas abrupt schulterförmig und steif. Die Hauptinschrift ist nicht schwarz auf Gold, sondern unauffälliger golden auf Schwarz, und Eckornamente brechen die Rechteckform. Es wurde ein ovales Medaillon für die Darstellung des Verstorbenen gewählt anstelle der Umrißplakette an den beiden anderen Epitaphien, und der Alabaster-Baldachin fehlt. Die bei den beiden anderen Epitaphien unter dem Bildnis vorhandene und identische Urnenform wird hier durch ein feineres, weniger aufdringliches und dafür umso dekorativeres Schmuckmotiv ersetzt, deshalb fehlt auch die bei den beiden anderen Epitaphien vorhandene kleine trapezförmig geschnittene Inschrift in diesem Bereich. Auch der obere Abschluß mit Kreuz ist im Vergleich zu den anderen Epitaphien ein Novum. Das Tuch aus schwarzem Marmor, das oben über die gesamte Komposition gespannt ist und seitlich in Falten herunterhängt, ist bis jetzt auch ohne Vorbild und läßt die Gesamtkomposition rechteckiger als bei den anderen beiden Epitaphien erscheinen. Diese Abschlußlösung oben verdrängt die geflügelten Putten vom Rand nach innen. Das hochgerutschte fürstäbtliche Wappen verdrängt die bei den anderen Epitaphien dort im Giebel vorhandene Urne, die hier wegfällt. Gleich hingegen ist die Materialkomposition, der Zonenaufbau, die Aufteilung und Anordnung der Ahnenwappen sowie die goldene Fassung von Wappen und Darstellung des Verstorbenen.

Das Wappen des Fuldaer Fürstabtes Placidus von Droste (1678-1700) ist in der Giebelzone angebracht und geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein schwarzes Kreuz, Hochstift Fulda, Feld 2 und 3: im doppelten Gegenstufenschnitt von Gold und Rot schrägrechts geteilt, Stammwappen der von Droste zu Erwitte. Die Inschrift unter dem fürstäbtlichen Wappen lautet: "PLACIDUS S(ACRI) R(OMANI) I(MPERII) P(RINCEPS) & ABB(AS) FULD(ENSIS) D(IVAE) A(UGUSTAE) ARCHIC(ANCELLARIUS) PER GER(MANIAM) & GALL(IAM) PRIMAS" - Placidus, Fürst des Heiligen Römischen Reiches und Abt von Fulda, Erzkanzler der erhabenen Kaiserin und Primas in Germanien und Gallien.

Das Oberwappen hat drei Helme, Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken auf einem roten, golden bequasteten Kissen eine goldene Krone, aus der ein schwarzes, lateinisches Kreuz herausragt, Fürstabtei Fulda, Helm 2 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken eine Inful, aus der noch zwei Fähnchen schräg herausragen, jedes Fähnchen gespalten, vorne in Rot aus grünem Dreiberg wachsend ein grüner Lilienstock mit drei silbernen Blüten und hinten in Gold ein halber schwarzer Adler am Spalt, Fürstabtei Fulda, Helm 3 (links): auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken zwei Federn, eine rote und eine goldene (oder umgekehrt), zwischen denen sich ein Schildchen befindet, das wie der Schild im doppelten Gegenstufenschnitt von Gold und Rot schrägrechts geteilt ist, Stammkleinod der von Droste zu Erwitte. Seitlich hinter dem Schild steht links das gestürzte Schwert und das Abts-Pedum heraldisch rechts. Das Wappen ist hier wie alle an diesem Epitaph gänzlich golden gefaßt.

Die große Inschrift in der Sockelzone ist mit goldenen Kapitalis-Buchstaben auf schwarzem, weiß geäderten Lahnmarmor ausgeführt und lautet: "SISTE VIATOR ET VIDE / VT ET PRINCIPES SUBIACEANT / DOMINIO MORTIS / MARMOR HOC IMMORTALI MEMORIA DE MORTUO PARENTAT / REVERENDISSIMO AC CELSISSIMO PRINCIPI AC / DOMINO / D(OMINO) PLACIDO / INCLYTAE ECCLESIAE FULDENSIS ABBATI / S(ACRI) R(OMANI) I(MPERII) D(IVAE) AUGUSTAE ARCHI-CANCELLARIO / PER GERMANIAM ET GALLIAM PRIMATI &C / OBIIT IS / DIE XXII IUNII ANNO AB INCUNABULIS SALVATORIS MDCC / A DIE SUAE NATIVITATIS LVIII / AB INCHOATO REGIMINE XXIII / QVOS TV NVNC CINERES LACRYMIS CONSPERGE VIATOR / LVSTRANTESQVE IVVA SIC RELEVARE ROGOS". Die letzten beiden Zeilen enthalten ein Chronogramm: V + V + V + C + C + I + L + C + M + I + C + V + I + L + V + V + I + V + V + I + C + L + V = 5 + 5 + 5 + 100 + 100 + 1 + 50 + 100 + 1000 + 1 + 100 + 5 + 1 + 50 + 5 + 5 + 1 + 5 + 5 + 1 + 100 + 50 + 5 = 1700, das zuvor angegebene Todesjahr, denn Placidus von Droste verstarb am 22.6.1700 im Alter von 68 Jahren, im 23. Jahr seiner Regierung.

Auf beiden Seiten des Epitaphs befindet sich die Ahnenprobe des Fürstabtes, die aus insgesamt 16 Wappen besteht, von denen eines doppelt vorkommt, das der von Wrede. Insgesamt wird damit die Genealogie vom Probanden bis zur Generation der Ururgroßeltern aufgespannt. Von der regionalen Verteilung liegt der Schwerpunkt eindeutig bei den westfälischen, insbesondere paderbornischen Familien, mit einer Verbindung ins Niederländische mit den von Collart und den von Meer. Im einzelnen ergibt sich die Abstammung von Placidus von Droste (Geburtsname: Placidus Ernst Arnold Dietrich von Droste zu Erwitte) wie folgt, wobei zwei Ururgroßeltern nicht zu ermitteln sind:

Eltern:
1 Philipp von Droste zu Erwitte
2 Agnes von Heygen (Heggen, Heigen)

Großeltern:
1 Henneke von Droste zu Erwitte
3 Margret von Spiegel zum Desenberg
2 Kaspar / Caspar von Heygen (Heigen) zu Amecke und Ew
ig, kaiserlicher Obristleutnant
4 Anna von Schorlemer zu Overhagen

Urgroßeltern:
1 Johann von Droste zu Erwitte
5 Walburg von Brencken
3 Engelhard von Spiegel zum Desenberg
7 Eva von Büren
2 Caspar von Heygen (Heggen) zu Amecke
6 Clara von Schwansbell
4 Moritz /Mauritz d. J. von Schorlemer zu Overhagen (1560-1610), kurfürstlich kölnischer westfälischer Hofmeister, Rat, Drost zu Werl und Erwitte
8 Elisabeth von Collart (-1611) zu Collart

Ururgroßeltern:
1 Freund / Freundt von Droste zu Erwitte
9 Anna von Landsberg zu Erwitte
5 Conrad / Cord von Brencken
13 Margarethe von Ense
3 Heinrich von Spiegel zum Desenberg
11 Anna von Niehausen
7 Johann von Büren
15 Margaretha von Hoerde vom Schwarzen Raben
2 Johann von Heygen (Heggen) zu Ewig
10 Anna von Wrede zu Amecke, Erbin von Amecke
6 Casper oder Jasper von Schwansbell
14 Hilberg von Freytag zu Schorlingen
4 Jasper / Casper von Schorlemer zu Overhagen
12 Margaretha von Wrede
8 N. N. von Collart / Kollart / Collardt - Vorname unbekannt, Eltern: von Collart / von Erp
16 N. N. von Meer / ton Meer / von Mehr - Vorname unbekannt, Eltern: von Meer / von Brockhausen

Die Anordnung am Epitaph folgt in jeder Hinsicht der Logik der Abstammung (väterlich vor mütterlich, stammesnah vor stammesfern) und zeichnet die Reihenfolge des Auftretens neuer Namen im Abstammungsbaum nach. Die zu den Ahnen gehörenden Wappen haben folgende Inhalte, beginnend mit den 8 Wappen der optisch linken, heraldisch rechten Seite, von oben nach unten:

 

Abb. oben links: 1 von Droste zu Erwitte: im doppelten Gegenstufenschnitt von Gold und Rot schrägrechts geteilt, jede der drei Treppen mit drei auf- und drei absteigenden Stufen, auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken der Schild (im doppelten Gegenstufenschnitt von Gold und Rot schrägrechts geteilt, jede der drei Treppen mit drei auf- und drei absteigenden Stufen) zwischen einer goldenen und einer roten Fasanenfeder (Westfälisches Wappenbuch, Münchener Kalender 1936). Hier am Epitaph tauchen zwei Familien mit Bezug zu Erwitte auf: Einerseits die Droste, deren Familiennamen Droste ist, die sich ursprünglich Droste zu Schwenkhausen nannten und sich nach dem Erwerb von Haus Erwitte danach nannten, und andererseits die von Landsberg, die das Amt eines Drosten in Erwitte innehatte. Sie sind nicht stammesverwandt.

Abb. oben rechts: 3 von Spiegel zum Desenberg: in Rot drei (2:1) silberne, golden eingefaßte runde Spiegel (Scheiben), auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein roter Flug, beiderseits belegt mit drei (2:1) silbernen, golden eingefaßten runden Spiegeln (Westfälisches Wappenbuch, Siebmacher Band: Pr Seite: 28 Tafel: 32, Band: BayA3 Seite: 196 Tafel: 142, Band: He Seite: 26 Tafel: 29, Band: PrGfN Seite: 22 Tafel: 17, Band: Mä Seite: 143 Tafel: 105, Band: Brau Seite: 9 Tafel: 8, Band: Han Seite: 16 Tafel: 17). Die Familie stammt ursprünglich aus der Paderborner Gegend und teilte sich 1338 in die Linie zum Desenberg und die Linie zu Peckelsheim. Mitglieder der ersteren waren Erbmundschenken des Fürstentums Paderborn, letztere waren Erbmarschälle des gleichen Reichsterritoriums.

 

Abb. oben links: 5 von Brencken (von Brenken): geteilt, oben in Gold drei blaue Pfähle, unten in Silber sechs (3:2:1) rote Rosen, auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen oder rechts blau-goldenen und links rot-silbernen Decken ein Paar Büffelhörner, hier nach Befund der Schraffur entweder golden-blau übereck geteilt oder rechts golden-blau, links blau-silbern geteilt, undeutlich, und außen mit je vier roten Rosen besteckt (Siebmacher Band: Pr Seite: 37 Tafel: 43, Westfälisches Wappenbuch, dort weitere Varianten, 1.) auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken ein Paar Büffelhörner, rechts rot über silbern geteilt, links blau über golden geteilt, beide außen mit je fünf roten Rosen mit goldenem Butzen und grünen Kelchblättern besteckt, 2.) auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken ein Paar Büffelhörner, rechts silbern, links blau, beide außen mit je fünf goldenen Pfauenfedern besteckt). Die Familie gehört zum Adel des Stifts Paderborn und nennt sich nach dem Dorf Brenken bei Büren. Name und Wappen leben heute durch Adoption fort, nachdem Franz Josef Freiherr von und zu Brenken seinem Erben, seinem Neffen und späteren Adoptivsohn, Georg Graf Droste zu Vischering (1941-) das Recht übertrug, das Stammwappen der von Brenken zu führen (1962, Nichtbeanstandung des Deutschen Adelsrechtsausschusses).

Abb. oben rechts: 7 von Büren: in Silber ein schwarzer, rotgezungter und golden gekrönter Löwe, auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken ein schwarzer, golden gekrönter Löwe wachsend zwischen einem nach Befund silbern-schwarz übereck geteilten Flug (Westfälisches Wappenbuch, dort ein ganz silberner Flug). Die Familie gehörte zum Paderborner Adel und war als Inhaber der Herrschaft Büren zeitweilig eine der mächtigsten Familien der Gegend. Der Niedergang war begleitet von Verpfändungen und Verkäufen. Die Familie erlosch 1661 mit Moritz von Büren, Mitglied des Jesuitenordens, und er vermachte die Herrschaft dem Orden. Nach langen Erbauseinandersetzungen schluckten die Paderborner Fürstbischöfe die Herrschaft.

 

Abb. oben links: 9 von Landsberg: in Gold ein roter Balken mit silbernem Schräggitter, auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken ein aufspringender roter Fuchs zwischen einem Flug (Westfälisches Wappenbuch, dort andere Varianten der Helmzier: 1.) Fuchs zwischen zwei grünen Palmzweigen, 2.) auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken ein goldener wachsender rotgezungter Fuchskopf, auf dem Hals belegt mit einem silbern schräggegitterten roten Balken. Der rot-goldene Flug kam erst durch die Vereinigung mit Velen durch Erbheirat ins Spiel (geviertes Wappen)). Die Familie stammt aus dem Bergischen und dem Westfälischen. Namengebend war die Burg Landsberg an der Ruhr bei Kettwig. Sie existierte in zwei Linien, einer zu Erwitte und einer zu Landsberg. Die Freiherren und Grafen von Landsberg-Velen gibt es noch heute.

Abb. oben rechts: 11 von Niehausen (Niehusen): in Silber ein schwarzer Amboß, auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit schwarz-silbernen Decken ein schwarzer Amboß zwischen einem schwarz-silbern übereck geteilten Paar Büffelhörner (Westfälisches Wappenbuch). Die Familie hatte ihren Stammsitz in Niesen, heute ein Ortsteil von Willebadessen (Kreis Höxter). Die Familie erlosch im Mannesstamm mit Georg von Niehausen, Domherr in Paderborn, am 8.4.1719. Ihr Erbe ging an die von Bocholtz; die von Spiegel zu Peckelsheim verloren den Erbschaftsstreit.

 

Abb. oben links: 13 von Ense: in Gold eine aufrechte schwarze Pferdebremse (Pferdepramme), auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken eine schwarze Pferdebremse in einem goldenen Schildchen oben angestemmt zwischen einem goldenen Adlerflug (Westfälisches Wappenbuch, dort Pferdebremse schräg und kein Schildchen in der Helmzier). Die Familie entwickelte mehrere Linien, die sich durch die Feldfarbe unterschieden, die von Ense und die Varnhagen von Ense hatten ein goldenes Feld, die von Ense-Schneidewind hatten ein silbernes Feld.

Abb. oben rechts: 15 von Hoerde: geviert: Feld 1 und 4: in Silber ein rotes, sechsspeichiges Rad, Feld 2 und 3: in Silber eine rote Rose, auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken drei silberne Turnierlanzen, auf deren silbernen Wimpeln jeweils ein rotes, sechsspeichiges Rad ist (Westfälisches Wappenbuch, Rad dort jeweils fünfspeichig).Hier ist die Helmzier aufgrund der dünnen Lanzenschäfte vollständig abgebrochen. Das Stammwappen ist das Wagenrad; die Wappenvermehrung erfolgte nach der Heirat mit Kunigunde von Störmede. Die zum westfälischen Uradel gehörende Familie von Hoerde übernahm übrigens durch Heirat das Haus Erwitte von den Droste zu Erwitte.

 

Nun folgen die 8 Wappen der optisch rechten, heraldisch linken Seite, von oben nach unten. Abb. oben links: 2 von Heygen (Heggen): in Schwarz ein silberner Schrägbalken, hier schräglinks, beiderseits von zwei silbernen Schrägfäden begleitet, auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit schwarz-silbernen Decken nach Befund ein natürlicher Affenkopf zwischen einem schwarzen, wie der Schild bez. Flug, d. h. jeder Flügel belegt mit einem silbernen Schrägbalken, beiderseits von je zwei silbernen Schrägfäden begleitet, auf dem rechten Flügel alles schräglinks, auf dem linken schrägrechts (Westfälisches Wappenbuch, dort drei silberne Schrägfäden und ein natürliches Menschenhaupt (Kopf) zwischen den Flügeln).

Abb. oben rechts: 4 von Schorlemer: in Rot ein schräglinker silberner Wechselzinnenbalken, hier wie bei vielen Einzelwappen ohne erkennbaren Grund gewendet und schräglinks, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken drei silberne, oben mit schwarzen Hahnenfederbüschen besteckte goldenbereifte silberne Tuben oder Schalmeien (Westfälisches Wappenbuch, Siebmacher Band: Ost Seite: 414 Tafel: 161, Band: Pr Seite: 365 Tafel: 415, Band: PrA Seite: 82 Tafel: 61, im Alten Siebmacher von 1605 und im Münchner Kalender 1927. Der Wechselzinnenbalken steht gewöhnlich schrägrechts). Die von Schorlemer sind eine der wichtigsten Familien des westfälischen Uradels. Im 15. Jh. bildete die Familie die drei Linien zu  Overhagen, Herringhausen und Hellinghausen, von denen sich die letzte noch in die Äste Oberhellinghausen und Niederhellinghausen teilte. Durch Erlöschen der anderen Linien konnte die zu Herringhausen wieder alle drei Rittergüter in ihren Besitz bringen. Die Familie besteht noch heute, u. a. auf Schloß Lieser an der Mosel.

 

Abb. oben links: 6 von Schwansbell: in Silber drei (2:1) schwarze Objekte in Form eines Mühleisens (vermutlich eine Fehlinterpretation oder Verwechslung), auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken ein rechts schwarzer und links silberner Flug (vgl. auch Siebmacher Band: OstN Seite: 195 Tafel: 131, danach drei (2:1) schwarze Steigbügel mit je einer goldenen Schnalle, so auch in der Liobakirche in Petersberg interpretiert). Die Familie hatte ihren Sitz bei Lünen, wo das neugotischen Schloß Schwansbell den Namen in Erinnerung hält, auch wenn es erst von den von Westerholt erbaut wurde.

Abb. oben rechts: 8 von Collart: hier gespalten, nach Befund rechts halbgespalten und geteilt, oben rechts geschacht, oben links 9 (3:3:3) punktförmige Objekte, unten blau-golden geschacht, links in Rot ein goldener Hirschkopf mit ebensolchem Geweih, auf dem rot-golden bewulsteten Helm mit rot-goldenen Decken ein goldenes Hirschgeweih (Vergleich mit einer anderen, gemalten Ahnenprobe: dort die rechte Schildhälfte blau-golden geschacht mit einem linken Obereck von Hermelin, weder im Siebmacher noch im Rietstap).

 

Abb. oben links: 10 von Wrede (1): in rot-golden gespaltenem Schild ein Kranz mit sechs (1:2:2:1) Rosen in verwechselten Farben, auf dem rot-golden bewulsteten Helm mit rot-goldenen Decken ein golden-rot gespaltener Kranz mit sechs (1:2:2:1) Rosen oben angestemmt zwischen einem rechts roten, links goldenen Flug (Westfälisches Wappenbuch, dort golden-rot gespaltener Schild und jeweils 5 Rosen, Siebmacher Band: ThüA Seite: 111 Tafel: 87, Band: He Seite: 31 Tafel: 36, Band: Han Seite: 18 Tafel: 20, Band: Lip Seite: 8 Tafel: 7, Band: PrGfE Seite: 51 Tafel: 34, Band: Els Seite: 23 Tafel: 27, Grote).

Abb. oben rechts: 12 von Wrede (2): wie oben. Der Stammsitz dieses westfälischen Geschlechts lag in Amecke im Sauerland. Weitere Linien entwickelten sich zu Melschede, zu Steinbeck und zu Brüninghausen und Mühlenbach. Das Haus Amecke war in ein oberes und ein niederes Haus geteilt. Das niedere Haus blieb ununterbrochen in Besitz der von Wrede. Das obere Haus hingegen kam durch die Heirat  von Anna von Wrede, Erbin von Amecke, mit Johann von Heygen (Heggen) zu Ewig an die von Heygen; genau diese Personen kommen in der Ahnentafel des Fürstabtes vor. Freiherr Philipp Hermann von Wrede zu Amecke kaufte 1758 das obere Haus zu Amecke zurück. Haus Amecke ist bis heute in Familienbesitz.

 

Abb. oben links: 14 von Freytag (von Freitag, von Frydag): in Blau drei (2:1) silberne Ringe, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein offener blauer Flug, beiderseits belegt mit drei (2:1) silbernen Ringen (Westfälisches Wappenbuch, Münchener Kalender 1917, Niedersächsische Wappenrolle Nr. 946). Die Familie gehört zum westfälischen Uradel und wurde in einigen Linien in den Freiherrenstand (1646) und in den Grafenstand (1692) erhoben.

Abb. oben rechts: 16 von Meer: in goldenem, mit blauen Schindeln bestreuten Feld ein blauer, rotgezungter und golden gekrönter Löwe, auf dem blau-golden bewulsteten Helm mit blau-goldenen Decken ein silberner Ziegenbocksrumpf mit goldenen Hörnern wachsend (Tinkturen durch Vergleich mit einer anderen, gemalten Ahnenprobe, weder im Siebmacher noch im Rietstap).

   

Es gibt eine Überschneidung der Ahnenprobe hinsichtlich der Personen Engelhard von Spiegel, Eva von Büren bzw. deren Eltern Heinrich von Spiegel, Anna von Niehausen, Johann von Büren und Margarethe von Hörde mit der Epitaphienplatte für Propst Philipp von Spiegel zu Desenberg (-28.10.1720) in der Krypta der Liobakirche in Petersberg (siehe dort).

Das Wappen des Stifters ist ganz unten in der mittleren, sich stark verjüngenden Sockelzone angebracht, unterhalb der Inschriftenzone. Das Wappen des Fürstabtes und Fürstbischofs Amand von Buseck ist am verkröpften schwarzen Gesims unterhalb der Giebelzone angebracht und geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein schwarzes Kreuz, Hochstift Fulda, Feld 2 und 3: in Gold ein rot gezungter, schwarzer Widderkopf, Hörner typischerweise golden, Stammwappen der von Buseck. Über dem Wappen stehen drei Helme, Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken auf einem golden bequasteten roten Kissen ein hermelinverbrämter, roter Fürstenhut, aus dem ein schwarzes, lateinisches Kreuz herausragt (Hochstift Fulda), Helm 2 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken eine Bischofsmütze, aus der noch zwei Fähnchen schräg herausragen, jedes Fähnchen gespalten, vorne in Rot ein grüner Lilienstock mit drei silbernen Blüten und hinten in Gold ein halber schwarzer Adler am Spalt (Hochstift Fulda), Helm 3 (links): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein roter Flug, der beiderseits mit einem in drei Reihen schwarz-silbern geschachten Balken und darüber von einem dreilätzigen goldenen Turnierkragen belegt ist, dazwischen Kopf und Hals eines schwarzen Widders. Seitlich hinter dem Schild gucken schräg das gestürzte Schwert heraldisch links und der Krummstab rechts heraus. Das Wappen ist hier wie alle an diesem Epitaph gänzlich golden gefaßt. Damit ist dieses Epitaph neben dem Buttlar- und dem Buseck-Epitaph das dritte Epitaph mit dem Wappen dieses Kirchenfürsten, einmal als Betroffener und zweimal als Stifter. Die Stiftungsinschrift lautet: "POS(UIT) AM(AN)D(US) / 1744" - bis 1744 waren alle Epitaphien vollendet, und dieses war das zuletzt fertiggewordene und stilistisch späteste, was sich auch in den oben diskutierten Merkmalen und Unterschieden zu den anderen Epitaphien äußert.

Bei diesem Epitaph ist noch eine Besonderheit erwähnenswert: Natürlich hatten in der alten Stiftskirche mehrere Fürstäbte ihre aufwendigen Grabdenkmäler, Joachim von Gravenegg, Bernhard Gustav von Baden-Durlach und Placidus von Droste, und ursprünglich wollte man die alle in die neue Kirche übernehmen, ein Gedanke, den man 1711 immer noch hatte, doch letztendlich war dasjenige von Placidus von Droste das einzige, das tatsächlich nach dem Neubau der Kirche überführt wurde. Vermutlich war man zur Einsicht gekommen, daß mit dem Neubau ein so großartiger und stilistisch kohärenter großer Wurf gelungen war, daß stilistisch abweichende Großkunstwerke aus früherer Zeit stören würden. Denn die konzeptionelle Kohärenz und die stilistische Einheitlichkeit der Ausstattung ist einer der größten Werte der neuen Kirche, und das wurde bei allem Respekt gegenüber den Amtsvorgängern erkannt. Folgerichtig wurde das übernommene alte Epitaph des Placidus von Droste dann auch wieder entfernt und durch eine Neukonzeption ersetzt, so kam es, daß aus dem eigentlich ältesten Grabdenkmal im Neubau das stilistisch späteste wurde.

Literatur, Links und Quellen:
Position in Google Maps: https://www.google.de/maps/dir///@50.5539264,9.6713344,17.75z - https://www.google.de/maps/dir///@50.55405,9.6718166,113m/data=!3m1!1e3
Bistum Fulda: https://www.bistum-fulda.de/bistum_fulda/
virtueller Rundgang durch den Dom St. Salvator:
https://tour.mi360.de/hoher_dom_zu_fulda/
Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus dem Dom mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Domdechant Prof. Dr. Werner Kathrein vom 20.7.2020, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei
Werner Kathrein (Hrsg.): Der Dom zu Fulda, Michael Imhof Verlag, 2012, ISBN 978-3-86568-755-5, S. 76-77
Willi Wabel: Die Limburger Steinmetzen der Barockzeit und ihre Arbeiten in Fulda, in: Lahn-Marmor-Nachrichten Nr. 22, 2011, S. 4-8 -
https://www.lahn-marmor-museum.de/images/LAHNMARMOR/WISSENSCHAFT/Lahn-Marmor-Nachrichten/Lahn-Marmor-Nachrichten22.pdf
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der 'landeskundlichen Vierteljahresblätter'
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Anton Fahne: Die Dynasten, Freiherrn und Grafen von Bocholtz nebst Genealogie derjenigen Familien, aus denen sie ihre Frauen genommen mit urkundlichen Belegen von A. Fahne von Roland, Band 1.1, Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins, Cöln, 1863 -
http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/urn/urn:nbn:de:hbz:061:1-92679 - https://reader.digitale-sammlungen.de//de/fs1/object/display/bsb10624398_00005.html - pdf: https://download.digitale-sammlungen.de/BOOKS/pdf_download.pl
Anton Fahne: Die Dynasten, Freiherrn und Grafen von Bocholtz nebst Genealogie derjenigen Familien, aus denen sie ihre Frauen genommen mit urkundlichen Belegen von A. Fahne von Roland, Band 1.2, Geschichte von hundertsechs rheinischen, niederländischen und westphälischen hervorragenden Geschlechtern, Ergänzungs-Band zu meinen Werken über die cölnischen, bergischen, jülichschen, clevischen, morsischen und westphälischen Geschlechter, Cöln, 1859 -
http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/urn/urn:nbn:de:hbz:061:1-92679
H. Grote: Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig.
Placidus von Droste auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Placidus_von_Droste
Placidus von Droste in den Hessischen Biographien:
https://www.lagis-hessen.de/pnd/118680838
Josef Leinweber: Die Fuldaer Äbte und Bischöfe, Festgabe des Bistums Fulda für Bischof Eduard Schick zum Diamantenen Priesterjubiläum, Frankfurt am Main 1989
von Droste:
https://de.wikipedia.org/wiki/Droste_zu_Erwitte
von Landsberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Landsberg_(Adelsgeschlecht)
von Brencken:
https://de.wikipedia.org/wiki/Brenken_(westfälisches_Adelsgeschlecht)
von Ense:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ense_(Adelsgeschlecht)
von Spiegel zum Desenberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Spiegel_(westfälisches_Adelsgeschlecht)
von Niehausen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Niehausen
von Büren:
https://de.wikipedia.org/wiki/Büren_(Adelsgeschlecht)
von Hoerde:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hoerde_(Adelsgeschlecht)
von Heygen (Heggen):
https://de.wikipedia.org/wiki/Heygen_(Adelsgeschlecht)
von Wrede:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wrede_(westfälisches_Adelsgeschlecht)
von Schwansbell:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Schwansbell_(Lünen)
von Freytag:
https://de.wikipedia.org/wiki/Frydag_(Adelsgeschlecht)
von Schorlemer:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schorlemer_(Adelsgeschlecht)
Anton Fahne: Geschichte der kölnischen, jülichschen und bergischen Geschlechter in Stammtafeln, Wappen, Siegeln und Urkunden, Verlag Heberle, Köln 1848, 1. Stammfolge und Wappenbuch A-Z - online:
http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/urn/urn:nbn:de:hbz:061:1-77430 - pdf: http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/download/pdf/3115733?name=Stammfolge%20und%20Wappenbuch
Anton Fahne: Ergänzungen und Verbesserungen zum 1. Teil und Stammfolge und Wappenbuch der clevischen, geldrischen und moersschen Geschlechter, soweit sie in dem Herzogtume Juelich Cleve Berg ansaessig waren, A-Z, Verlag Heberle, Köln 1853 - online:
http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/urn/urn:nbn:de:hbz:061:1-77406 - pdf: http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/download/pdf/3114137?...cle
Daniel Hanke: Der Dom zu Fulda, der Bau und seine Ausstattung (Schriften zur Kunstgeschichte Bd. 18), 450 S., Verlag: Dr. Kovac, 1. Auflage 2008, ISBN-10: 3830034369, ISBN-13: 978-3830034360

Dom St. Salvator - Epitaph für Adolph von Dalberg - Dom St. Salvator - Epitaph für Amand von Buseck - Dom St. Salvator - Epitaph für Constantin von Buttlar - Dom St. Salvator - Epitaph für Adalbert von Schleifras

Die Wappen der Fürstäbte und Fürstbischöfe von Fulda - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3)

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