Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2597
Tillysburg (St. Florian, Linz-Land, Oberösterreich)

Schloß Tillysburg

Schloß Tillysburg liegt ca. 5 km südöstlich von Enns, nordwestlich von Volkersdorf in Richtung Samesleiten, auf einem Höhenrücken über dem Kristeinbach neben dem Golfplatz des Golfclubs Linz St. Florian (Adresse: Tillysburg 1, 4490 St. Florian). Die beherrschend wirkende, von der Donauseite her gut sichtbare, rechteckige Vierflügelanlage von ca. 62 m x 80 m mit einem arkadengesäumten Innenhof von 33 m x 46 m besitzt an den Ecken vier vorstehende Türme auf quadratischem Grundriß. Während die Schloßflügel durchgehend zweistöckig sind und ein Satteldach tragen, sind drei der Türme vierstöckig mit flachem Pyramidendach und einer, derjenige an der Nordostecke, fünfstöckig. Ursprünglich waren die anderen Türme auch höher, wurden aber in der ersten Hälfte des 20. Jh. gekappt und ihrer welschen Hauben beraubt. Das ganze Schloß ist strahlend gelb-weiß angestrichen. Eine Besichtigung ist nur von außen möglich; der Innenhof ist frei zugänglich. Innenhofseitig besitzt der Ostflügel ein Zwerchhaus in der Mittelachse, mit einer großen Uhr und einem Dreiecksgiebel, dessen Basisgesims über ersterer halbrund nach oben ausgezogen ist. Die Bögen des Arkadenhofes werden von 36 Granitsäulen getragen. Der Westflügel besitzt einen dreiseitig vorspringenden Kapellenerker für die über beide Stockwerke reichende Kapelle.

Der ursprüngliche Herrschaftssitz lag 200 m weiter im Süden auf der Hochfläche, das war die 1256 erstmals erwähnte Burg Volkenstorf (heute Volkersdorf). Dort saß eine gleichnamige Familie, ehemalige Ministerialen der steirischen Markgrafen und Erbfähnriche des Hauses Österreich. 1558 brannte die Burg, wurde aber wiederaufgebaut. Wolf Wilhelm II. von Volkenstorf, Protestant und Landeshauptmann von ob der Enns, geboren 1567, starb 1616, und mit ihm erlosch das Geschlecht im Mannesstamm. Auch die Töchter hatten alle keinen Sohn, der den Besitz hätte fortführen können. Die letzten Familienmitglieder wanderten aus Glaubensgründen aus. Katharina von Volkenstorf, Witwe des Wolf Wilhelm von Volkenstorf, geborene von Liechtenstein zu Nikolsburg, verkaufte im Einvernehmen mit ihren drei noch lebenden Töchtern 1629 bzw. mit Urkunde vom 4.10.1630 die Herrschaften Volkenstorf mit Stein und Weissenberg und Reichersdorf an ihren Verwandten, Graf Werner T'Serclaes von Tilly, nachdem Kaiser Ferdinand II. die Fideikommißverhältnisse gelöst hatte, denn in seinem Testament hatte Wolf Wilhelm II. von Volkenstorf einen solchen aus den Herrschaften Volkenstorf, Weissenberg, Stein und Reichersdorf geschmiedet. Katharina von Volkenstorf, wanderte nach Regensburg, später nach Nürnberg aus. Werner T'Serclaes von Tilly ließ die Burg Volkenstorf ab 1630 abbrechen und sich statt dessen 1633-1645 Schloß Tillysburg unter Verwendung des Baumaterials errichten. Von der alten Burg sind nur noch zwei Kegelstümpfe von 30 bzw. 50 m Durchmesser und ein drittes, halbrundes Plateau im Gelände zu sehen.

Am 3.3.1633 wurde der Grundstein auf Bitten des Bauherrenpaares durch Propst Leopold Zehetner zu St. Florian gelegt. Am 8.3.1633 schloß der Bauherr mit Hans Elckhammer, Baumeister zu Mühlgrub, einen Kontrakt über "ein dem zu Weissenberg ähnliches Bauwerk zu Tillysburg". Am 5.9.1638 wurde die Schloßkapelle von Johannes Kaspar Stredele von Montani und Wisberg, Passauer Weihbischof und Episcopus Sareptanus, konsekriert. Das neue Schloß wurde in einem Übergangsstil zwischen Renaissance und Barock erbaut und später noch einmal barock überformt: Um 1720 wurden vom Linzer Baumeister Johann Michael Prunner (4.9.1669-26.4.1739) das barocke Treppenhaus eingebaut und die Arkaden im Hof errichtet, und um 1730 wurden die Fassaden mit Stuck versehen.

Das schmucke Treppenhaus ist im Ostflügel untergebracht und nimmt die ganze Breite des Innenhofs in Anspruch. Der Eingang liegt in der Mittelachse, darüber liegt ein großes Fenster mit flach gespanntem Bogen. Die direkt benachbarten Achsen sind durch zwei Schrägen übereinander in unterschiedlicher Steilheit geprägt; beide Fenster sind entsprechend angeschnitten. Die nächsten beiden Achsen haben jeweils nur ein gerades Fenster, darunter ein niedriger Kellerzugang mit Holztüren, darüber ein Blendbogen. Die letzten beiden Achsen ganz außen haben nur eine Schräge und ein angeschnittenes Fenster, darunter eine niedrige Arkade, darüber wieder ein Blendbogen. Von der Mitte aus gehen die Haupttreppen in das Obergeschoß symmetrisch zu beiden Seiten ab mit Treppen in der 1., 3., 5. und 7. Achse und einem flachen Stück in der 2. und 6. Achse. Die Treppe vom Obergeschoß ins Dachgeschoß ist steiler und benötigt sichtbar nur die 3. und 5. Achse. Die Bögen unterhalb der Treppe staffeln sich in der Höhe, in der 2. und 6. Achse ist es der niedrige Kellerzugang, in der 1. und 7. Achse eine niedrige offene Arkade, und seitlich in den angrenzenden Flügeln erreichen die Arkadenbögen ihre volle Höhe. Die oberen Bögen unter dem Hauptgesims sind alle gleichförmig, aber nur die drei mittleren haben Fenster.

Es werden verschiedene Winkel kombiniert, verschiedene Höhen und schräg verzerrte Bögen - und dennoch wirkt es großartig und harmonisch, weil alles in das Raster der Kolossalpilaster eingebunden ist, alles hochsymmetrisch angelegt ist und der kompromißlose Rhythmus der oberen Bogenreihe alle Eskapaden wieder nivelliert. In seiner Breite und Ausdehnung ist das eines der luxuriösesten und großzügigsten Treppenhäuser im barocken Schloßbau. Als Vorbild diente unzweifelhaft das Treppenhaus vom Stift St. Florian, wo wie eine vergleichbare großzügige Breitenausdehnung, Symmetrie und Wegeführung haben. Noch größer wird die Ähnlichkeit, wenn man sich die Bogenfenster ursprünglich offen vorstellt, denn die Verglasung wurde erst nachträglich eingebaut.

Der Zugang erfolgt von Norden her. In der Mitte der nördlichen Längsseite liegt die wappengeschmückte Durchfahrt in den Innenhof. Die Portalblende ist gequadert und besitzt Rundbogen, gerades Gebälk und einen Aufsatz. Hier sehen wir das Stammwappen der vorletzten Besitzerfamilie, der Herren und späteren Grafen von Eltz: Geteilt, oben in Rot ein wachsender goldener Löwe, unten silbern und ledig. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken ein hermelingestulpter roter Turnierhut, aus dem ein goldener Löwe wächst zwischen einem mit silbernen Herzchen bestreuten roten Flug (Münchener Kalender 1934, Gruber, Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 37 Seite 89, 186). Die neobarocke Kartusche ist von einer Laubkrone bedeckt. Genau wie auf der Nordseite gibt es auch auf der Südseite gegenüber einen Durchgang vom Innenhof nach draußen.

Im Innenhof finden wir einen älteren Wappenstein. Er ist gespalten, rechts das Wappen der Grafen T'Serclaes von Tilly, links das Stammwappen des fürstlichen Hauses Liechtenstein. Die Inschrift darunter ist stark verwittert, aber das Jahr 1633 und die Namen sind noch zu lesen: "WERNHERVS CO / MES T'SERCLAES ET FRANCISCA / BARBARA PRINCIPESSA AB LICH / TENSTEIN HVIVS ARCIS CON / DITORES ANNO D(OMI)NI / MDCXXXIII".

Werner Wenzel T'Serclaes Graf von Tilly (12.5.1599-15.6.1653), Sohn von Jacob T'Serclaes Graf von Tilly (1564-1624), Erb-Seneschall der Grafschaft Namur, und Dorothea von Ostfriesland, Neffe des berühmten kaiserlichen Feldherrn Johann T'Serclaes Graf von Tilly Seigneur de Marbais (1559-30.4.1632), hatte Franziska Barbara Prinzessin von und zu Liechtenstein (1604-1655) geheiratet. Werner Wenzel Graf T'Serclaes von Tilly wurde am 8.3.1630 niederösterreichischer Herr, am 18.4.1831 oberösterreichischer Herr, war 1632 Herr zu Neufville, Hohenfels, Helfenberg, Hollenstein, Freystadt, Stein, Reichersberg und Tillysburg, 12.2.1635 Graf von Tilly und Breiteneck. Er war kaiserlicher und kurbayerischer Kämmerer.

Die ursprünglich niederländische Familie T'Serclaes, Herren in Oested, Berun und Marienhoven, gründete im 15. Jh. einen Zweig in Brabant und war im Brüsseler Patriziat. Nach Carpentarius gehörte die Familie zu den sieben Brüsseler Patriziergeschlechtern. Als Ahnherr gilt Ritter Gideon T'Serclaes (-1064). Die Familienangehörigen nannten sich Herren von Oesteel und dann Herren von Cruychenburg. Das später namengebende Schloß Tilly liegt bei Villers-la-Ville in Wallonien, Belgien, und ist seit 1448 in Familienbesitz, als Johann T'Serclaes es von Samson von Lalain kaufte. Früher war das Allodialbesitz, nun trugen sie es den Herzögen von Brabant zu Lehen auf. Fortan nannten sie sich nach dem Besitz, und in späteren Jahrhunderten nannten sie sich nur noch danach und ließen den Stammnamen weg. Die Brüder Johann und Jakob T'Serclaes de Tilly wurden am 13.9.1622 unter Wappenbesserung in den Reichsgrafenstand erhoben. Den Aufstieg zu Ruhm und Reichtum schaffte die Familie durch den Dreißigjährigen Krieg: Mehrere Heerführer partizipierten auf kaiserlicher Seite und schufen über die Kriegsbeute ein großes Vermögen, mit dem sie Ländereien in Oberösterreich erwarben und einen neuen Lebensmittelpunkt im Donaugebiet um Linz schufen: Es waren erfolgreiche Kriegsprofiteure. Dazu wurden sie für ihren Einsatz und vor allem für ihre Siege reich belohnt: Kurfürst Maximilian gab dem berühmtesten Heerführer der Familie 1624 als Mannslehen die Grafschaft Breitenegg (am 12.2.1653 zur freien unmittelbaren Grafschaft erhoben), die Herrschaft Helfenberg sowie die Herrschaft Hohenfels mit Freystadt und Holnstein in der Oberpfalz. Johann T'Serclaes de Tilly hatte keine Nachkommen; die Familie wurde von den beiden Söhnen des Bruders Jakob fortgesetzt, wobei der eine in Brabant blieb, der andere in Bayern und Österreich lebte.

Der zweite dieser Söhne, der hier relevante Werner Wenzel T'Serclaes Graf von Tilly, machte eine militärische Laufbahn: Zunächst sehen wir ihn als Kapitän im Fußregiment Levin von Mortaigne, dann als Kapitän und Obristleutnant im Kavallerieregiment Herberstorff, dann unter Pappenheim. Er nahm u. a. an der Schlacht am Weißen Berge teil, unter Ernst von Mansfeld am Kampf gegen die pfälzischen Truppen bei Mingolsheim und am 6.8.1623 unter seinem Onkel an der Schlacht bei Stadtlohn gegen Herzog Christian von Braunschweig, danach zog er in den Westerwald auf Hachenburg und Altenkirchen. Ab 1624 führte er das Regiment zu Fuß "Jung-Tilly". Später war er Kommandant von Ingolstadt und kaiserlicher Hofkriegsrat.

 

Der Wappenschild der T'Serclaes von Tilly zeigt in Rot einen silbernen, golden gekrönten Löwen, auf der Schulter belegt mit einem Schildchen, welches geteilt ist, oben schwarz-silbern zu sechs Feldern geschacht, unten golden. Das Wappen wird beschrieben im Münchener Kalender 1934, im Aschaffenburger Wappenbuch auf Tafel 40 Seite 226 und im Siebmacher Band: GfA Seite: 60 Tafel: 63, Band: Lux Seite: 10 Tafel: 9, Band: NÖ2 Seite: 415 Tafel: 195-196, Band: OÖ Seite: 508 Tafel: 117. Der Schild auf der Löwenschulter ist das übernommene Wappen der de Bygaerden. Die hier nicht verwendete Helmzier wäre auf dem bewulsteten Helm ein wachsender silberner, ungekrönter Adler mit roten Flügeln (Siebmacher Band: GfA Seite: 60 Tafel: 63) im Stammwappen und im gräflichen Wappen auf gekröntem Helm dieser Adler gekrönt zwischen zwei roten Fahnen an goldenen Stangen, die rechte mit einem silbernen Löwen wie im Schild, also mit Schildchen, belegt, die linke mit einem silbernen Kopf eines Paschas mit silbernem Turban und drei goldenen Straußenfedern vorne dran belegt, so nach dem Reichsgrafendiplom vom 13.9.1622 (Aschaffenburger Wappenbuch und Siebmacher Band: GfA Seite: 60 Tafel: 63). Im Gegensatz zum Stammwappen sind im gräflichen Wappen Helm und Adler gekrönt, und die beiden Fähnchen sind hinzugekommen.

Andere Darstellungen können je nach Quelle variieren: Löwe auf dem Fähnchen golden und ohne Schildchen, Adler der Helmzier ganz golden, Pascha-Kopf ohne Federn am Turban, Löwe im Schild doppelschwänzig etc., was aber nicht dem Diplom entspricht und nicht korrekt ist. Es gibt noch eine Variante mit zwei Helmen für andere Linien, die Barone T'Serclaes ohne den Beinamen Tilly, die Grafen T'Serclaes Tilly d'Herlaer und die Grafen T'Serclaes de Wommerson, so im Siebmacher Band: Lux Seite: 10 Tafel: 9 und Band: GfA Seite: 60 Tafel: 63: Helm 1 (rechts): rotbewehrter, silberner Adlerrumpf zwischen zwei roten Federnbüschen, Decken rot-silbern, Helm 2 (links): goldenbewehrter schwarzer Doppeladler, darüber die Kaiserkrone, Decken ebenfalls rot-silbern. Das ist hier alles nicht im Detail relevant, weil wir hier ausschließlich die Linie zu Breiteneck haben.

Das Stammwappen des fürstlichen Hauses Liechtenstein ist golden-rot geteilt. Die Eltern der Ehefrau waren Karl Fürst von Liechtenstein-Nikolsburg zu Feldsberg (30.7.1569-12.2.1627) und Anna Maria von Czerna-Hora und Aussee. Dieser Karl von Liechtenstein wurde am 20.12.1608 Reichsfürst (ab dem 23.6.1620 erblich). Er war ebenso wie sein Schwiegersohn ein Parteigänger der katholischen Seite: Am 14.6.1613 wurde er Präsident des Ausschusses der katholischen Stände, und am 20.2.1621 verhaftet er die Anführer der evangelischen Stände in Böhmen, wo er 1619 Statthalter geworden war. 28.12.1613 wurde er Herzog von Schlesien-Troppau, und wurde er 13.5.1623 Herzog zu Jägerndorf.

Und im Innenhof gibt es um die an der Nordwand angebrachte Sonnenuhr herum noch mehrere gemalte Wappen, die alle Schloßbesitzer nacheinander repräsentieren. Dieser Sammlung entspricht die komplexe Besitzgeschichte:  Ganz links oben, bei 5 Uhr, sehen wir erneut den Schild der T'Serclaes von Tilly. 1632 ging man an den Bau des Schlosses unter der Familie T'Serclaes von Tilly. Doch der österreichische Zweig der Familie starb 1724 mit Ferdinand Lorenz Franz Xaver T'Serclaes Reichsgraf von Tilly zu Breitenegg (11.8.1666-9.1.1724) aus, dem Enkel von Werner Wenzel T'Serclaes Graf von Tilly und Sohn von Ernst Emmerich T'Serclaes Graf von Tilly und dessen zweiter Frau Maria Anna Theresia Freiin von Haslang. Im Gegensatz zu seinem Vater, Großvater und Großonkel hatte er nichts mit Kriegen zu tun und verwaltete das von den Kriegsgewinnlern erworbene Vermögen und ging als Förderer der Baukunst in die Geschichte ein. Er war auch der Bauherr der Wallfahrtskirche von Freystadt, und auch in Tillysburg wurde das Schloß unter ihm barockisiert und leicht umgebaut, wofür er Johann Michael Prunner engagierte. Weitere seiner Bauprojekte waren ein neues Schloß in Helfenberg (abgegangen) und die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Breitenbrunn.

Mit vollständigem Titel gemäß dem Europäischen Herold von Friedrich Leutholfs von Frankenberg 1705 war er Graf von Tilly und Breiteneck, Baron von Morbais-Montigny, Neufville und Ballast sowie Herr zu Helfenberg, Hollstein, Hohenfels, Freystadt, Tillysburg, Wissenberg, Plein und Reichersdorff. Dahinter verbergen sich folgende belgische Ortsbezeichnungen: Morbais ist unter Marbais bekannt und liegt bei Villers-la-Ville; Montigny steht für Montignies-sur-Sambre bei Charleroy, und mit dem ubiquitären Neufville ist Neuville-sous-Huy gemeint: Ballast ist eine verballhornte Fassung von Bâlatre bei Jemeppe-sur-Sambre. Auch die deutschen und österreichischen Ortsbezeichnungen sind erläuterungsbedürftig: Breitenegg, heute Breitenbrunn war eine reichsunmittelbare Grafschaft, die den T'Serclaes von Tilly seit 1624 gehörte. Helfenberg liegt bei Lengenfeld, hinter Hollstein verbirgt sich Holnstein bei Berching, alles im Bereich Eichstätt, ebenso wie Freystadt. Mit Wissenberg ist Weissenberg bei Neuhofen an der Krems gemeint, und Plein steht für Stein bei Neuhofen an der Krems. Reichersdorf ist ein Ort bei Nußdorf ob der Traisen in Niederösterreich.

 

Rechts oben, bei 6 Uhr, ist das Wappen der von Montfort zu sehen, in Silber eine rote Kirchenfahne mit drei Hängeln und Ringen. Ferdinand Lorenz Franz Xaver T'Serclaes Reichsgraf von Tilly starb im Alter von 58 Jahren unvermählt in Linz, und damit erlosch die Familie im Mannesstamm. Viele seiner deutschen Besitzungen waren Mannlehen und fielen nach seinem Tod heim. Seine Schwester Maria Anna Katharina T'Serclaes von Tilly (-21.7.1744), verwitwete Reichsgräfin von Montfort, weil sie 1692 Anton Graf von Montfort (1635-1706) geheiratet hatte, erbte die anderen Besitzungen. Sie verkaufte die österreichischen Besitzungen und lebte selbst im oberpfälzischen Breitenbrunn. Mit ihr ist die bayerische Linie der Grafen Tilly vollständig erloschen, nicht aber das Gesamtgeschlecht, denn eine andere Linie geht auf Johann II. Werner T'Serclaes von Tilly zurück, einem weiteren Neffen des kaiserlichen Feldherrn und Bruder des Schloßerbauers, und diese Linie brachte zwei weitere berühmte Generäle hervor, von denen Generalfeldmarschall Albert Octave T’Serclaes von Tilly, Vizekönig von Navarra, Aragon und Katalonien, zum Fürsten ernannt wurde, diesen Titel mangels Nachkommen nicht mehr weitergab.

Bei 7 Uhr ist das Wappen der Familie von Weichs aufgemalt, in Silber eine eingebogene schwarze Spitze. Freiherr Johann Josef Clemens Anton von Weichs war es, der 1730 die Herrschaft Tillysburg samt Landgericht von Maria Anna Katharina von Montfort gekauft hatte, außerdem die Herrschaften Stein und Weissenberg und ihr Haus zu Wels. Wegen naher Verwandtschaft gab es einen Sonderpreis, 350000 rheinische fl., wovon sie ihm aber 110000 fl. mit Donationsbrief schenkte. Er übernahm die drei Herrschaften zum 1.1.1731. Er verstand es aber nicht zu wirtschaften: Nach seinem Tod stellte sich heraus, daß nur noch der Konkurs zu erklären war.

 

Gegenüber, bei 4 Uhr, ist der silbern-rot gespaltene und mit einem Tatzenkreuz in verwechselten Farben belegte Schild des Stifts St. Florian zu sehen. Schon 1735 hatte Baron Weichs dem Stift St. Florian wiederholt den Antrag gemacht, Tillysburg, Stein und Weissenberg zu kaufen, was auch 1740 noch verhandelt worden sein muß. Ludovika von Weichs, die Tochter des oben erwähnten Johann Josef von Weichs, verkaufte schließlich nach dem Tod ihres Vaters das ihrerseits 1755 aus der Konkursmasse herausgelöste Tillysburg 1764 an das Stift St. Florian, um nach dem Konkurs ihres Vaters die Finanzen zu konsolidieren.

Als nächstes folgt bei 9 Uhr das Wappen der irischen Grafen O'Hegerty (auch: O'Hegarty), unter einem roten, mit drei silbernen Merletten belegten Schildhaupt in Silber ein ausgerissener grüner Eichbaum mit braunem Stamm (englischer Blason: Argent an oak tree eradicated proper, on a chief gules three birds of the first beaked and legged sable). Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre ein angewinkelter gerüsteter Arm mit Krummschwert (an arm in armour embowed the hand grasping a scymitar all proper). Diese Familie stammte aus der Gegend von Cork. Mittlerweile war die französische Besetzung über das Schloß gekommen, und die Nutzung als Feldspital und die Plünderung durch die französischen Soldaten hatten ihre Spuren hinterlassen. Der Bau wurde praktisch nur noch landwirtschaftlich genutzt; das Schloß war für das Stift St. Florian nutzlos geworden. Graf Charles Jean Patric O'Hegerty (18.3.1801-21.12.1882), ehemaliger Marstallmeister am französischen Hof, seit dem 17.8.1837 vermählt mit Marie Franziska Gräfin von Sternberg-Manderscheid (1805-1845), kaufte den Besitz im Jahre 1841 und züchtete hier Pferde für die Kavallerie. U. a. versorgte er die Ennser Kaserne mit Militärpferden. Er war es auch, der aus vier gleich hohen Türmen die heutige Situation machte, einer erhöht als Aussichtswarte, die anderen niedriger und ihrer Zwiebelhauben beraubt.

Als letztes ist rechts unten zwischen 2 und 3 Uhr der oben beschriebene Schild der Grafen von Eltz gemalt. Die einzige Tochter des oben genannten Charles O'Hegerty war Ida O'Hegerty (24.1.1844-5.9.1927), und diese heiratete am 23.5.1865 auf dem Schloß Graf Franz von und zu Eltz gen. Faust von Stromberg (15.3.1823-6.9.1891), den Sohn von August Philipp Johann Nepomuk Graf von und zu Eltz gen. Faust von Stromberg (1783-1858) und Rosa von Brentano di Cimaroli (1803-1878). In der Familie der Grafen von Eltz, die zunächst den Pferdezuchtbetrieb fortführten, blieb das 1897 übernommene Schloß bis 1989. Auf Franz folgte der Sohn August Carl Franz Maria Graf von und zu Eltz (29.3.1866-10.9.1921), vermählt am 16.7.1891 in Traunegg mit Margarethe Freiin von und zu Franckenstein (6.7.1869-30.9.1938), dann deren Sohn Franz Maria Joseph Heinrich August Aloysius Hubert Anton Ignatius Maurus Graf von und zu Eltz (6.9.1893-3.10.1941), vermählt mit Franziska de Paula Gräfin von und zu Clam-Martinicz (30.7.1897-30.10.1983). Es waren schwierige Zeiten, insbesondere vor dem Hintergrund der Beschlagnahmung des Schlosses im Zweiten Weltkrieg. Vor allem fanden gegen Ende des Zweiten Weltkrieges Plünderungen und danach die Einquartierung von Flüchtlingen statt, worunter Gebäude und Einrichtung sehr litten. Der Erstgeborene war August Gottfried Maria Franz Heinrich Josef Judas Thaddäus Graf von Eltz (15.7.1924-1.8.1990), unvermählt und kinderlos. Der letzte Besitzer aus der Familie war dessen jüngerer Bruder, Heinrich Graf von und zu Eltz (15.11.1926-4.6.2013), mit vollem Namen Heinrich Leopold Maria Franz August Judas Thaddäus Graf und Edler Herr von und zu Eltz genannt Faust von Stromberg, beruflich technischer Oberamtsrat der oberösterreichischen Landesregierung. Er war vermählt mit der holländischen Baronin Martijne Snouckaert von Schauberg. Er hatte schwere Schicksalsschläge zu erleiden, z. B. Verlust des Vaters mit 14 Jahren, schwere Kriegsverwundung, später die schwere Erkrankung seiner Frau, aber er widmete sein ganzes Schaffen und Lebenswerk dem Erhalt des Schlosses Tillysburg, und bis zu seinem Tod war er die Seele von Tillysburg. Er konnte unter großen persönlichen Anstrengungen den drohenden Verfall des Schlosses aufhalten. Wo sich einst die Landwirtschaft befand, wurde in den 1970er Jahren ein Golfplatz angelegt, einer der schönsten Österreichs.

So wird fast die komplette Besitzgeschichte auf der Sonnenuhr dargestellt. Nur ein letzter Besitzübergang fehlt: 1988/1989 ging das Schloß von den Grafen von Eltz an den Juristen und Unternehmer Dr. Georg Graf von Spiegelfeld-Schneeburg (1.6.1957-), der eine Generalsanierung durchführte und das Anwesen mit neuem Leben durch Vermietung von Wohnungen und Büros füllte und das Schloß revitalisierte. Dazu gehört nicht nur die Vermietung der Repräsentationsräume für ausgesuchte Veranstaltungen, sondern auch die Organisation von Konzerten und Festspielen im Schloßhof, wozu der Bereich vor dem Stiegenhaus zur Bühne wird und im östlichen Schloßhof bis zu den Bäumen Sitztribünen aufgebaut werden. Graf Spiegelfeld, dem auch Schlüßlberg (seit 1668 in Familienbesitz) gehört, saniert historische Gebäude und vermarktet alte Anwesen, um Ortszentren lebendig zu halten. Als die letzte Generalrenovierung des Schlosses gemacht wurde, wurde auch der Pferdestall mit seiner Ausstattung von 1849 rekonstruiert, aus der Zeit, als hier Pferdezucht betrieben wurde.

Das Wappen des aktuellen Besitzers sollte auch ohne Photo noch Erwähnung finden: Der Schild zeigt in Schwarz eine mit einer silbernen Lilie belegte, bis zur Mitte reichende, eingebogene, abgestutzte, rote Spitze, auf welcher die kaiserliche Hauskrone gestellt erscheint, die mit einem silbernen Patriarchenkreuz besteckt ist, zwischen zwei einwärts gestellten, aufspringenden, goldenen Greifen, welche ersteres mit den Fängen halten. Dazu werden drei gekrönte Helme geführt: Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit rechts schwarz-goldenen und links rot-silbernen Decken sieben Straußenfedern in den Farben silbern-rot-silbern-golden-schwarz-golden-schwarz, Helm 2 (rechts): auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein wachsender, gekrönter, goldener Greif, mit den Vorderpranken einen rechteckigen, golden gerahmten Spiegel (redend für Spiegelfeld!) haltend, Helm 3 (links): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein wachsender, gekrönter, goldener Greif, ein silbernes Schwert schwingend. Über dem Schild eine Rangkrone mit neun Perlen auf dem Reif. Das ist das gräfliche Wappen; das freiherrliche Wappen wird zum Vergleich beschrieben im Siebmacher Band: Un Seite: 595 Tafel: 421-422, es weist einige kleine Unterschiede auf, z. B. Spitze silbern, Lilie rot, andere Rangkrone, Greif auf Helm 3 hält ein Patriarchenkreuz anstelle des Schwertes. Ebenso wird es abgebildet in Tyroffs "Wappenbuch der Oesterreichischen Monarchie".

Bei der Familie handelt es sich um eine ursprünglich bürgerliche Familie namens Mätz, Mäz oder Matz, die aus Augsburg im 15. Jh. nach Tirol und Kärnten kam. Niclas Mätz, kaiserlicher Hofkellerschreiber und später kaiserlicher Hofkellermeister, wurde der gesellschaftliche Aufsteiger: Am 10.5.1620 erhielt er zu Wien einen kaiserlichen Wappenbrief, bekam schon drei Jahre später am 5.2.1623 zu Regensburg den Reichsadelsstand mit entsprechender Wappenbesserung und am 2.11.1629 zu Wien den rittermäßigen Reichsadelsstand. Sein Sohn Johann Mätz, k.k. Hofkammerrat und Schloßhauptmann zu Laxenburg, bekam am 26.1.1689 das ungarische Indigenat mit dem Namenszusatz "von Spiegelfeld". Am 1.7.1765 erlangte Franz Xaver Matz von Spiegelfeld, innerösterreichischer Hofkammerrat, den erbländisch-österreichischen Freiherrenstand, und ganz kurz vor dem Ende der Habsburgermonarchie, am 27.3.1917 mit Diplom vom 15.5.1917 erlangten mehrere Familienmitglieder noch den österreichischen Grafenstand, sozusagen kurz vor Toresschluß.

Im Erdgeschoß liegen reihum land- und hauswirtschaftlich genutzte Gewölberäume. Die Repräsentations- und Wohnräume liegen im Obergeschoß. Innen gibt es unerwarteterweise keinen Festsaal. Der Hauptraum ist in dem hier zu findenden Raumkonzept vielmehr die Kapelle mit Nebenräumen. Das liegt zum einen an der bekannterweise tiefen Frömmigkeit der gräflichen Familie Tilly, zum anderen paßt es in das Umfeld eines Feldherrn der katholischen Liga und in den geschichtlichen Kontext der Rekatholisierung des Landes im Zuge der Gegenreformation. Die Stuckdecken in den Räumen tragen figürliche Flachreliefs und stammen aus der 1. Hälfte des 18. Jh.; die Türen besitzen schöne Einlegearbeiten. Im Schloß werden einige Originalportraits der Familie Tilly aufbewahrt. Die ursprüngliche Einrichtung ist größtenteils während der französischen Besatzung verloren gegangen, bis auf die tonnengewölbte und mit Stichkappen versehene Kapelle, deren Ausstattung noch aus dem 17. Jh. stammt. Auf dem Gemälde des Hochaltars ist dargestellt, wie das Schloß in der damaligen Zeit vor der Barockisierung ausgesehen hat. Vor allem die vier hohen Türme mit Zwiebelhauben an den Ecken des Rechtecks lassen erahnen, warum das Schloß im Volksmund den Spitznamen "umgekehrte Bettstatt" erhielt.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@48.1992332,14.4225515,18.96z - https://www.google.de/maps/@48.1992332,14.4225515,182m/data=!3m1!1e3
Burgen-Austria:
http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=193
Festspiele:
https://festspiele-schloss-tillysburg.at/
Heinrich Graf von Eltz:
https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/nachrufe/Heinrich-Graf-von-und-zu-Eltz-Die-erloschene-Seele-von-Schloss-Tillysburg;art86198,1135730
Festspiele Tillysburg:
https://burgenverein.at/event/festspiele-schloss-tillysburg/
Pius Bieri: Ferdinand Lorenz Franz Xaver Reichsgraf von Tilly:
http://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Bauherr/a-g/Freystadt_Tilly.html
Otto Hupp, Münchener Kalender 1934
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Genealogie O'Hegerty: Datenbank von Christoph Graf von Polier:
https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&iz=0&p=charles+jean+patric&n=o+hegerty - https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&iz=0&p=ida&n=o+hegerty
von Volkenstorf:
https://de.wikipedia.org/wiki/Volkenstorfer
Burg Volkenstorf:
https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Volkenstorf
Auswertung der Urkunden im Stiftsarchiv St. Florian auf Monasterium.net:
https://www.monasterium.net/mom/search?q=tillysburg&context=AT-StiASF%3BStFlorianCanReg
Georg Graf von Spiegelfeld-Schneeburg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Spiegelfeld-Schneeburg
Félix Victor Goethals: Généalogie de la Famille de T'Serclaes, Brüssel 1853
Genealogie T'Serclaes:
https://gw.geneanet.org/pmlhennings?lang=en&pz=jacob&nz=t+serclaes+tilly&ocz=0&p=werner+wentzel+de+t+serclaes+herr&n=von+tilly
Johann Tserclaes Graf von Tilly:
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_T%E2%80%99Serclaes_von_Tilly
Karl Wittich: Johann Tserclaes Graf vonTilly, in: Allgemeine Deutsche Biographie 38 (1894), S. 314-350, online
https://www.deutsche-biographie.de/sfz82718.html
Werner Wenzel Graf von Tilly:
http://www.30jaehrigerkrieg.de/tilly-werner-wenzel-graf-von-baron-montigny/
Schloß Tillysburg auf Oberösterreich.at:
https://www.oberoesterreich.at/oesterreich-poi/detail/400140/schloss-tillysburg.html
Schloßseiten:
https://www.schlossseiten.at/schloss/schloss-tillysburg/
Burgenkunde:
http://burgenkunde.at/oberoesterreich/tillysburg/tillysburg.htm
Schloß Tillysburg auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Tillysburg
Gräfliches Wappen Spiegelfeld:
http://www.spiegelfeld.net/typo3conf/ext/theme_portal/Resources/Public/Sites/spiegelfeld/Images/logo.png
freiherrliches Wappen Spiegelfeld:
http://www.dokumentyslaska.pl/wappen%20oesterreich/m/matz%20von%20spiegelfeld%20freyherren.jpg
Georg Clam Martinic: Burgen und Schlösser in Österreich, Edition Zeitgeschichte, Landesverlag im Veritas Verlag, Linz 1991, Topsa-Verlag, Wien 1998, ISBN 3-85001-679-1, S. 257-258
Ilse Schöndorfer: Burgen und Schlösser in Oberösterreich, NP, St. Pölten 2001, ISBN 3-85326-189-2, S. 117-118
Oskar Hille: Burgen und Schlösser von Oberösterreich, Ennsthaler Verlag, Steyr, 1992, ISBN 3-85068-323-0, S. 190-191
Schloß Tillysburg auf der Spiegelfeld-Webseite:
http://www.spiegelfeld.net/spiegelfeld/tillysburg/schloss-tillysburg/beschreibunggeschichte.html

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