Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2624
Apelern (Samtgemeinde Rodenberg, Landkreis Schaumburg)

Wasserschloß Münchhausen (Münchhausenhof)

Der Ort Apelern im Landkreis Schaumburg, 6 km südwestlich von Bad Nenndorf und 10 km südöstlich von Stadthagen, besitzt drei heraldisch interessante Stellen, zwei Herrensitze und ein Erbbegräbnis. Die beiden Herrensitze liegen nur 570 m Luftlinie auseinander, der Münchhausenhof im Südwesten des Ortes, der Hammersteinhof im Nordosten des Ortes. Der Münchhausenhof, seit 1369 bis heute in Familienbesitz, ist von der Rintelner Straße aus zugänglich; die Auffahrt führt von Süden her zur Toranlage des Herrensitzes von leicht trapezförmigem Grundriß. Die vom nördlich des Anwesens vorbeifließenden Riesbach gespeiste Gräfte umgibt den Hof auf allen vier Seiten; die Hauptbrücke liegt etwas exzentrisch nach rechts versetzt auf der Südseite, und eine zweite, kleinere Brücke überspannt die Gräfte auf der westlichen Schmalseite. Die randständige Bebauung rings um einen weitläufigen Hof mißt in West-Ost-Richtung ca. 96 m auf der Nordseite bzw. 80 m auf der Südseite, und in Nord-Süd-Richtung 68 m auf der Westseite und 55 m auf der Ostseite. Die Gebäude sind größtenteils von landwirtschaftlicher Nutzung geprägt, rechts auf der Nordseite steht eine große Scheune, die Südseite und der südliche Teil der Westseite werden von Ställen gebildet. Die Umfassungsmauer stammt zwar aus dem 16. Jh., die sich daran lehnenden Wirtschaftsbauten sind weitgehend im 17. und 18. Jh. errichtet worden. Die Gutshofanlage wurde 1560-1561 für Börries von Münchhausen (1515-1583) durch Jacob Kölling erbaut, einen bekannten Baumeister der Weserrenaissance. Das zweiflügelige, winkelförmige Herrenhaus, also der eigentliche Wohnbau, befindet sich in der Nordwestecke. Der Treppenturm besitzt ein stabwerkgerahmtes Portal. Einfache Dreiecksgiebel sind neben den Wappensteinen der einzige Bauschmuck.

Das Wohngebäude, welches den westlichsten Teil der Bebauung am Nordrand bildet, ist durch einen Wappenstein auf das Jahr 1561 datiert. Das Ehewappen wird von einer Aedikula gerahmt. Die Inschrift oberhalb und unterhalb der Wappenzone lautet: "Anno Domini 1561" - "Borries von Monchausen / Heilwich Buesche". Bei dem Bauherrenpaar handelt es sich um Börries (Liborius) d. Ä. von Münchhausen (1515-25.11.1583), kaiserlicher Rittmeister beim Obristen Hilmar von Münchhausen, Teilnehmer an der Schlacht bei St. Quentin 1557, Herr von Apelern, Drost und Pfandherr zu Lauenau, Sohn von Ludolf von Münchhausen (ca. 1492- ca. 1549) und Mette (Metta) von Rottorp oder Rottorf (-1567), und um seine Frau, Heilwig (Hedwig) von dem Bussche (24.8.1537-29.1.1599), die Tochter von Claus (Nicolaus) von dem Bussche (-28.10.1559) und Anna Mette (Metta) von Holle (-1576) und Erbin des Hauses Oldendorf. Die Beiden hatten 1558 geheiratet und bekamen zehn Kinder.

 

Der Schwiegervater übergab Börries von Münchhausen und seinem Schwager Franz von Cramm 1559 alle seine Lehen und Güter. Mit dieser finanziellen Ausstattung und mit der reichen Kriegsbeute von St. Quentin, die im Krieg zwischen Habsburg und Frankreich mit einem Sieg der spanischen Truppen über die Verteidiger von St. Quentin am 10.8.1557 endete, konnte er sich den Neubau leisten. Aber Börries baute nicht nur in Apelern, sondern er begann auch in Oldendorf einen Neubau, der allerdings erst nach seinem Tod von seiner Witwe, die das Gut in die Ehe gebracht hatte, vollendet wurde. Börries kaufte ferner 1569 Amt und Haus Lauenau, 1580 auch den Burghof daselbst von Magnus von Münchhausen. Börries focht zwar auf Seiten der Spanier und war früher ein eifriger Katholik, in späteren Jahren schloß er sich der Reformation an. Für den Ehemann Börries gibt es eine Grabplatte im Chorraum der Kirche von Apelern.

Das Wappen des Ehemannes heraldisch rechts ist das der von Münchhausen, in Gold ein schreitender Zisterziensermönch in silbernem Gewande mit schwarzer Mozetta (Schulterkragen) und schwarzem Skapulier (schürzenähnlicher Überwurf), der einen gekrümmten roten Stab und ein rotes Buch trägt, auf dem schwarz-golden bewulsteten Helm mit schwarz-goldenen Decken der Zisterziensermönch wie im Schild. Die von Münchhausen auf Apelern zählen zur Weißen Linie. Das Wappen der von dem Bussche zeigt in Blau eine silberne Lilie, die meist so dargestellt wird, daß sie oben und unten jeweils aus dem größeren Teil einer heraldischen Linie besteht, also zwei Spiegelebenen besitzt, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken eine silberne Lilie vor einem blauen Federbusch. Es wird beschrieben im Westfälischen Wappenbuch.

Der zweigeschossige Torbau in der östlichen Hälfte der Südseite, schräg gegenüber dem Herrenhaus, ist auf das Jahr 1595 datiert und trägt ebenfalls einen Wappenstein, eingelassen in eine Aedikula. Die Inschrift lautet: "ANNO DOMINI 1595 / NACH GODT VND EHR / STEHT MEIN BEGE(H)R / CLAVS VON / MONNICHAVSEN / VRSVLA VON / QVITZOVW". Das Bauherren-Ehepaar ist Claus (Clawes, Nicolaus) von Münchhausen (31.3.1560-10.1.1617), Sohn von Börries (Liborius) d. Ä. von Münchhausen (1515-25.11.1583) und Heilwig (Hedwig) von dem Bussche (24.8.1537-29.1.1599), und Ursula von Quitzow (14.2.1566-6.3.1610), Tochter von Dietrich XIX. von Quitzow (1515-14.10.1569) und Elisabeth von Veltheim (ca. 1536-1575). Das Paar hatte 10 Kinder. Beide Ehepartner sind in Apelern begraben, und die 2x16er-Ahnenprobe dieses Paares ist außen an dem Erbbegräbnis der Familie als Wappenfries angebracht.

Das Wappen des Ehemannes heraldisch rechts ist das der von Münchhausen; es folgt der zuvor gegebenen Beschreibung. Das Wappen der Ehefrau auf der heraldisch linken Seite ist das der von Quitzow, rot-silbern (oder umgekehrt) schräglinksgeteilt mit zwei achtstrahligen Sternen in verwechselten Farben, auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken ein roter laufender Fuchs zwischen zwei grünen Bäumen. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Pr Seite: 311 Tafel: 365, vgl. auch Band: SchlA3 Seite: 39 Tafel: 24, aber mit Gold statt Silber. Im Aschaffenburger Wappenbuch hat die Helmzier die vermutlich ursprüngliche Form mit zwei grünen Federstößen, die vermutlich die Wurzel der Bäume in den späteren Wappenformen waren; dafür ist die Horizontalteilung des Schildes abwegig. Die Familie stammt aus dem Ort Quitzow in der Priegnitz, war einst dort reich begütert, war danach nur noch in Mecklenburg angesessen und stellte etliche Offiziere in preußischen Diensten. Hinsichtlich der Helmzier gibt es noch Varianten mit einem sitzenden Fuchs oder einem gegen einen Baum anspringenden Fuchs.

 

Im Jahre 1788 wurde das Herrenhaus um den rechts anschließendem Fachwerkteil erweitert (mittlerer Abschnitt der Bebauung am Nordrand). Zwischen den rahmenden Holzbalken ist ein auf das genannte Jahr datierter Wappenstein eingelassen, der unter den Wappen durch eine auf einem beiderseits hochgerafften Tuch angebrachte Inschrift "FRANTZ CARL VON MÜNCHHAUSEN - JEANNETTE ALBERTINE VON DER GOLTZ" zugeordnet ist. Franz Carl von Münchhausen (13.12.1749-26.12.1805) war der Sohn von Ferdinand von Münchhausen (20.3.1719-23.6.1780), Herr auf Apelern, Kaiserlicher Reichspostmeister in Braunschweig, und Louise Marianne von Manteuffel (4.1.1719-11.10.1778). Er war Herr auf Apelern und Nienfeld, kaiserlicher Reichspostdirektor, außerdem Fürstlich Thurn-und-Taxischer Geheimer Rat. Er heiratete am 29.6.1785 Johanna Albertine von der Goltz (13.4.1752-1811), Hofdame der Herzogin von Braunschweig und Tochter von Carl Christoph von der Goltz (2.12.1707-30.6.1761) und Friederike Margarethe von Burgsdorff (13.8.1713-17.1.1773). Das Paar hatte zwei Kinder, Charlotte Augustine Fernandine von Münchhausen (Stiftsdame zu Wunsdorf) und Carl Edmund Friedrich von Münchhausen (20.10.1787-1.12.1854), welcher durch seine Ehe mit Henriette Eleonore Karoline Dorothee von und zu Schachten den Stamm fortsetzte.

Das Wappen der von Münchhausen folgt der zuvor gegebenen Beschreibung. Das Wappen der von der Goltz zeigt in Blau einen goldenen Sparren, von drei (2:1) goldenen Lilien begleitet, auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken wachsend ein Rumpf einer Jungfrau mit gestümmelten Armen (Jungfrauenrumpf), mit offenem goldenem Haar, in golden-blau (auch: silbern-rot) gevierter Gewandung, der Kopf mit drei golden-blau geteilten Rauten besetzt. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: PrGfN Seite: 9 Tafel: 6 und in Band: SchlA3 Seite: 134 Tafel: 87, weiterhin von Otto Hupp im Münchener Kalender 1916.

Erst führte die Familie nur einen Sparren. Für diesen Sparren finden sich ganz unterschiedliche Farbangaben, je nach Zusammenhang. In einem französischen Wappenbrief von 1653 ist es ein goldener Sparren in Blau. Georg von der Goltz führte 1608 einen silbernen Sparren in Rot. Die dazu passende Helmzier zu rot-silbernen Decken besteht aus sieben schwarzen Hahnenfedern. Eine dritte Quelle hat einen silbern-schwarz nach der Figur geteilten Sparren in Rot. Der französische Feldmarschall Joachim Rüdiger von der Goltz erhielt vom französischen König Louis XIV. 1653 für sich, seine Brüder und Wappengenossen die Erlaubnis, dem goldenen Sparren in Blau die drei goldenen Lilien Frankreichs hinzuzufügen. So gingen auch die Farben auf den Rest der Familie über und wurden im 17. Jh. Standard: Blau-golden. Genau so ist die Farbgebung hier zu erwarten. Die Brüder Joachim Rüdiger und Johann Rüdiger von der Goltz erhielten 1678 den Reichsfreiherrenstand, der 1691 von Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg anerkannt wurde. Das Geschlecht war in allen östlichen Provinzen Preußens mit Grundbesitz angesessen. Die Familie stellte viele Heerführer.

Seit Ende des 17. Jh. wurde das Wappen der von der Goltz auch in vermehrter Form geführt, indem das Stammwappen in gespaltenem Schild nach hinten kam, während vorne das polnische Wappen Prawda Einzug hielt, desgleichen als Helmzier Nr. 1. Hintergrund ist vermutlich eine Heirat. Es ist nun seitdem gespalten, rechts in Rot aus einer silbernen Zinnenmauer wachsend ein goldener Löwe, der einen ebensolchen Ring in den Vorderpranken hält, links in Blau ein goldener Sparren, von drei (2:1) goldenen Lilien begleitet, zwei Helme: Helm 1 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken wachsend ein goldener Löwe, der einen ebensolchen Ring in den Vorderpranken hält, Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken wachsend ein Rumpf einer Jungfrau mit gestümmelten Armen (Jungfrauenrumpf), mit offenem goldenem Haar, in golden-blau gevierter Gewandung, der Kopf mit drei golden-blau geteilten Rauten besetzt.

Zu einer weiteren Wappenvermehrung kam es, als der preußische König Friedrich Wilhelm II. 1786 die Vettern Wilhelm Bernhard und Carl Alexander von der Goltz aus dem Hause Heinrichsdorf bzw. 1789 des Erstgenannten Brüder Leopold Heinrich und Carl Franz von der Goltz in den preußischen Grafenstand erhob. Das Wappen bekam nun einen zusätzlichen silbernen, gräflich gekrönten Herzschild mit einem schwarzen Adler als königliches Gnadenzeichen, weiterhin kam ein dritter Helm hinzu, der zu schwarz-silbernen Decken den schwarzen Adler trug und die bisherigen beiden Helme auf die Positionen 2 und 3 seitlich verwies.

Einst besaß das Herrenhaus des Münchhausen-Gutes noch einen weiteren Flügel, der wurde 1888 unter Börries von Münchhausen durch einen Neubau ersetzt. Das ist der Fachwerk-Abschnitt zwischen dem Herrenhaus von 1561 und den Ställen, also der nördliche Teil der Bebauung des Westrandes. Neben dem polygonalen Treppenturm des Renaissance-Herrenhauses entstand ein Turmvorbau mit Verlegung des Eingangs nach Plänen des Kammerherrn Börries Ernst Viktor von Münchhausen (25.7.1845-6.6.1931). Der Westflügel wurde 1903 ergänzt. Das 2004-2005 umfassend restaurierte Schloß ist Privateigentum und kann innen nicht besichtigt werden. Der Hof ist aber frei zugänglich. Weitere Wappen befinden sich am Mausoleum im Park, das 1914 nach Entwürfen von Börries von Münchhausen (1845-1931) erbaut wurde. Das war der Vater des gleichnamigen Balladendichters. Das Mausoleum liegt im privaten Bereich des Anwesens und kann nicht besichtigt werden.

Die weiße Linie der von Münchhausen endete mit Hans Georg Richard von Münchhausen (29.8.1877-2.8.1952), Jurist und Verwaltungsbeamter, vermählt am 9.1.1925 mit Marie Irmgard Hoppe (22.7.1888-14.6.1955). Das Paar adoptierte Heyno Werner Rembert von Münchhausen (2.8.1915-5.5.2004), einen entfernten Neffen aus der schwarzen Linie. Heyno hatte am 1.12.1961 in Düsseldorf Hildegarde Sibylle Gräfin Eckbrecht von Dürckheim-Montmartin (3.5.1919-11.1.2014) geheiratet. Die derzeitigen Besitzer des Anwesens sind deren Sohn Matthias Werner von Münchhausen (30.6.1944-) und seine Frau, Gabriele Daelen (3.10.1946-), mit den Kindern Henriette von Münchhausen (20.12.1973-) und Philipp Heyno von Münchhausen (16.3.1983-).

Literatur, Links und Quellen:
Position in Google Maps: https://www.google.de/maps/@52.2872858,9.3333229,18z - https://www.google.de/maps/@52.2873267,9.333233,156m/data=!3m1!1e3
G. Ulrich Großmann, Renaissance entlang der Weser, Du Mont Buchverlag Köln, 1989, ISBN 3-7701-2226-7, S. 122
Paul Brettner, Friedrich Judas: Apelern - ein Dorf macht Geschichte, Hrsg.: Gemeinde Apelern, Ute Bernhardt-Pätzold-Verlag, Stadthagen 1992, ISBN: 3-89109-034-X, insbesondere S. 65-76
Meiner Mutter Ursula Peter ein herzliches Dankeschön für umfangreiche Vorarbeit
Familie von Münchhausen auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Münchhausen_(Adelsgeschlecht)
Apelern auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Apelern - Liste der Baudenkmäler:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmale_in_Apelern
Familie von der Goltz auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Goltz_(Adelsgeschlecht)
Rietstap/Rolland
Siebmachers Wappenbücher
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901-1903.

Otto Hupp: Münchener Kalender 1916

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