Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2538
Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt)

Die Moritzburg in Halle

Die Moritzburg, die jüngste aller Saale-Burgen, ist eine ca. 72 x 85 m große Vierflügelanlage am rechten Ufer des Mühlgrabens, im Norden vom Moritzburgring, im Osten vom Schloßberg und im Süden von der Mühlpforte umrahmt. Das unregelmäßige Viereck besitzt noch drei von einst vier mächtigen runden Ecktürmen und einen Torturm in der Mitte der Ostseite. Im Norden und Osten umgeben bis zu 10 m tiefe und 20-25 m breite Gräben die Anlage, wobei der Grabenrand das Rund der Eckrondelle nachzeichnet, die im Osten als niedrige und breite Bastionen für Kanonen ausgebildet waren. Zur Saale hin waren die Türme schlanker und besaßen nur unten eine Schießkammer und oben Wohnräume. Früher waren sie von spitzen Helmen bedeckt. Die Osttürme hatten früher ein stumpferes Dach mit aufgesetzter Laterne. Ihren Namen trägt die Anlage nach St. Mauritius, dem Schutzpatron des Erzstifts Magdeburg. Kunsthistorisch kennzeichnet die Moritzburg den Übergang zwischen Spätgotik und Frührenaissance, zwischen Burg und Schloßfestung. Die Vorhangbogenfenster sind beispielsweise noch der Spätgotik verhaftet, die klare Konzeption der Anlage kündigt jedoch schon die Neuzeit an. Der Kastelltyp mit seinen Ecktürmen ist an sich mittelalterlich, die strenge Strukturierung und Ordnung der Gebäude neuzeitlich. Die einst früher vorhandene und auf alten Bildern dargestellte Reihung von Zwerchgiebeln ist ebenso ein neues Element wie Schweifgiebel und innen liegende Treppenhäuser. Die Moritzburg präsentiert sich heute als eigenartige Mischung aus historischer Bausubstanz, intakten und ruinösen Partien und modern nutzbar gemachten Abschnitten. Vor allem der abrupte Übergang zwischen oben ausgefransten Ruinenmauern und modernem oberen Abschluß der Gebäude frappiert den Besucher. So mischen sich eine beeindruckende Architektur einer spätgotischen Festung mit beklagenswerten Resten einer im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Residenz und moderner Flickschusterei.

Die Ostseite trägt in ihrer Mitte den Torturm mit sechseckigem Grundriß, der so gebaut ist, daß je eine Ecke zur Stadt und zum Innenhof hin zeigt. Die Ausstattung mit Vorhangbogenfenstern zeigt, daß er wohnlich ausgebaut war. Im untersten Geschoß befand sich eine Kapelle. Die Einfahrt selbst wurde im leichten Bogen gebaut, um direkten Durchschuß zu verhindern: Der äußere Eingang liegt unter der Spitze, der Gang tritt innen aber aus der nördlichen Seitenfläche aus. Über der Einfahrt ist die Standfigur der hl. Katharina angebracht. Früher bestand die Ostseite beiderseits des Turms aus Wehrgängen mit Schießscharten über zum Hof hin offenen Arkaden. Gegenüber im Westflügel lagen die herrschaftlichen Räume, südlich die Prunk- und Staatsgemächer der Erzbischofs, nördlich die privaten Wohnräume und seine Bibliothek. Das Treppenhaus, heute nur noch in Ansätzen vorhanden, ist ein frühes Beispiel für in den Baukörper integrierte Treppen. Im Nordflügel lagen neben der 1505-1509 errichteten Schloßkapelle westlich die Verwaltungsräume, die Kanzlei und das Archiv. Auf der Südseite befanden sich früher die Wirtschaftsgebäude, die Küche, die Stallungen, der Brunnen und die Wohnung des Burghauptmannes.

Bauherr der Anlage (der Name "Arx Sancti Mauritii" wird erstmals am 19.4.1504 verwendet) war Ernst von Wettin (Ernst von Sachsen, 1464-3.8.1513), Fürsterzbischof von Magdeburg. Die Macht des Erzbischofs über die Stadt Halle war begrenzt, denn die Stadt war selbständig und suchte als Fernhandelszentrum den Schulterschluß mit der Hanse, deren Mitglied sie war. Als 1478 ein Konflikt zwischen Handwerkern und Salzsiederpatriziat eine günstige Gelegenheit bot, ermunterte der Bischof die Innungen, sich mit ihm zu verbünden und seinen Truppen die Tore der Stadt zu öffnen. Ernst von Wettin nahm die Stadt militärisch ein und unterwarf das Patriziat. Damit endete sowohl die Selbständigkeit als auch die Zugehörigkeit zur Hanse. 1479 wurde eine Regimentsordnung erlassen und 1482 eine sogenannte Willkür; in beiden wurden die Rechte der Bürger beschnitten. Die Moritzburg wurde ab 1479 (Planungsbeginn) bzw. 1484 (Grundsteinlegung am 25.5. durch den Erzbischof persönlich) in der Nordwestecke der damaligen Stadt unter Einbeziehung der Stadtmauer als wehrhafter Regierungssitz errichtet, um von da aus die wieder Selbständigkeit ersehnenden Bürger, nun fürsterzbischöfliche Untertanen, unter Kontrolle zu halten. Das war ein Rechtsbruch, weil es einen urkundlichen Verzicht der Erzbischöfe auf ihr Burgenbaurecht innerhalb der Stadtgrenze von 1310 gibt. Militärisch gesehen war die Moritzburg nur symbolisch eine Zwingburg, weil die Bauten nicht für gegen die Stadt gerichtete Kanonen ausgelegt waren. Die Solgüter der Salzpfänner von Halle wurden eingezogen; durch sie finanzierte man den Bau der Anlage. 1503 wurde die Burg bezogen.

Die Burg wurde in der Folgezeit als Wohnschloß ausgebaut und entwickelte sich zur bevorzugten Residenz des Fürsterzbischofs und auch seines Nachfolgers, vor allem wegen der Spannungen mit der Stadt Magdeburg aufgrund der zeitweise strittigen Reichsunmittelbarkeit. Albrecht von Brandenburg stritt sich auch mit dem sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich wegen des Burggrafentums Magdeburg. Vor diesem Hintergrund ließ er die Außenbefestigungen überarbeiten, die Grabenmauern mit Futterwänden versehen und erste Außenbastionen errichten. Albrecht von Brandenburg wählte die Stadt Halle und die Moritzburg als bevorzugte Residenz. Seine Zuneigung zu der Stadt äußerte sich in bedeutenden baulichen Projekten. Die Moritzburg wurde ausgebaut, der Dom wurde ausgebaut, die Neue Residenz errichtet - Halle wurde unter seiner Herrschaft zu einer Residenzstadt der Frührenaissance gemacht, und große Kunstaufträge wie Bilderzyklen, Grabanlage etc. runden das Programm ab, das die Stadt eine Blütezeit erleben ließ. Doch 1541 war Schluß damit: Albrecht stand eben nicht nur für Humanismus und Wissenschaft, rege Bautätigkeit, prächtige Hofhaltung und Aufblühen der Künste - er war auch ein verhaßter Ämterkäufer, Pfründensammler, Geldpresser, Tetzel-Förderer, fanatischer Reliquiensammler und Luthers Feindbild: Das protestantische Halle vertrieb seinen Fürsterzbischof, der den Großteil seiner Kunstsammlung nach Mainz und Aschaffenburg mitnahm. Die Moritzburg war erst einmal ohne Hausherrn.

Der alte Hauptzugang in die Moritzburg lag im Norden. Das Tor war einst mit einer verlorengegangenen Statue des Heiligen Mauritius geschmückt, dessen Konsole noch existiert. Eine hölzerne Brücke führte über drei Steinpfeiler zum Tor. Wir sehen am Hauptportal heute noch Falze und den Anschlag der Zugbrücke. Der Zugang wurde wirkungsvoll durch mehrere Schießebenen verteidigt, die geschickt Maulscharten und Schießscharten, Fern- und Nahverteidigung kombinierten. Unter dem Nordtor lag außerdem noch ein unterirdischer Fluchtweg, der 1908 bei Bauarbeiten zur nördlichen Umgehungsstraße gefunden wurde. Erst 1616 wurde dieser nördliche Torzugang zugunsten des bisherigen Nebenportals im Osten aufgegeben, die Brücke über den Graben abgebrochen; und der kleine Eingang für Fußgänger wurde vermauert.

Über dem einstigen Tor befindet sich eine stark beschädigte Galerie von insgesamt fünf Wappen des Bauherrn der Moritzburg, Ernst von Wettin. Das mittlere Wappen, dessen Schild von zwei Engeln gehalten wird, ist ein geistliches, die vier anderen zeigen Inhalte des damaligen wettinischen Wappens. Die Qualität der Engel, der Faltenwurf ihrer Gewänder und die Ausarbeitung der Flügel deuten an, wie schön diese spätgotische Galerie einmal ausgesehen haben muß, ehe der Zahn der Zerstörung an ihr genagt hat.

In der Mitte sollte bei dem stark beschädigten Wappen von Ernst von Wettin (Ernst von Sachsen) eigentlich zu sehen sein: Geviert, Feld 1 und 4: rot-silbern geteilt für das Erzstift Magdeburg, Feld 2 und 3: silbern-rot gespalten für das Hochstift Halberstadt, Helm 1 (rechts): zu rot-silbernen Decken ein roter Spitzhut mit aufgeschlagener Hermelin-Krempe, oben besetzt mit einem goldenen, mit Pfauenfedern besteckten Knopf; beiderseits stecken in der Krempe je ein rot-silbern geteiltes Fähnchen an goldener Stange (Erzstift Magdeburg), Helm 2 (links): zu rot-silbernen Decken ein Spitzhut in den Farben des Schildes, oben mit einem Pfauenfederbusch besteckt, beiderseits ein Fähnchen (Hochstift Halberstadt). Der aus Magdeburg und Halberstadt gevierte Schild wird auch im sächsischen Stammbuch für Erzbischof Ernst von Sachsen angegeben, wobei die Farben für Magdeburg allerdings vertauscht sind, silbern oben und rot unten. Von beiden Kleinoden erkennt man noch die Krempe und den Ansatz der beiden Fähnchen. Es ist einer der wenigen Fälle, in denen die Halberstädter Helmzier auch wirklich gezeigt wird.

Die anderen vier Wappen sind die Basis-Bestandteile früher wettinischer Wappen, wie sie auch im sächsischen Stammbuch in Form allererster Viererkombinationen vereint sind und u. a. auch für Erzbischof Ernst von Sachsen angegeben wird. Optisch ganz links: Pfalzgrafschaft Sachsen, in Blau ein golden gekrönter goldener Adler, auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein gekrönter goldener Adler. Der untere Teil des Adlers ist noch erhalten. Optisch Mitte links: Herzogtum Sachsen, von Schwarz und Gold neunmal geteilt, darüber ein grüner schrägrechter Rautenkranz, auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein gekrönter Spitzhut, von Schwarz und Gold neunmal geteilt, darüber ein grüner schrägrechter Rautenkranz, in der Hutkrone ein natürlicher Pfauenstoß. Dieses Kleinod ist als einziges in voller Höhe erhalten.

Optisch Mitte rechts: Landgrafschaft Thüringen, in Blau ein golden gekrönter und bewehrter Löwe, von Silber und Rot achtmal geteilt, auf dem gekrönten Helm zu rot-silbernen Decken zwei silberne Büffelhörner, die mit je fünf goldenen Lindenzweigen besteckt sind, der jeweils fünfte in der Hornmündung. Ein Büffelhorn ist noch zu erkennen, ansatzweise auch die Kleestengel auf dieser Seite. Optisch ganz rechts: Markgrafschaft Meißen, in Gold ein schwarzer Löwe, rot bewehrt, doppelschwänzig, auf dem Helm mit schwarz-goldenen (im sächsischen Stammbuch rot-silbernen) Decken ein rot-silbern gestreifter Mannesrumpf mit bärtigem Haupte und mit rot-silbern gestreifter Mütze (Judenmütze, Heidenmütze), an der eine natürliche Pfauenquaste hängt. Hier ist nur noch der wenig aussagekräftige Ansatz der Figur erhalten. Die Rangfolge, wie sie als Reihenfolge auch in den gevierten Schilden der frühen Wettiner eingehalten wird, ist 1.) Herzogtum Sachsen, 2.) Landgrafschaft Thüringen, 3.) Pfalzgrafschaft Sachsen und 4.) Markgrafschaft Meißen, und genauso stehen sie hier von optisch links nach rechts 3 - 1 - Stifte - 2 - 4.

Der heutige Hauptzugang zur Moritzburg liegt im Osten der Anlage. Etwas neben dem eigentlichen Haupttor, das durch den in stumpfem Winkel spitz zur Feldseite zulaufenden Torturm führt, befindet sich linkerhand eine kleine separate Fußgängerpforte, und darüber ist diese ca. 75 cm hohe und ca. 90 cm breite Wappentafel in ca. 6 m Höhe eingelassen. Das rechteckig gerahmte und auf einem kleinen Schriftband auf das Jahr 1517 datierte Wappen wird heraldisch rechts von einem Löwen und links von einem Greifen gehalten, beide blicken einwärts zum Schild hin. Oberhalb des Wappens ragen in der Mitte und schrägrechts je ein Vortragekreuz für die beiden Erzstifte, schräglinks ein Krummstab für das dritte Bistum heraus. Der freie Raum oberhalb des Schildes wird von einem mehrfach sich überschlagenden Schriftband mit der Devise "SOLI DEO (G)LORIA" - allein Gott ist der Ruhm - ausgefüllt.

Auf dem Schild ist das Wappen des Fürsterzbischofs Albrecht von Brandenburg dargestellt, in der frühen, kleinen Form mit vier weltlichen und drei geistlichen Inhalten. Er ließ den östlichen Torturm erbauen. Der Hauptschild ist geviert, Feld 1: in Silber ein roter Adler für die Markgrafschaft Brandenburg, Feld 2: in Silber ein roter Greif für das Herzogtum Pommern, Feld 3: innerhalb eines silbern-rot gestückten Bordes in Gold einwärts ein schwarzer, doppelschwänziger Löwe für die Burggrafschaft Nürnberg, Feld 4: silbern-schwarz geviert, das Stammwappen der Hohenzollern. Die drei (2:1) gestellten Herzschildchen repräsentieren seine kirchlichen Würden, Herzschild 1: rot-silbern geteilt für das Erzstift Magdeburg, Herzschild 2: in Rot ein silbernes, sechsspeichiges Rad für das Erzstift Mainz, Herzschild 3: silbern-rot gespalten für das Hochstift Halberstadt. Magdeburg steht hier an erster Stelle, was nicht dem Rang der drei Schilde im Reich entspricht, das ist der Stadt Halle geschuldet, die sich immerhin auf dem Territorium des Erzstifts Magdeburg befand, das Albrecht von Brandenburg 1513-1545 leitete. Albrecht von Brandenburg wurde 1509 Domherr zu Mainz, 1513 Bischof von Halberstadt und Erzbischof von Magdeburg und schließlich am 9.3.1514 Erzbischof von Mainz, dann am 1.8.1518 Kardinal der Heiligen Kirche von Tit. S. Pietro in Vincoli.

Dieses Wappen taucht in erweiterter Form noch einmal in der Moritzburg auf, nämlich in der von ihm neu geweihten Burgkapelle (ohne Abb.); dort ist der Hauptschild aber zweimal gespalten und zweimal geteilt und trägt mehr Inhalte, außerdem hat das auf den 22.7.1514 datierte Wappen an der Nordwand der Kapelle drei Helme. Dort dienen der hl. Mauritius und der hl. Martin als Schildhalter, und die Schrifttafel auf dem Sockel wird von dem hl. Stephanus und der hl. Maria Magdalena flankiert. Die Reliefnische, eine Arbeit des Bildhauers Peter Schro aus Mainz, wird nach vorne durch einen bogenförmigen Maßwerkvorhang verziert. Die Inschrift lautet: "OPT(IM)O MAX(IM)O AC DIVE MAGDALEN(A)E TVTELARI ALBERTVS CVIVS H(A)EC SIGNA DIGNITATE(M) GENVSQVE DECLARA(N)T HA(N)C (A)EDEM IPSE DEDICAVIT AN(NO) CHRI(STI) MDXIIII KAL(ENDAS) AVG(VSTI) XI" - dem besten und höchsten (Gott) und der Schutzpatronin (Maria) Magdalena hat Albertus (= Albrecht), von dem diese Wappen die Würde und Abstammung belegen, mit eigener Hand diesen Tempel geweiht elf Tage vor den Kalenden des Augusts im Jahre Christi 1514.

Weitere dieser Wappen sind an der Burg Giebichenstein zu finden: An der Unterburg im Inneren des Westflügels ist über einem ehemaligen Portal eine undatierte Wappentafel eingemauert, die den gevierten Schild mit drei Herzschildchen zeigt, wie hier am Tor, allerdings aufwendiger gefaßt. Eine zweite, auf das Jahr 1526 datierte Tafel mit gleichermaßen aufgebautem Schild ist am östlichen Ende der Nordseite des Südflügels eingemauert. Und noch zwei weitere Male können wir dieses Wappen im Dom sehen, einmal über dem westlichen Portal an der Nordseite und einmal über dem mittleren Portal an der Nordseite. Beide sind auch in der komplexen Form ausgeführt worden mit zweimal gespaltenem und zweimal geteiltem Hauptschild und mit drei Herzschildchen, ersteres datiert auf den 23.8.1523, letzteres datiert auf den 24.8.1523. Ein weiteres Mal war dieses Wappen am einstigen "Ballhaus" (früher wohl der Marstall) gegenüber dem Osttor der Moritzburg angebracht; diese Tafel ging aber verloren, als das Gebäude 1820 abgebrochen wurde. Noch mehr Wappen von Albrecht von Brandenburg findet man in Aschaffenburg und Mainz (siehe jeweils dort).

 

Einen weiteren Wappenstein finden wir in großer Höhe (ca. 10 m) über einem doppelten Vorhangbogenfenster an der Nordwestseite des Torturms, vom nördlichen Innenhof aus gut zu sehen. Die Wappentafel ist stark von Verwitterung und Beschädigung in Mitleidenschaft gezogen worden, so daß die Inhalte nur noch schwer zu erkennen sind. Auffällig ist die Form des Schildes, der sich völlig der Geometrie des Beschlagwerks unterordnet und dadurch eine quadratische, oben und unten im mittleren Drittel halbrund ausgebauchte Form annimmt. Auch der Herzschild wird durch die geometrischen Vorgaben beeinflußt und nimmt Vierpaßform an. Als Schildhalter sind rechts ein Löwe und links ein Greif zu erkennen. Beide werden umgriffen von weit ausladenden Bögen bzw. Spangen der ornamentalen Fassung. Die rechts der Mitte vertikal gebrochene Inschriftentafel im unteren Bereich des Wappensteines trägt den Wortlaut: "VON GODT(E)S G(NADEN) IOHAN(NE)S ALBR(ECHT) ERTZBIS(CHOF) ZV MAG(DEBVRG) Z?(VND?) MAR(KGRAF) ZV BRAN(DENBVRG) OBYT ANNO MDL" - Johannes Albrecht von Gottes Gnaden Erzbischof von Magdeburg und Markgraf von Brandenburg starb im Jahre 1550. Diese Inschrift wird gerahmt von Beschlag- und Rollwerk.

Johann Albrecht von Brandenburg-Ansbach (20.9.1499-17.5.1550) war ein Stiefcousin von Kardinal Albrecht von Brandenburg und folgte diesem im Amt des Fürsterzbischofs von Magdeburg nach, regierte das geistliche Fürstentum aber nur 5 Jahre lang von 1545 bis 1550. Wie sein Vorgänger war er ebenfalls Administrator des Bistums Halberstadt, aber damit war Schluß; der Bischofssitz von Mainz war statt dessen an Sebastian von Heusenstamm gegangen. Interessant ist hier die Tatsache, daß die Inschrift zugleich ein Sterbevermerk ist. Möglicherweise wurde die Tafel noch zu Lebzeiten in Auftrag gegeben, war aber bei seinem Tod noch nicht fertiggestellt, so daß sie mit aktualisiertem Inhalt eingebaut wurde.

Johann Albrecht wurde 1511 Domherr zu Mainz, außerdem war er noch Kanoniker am Stift St. Gereon in Köln und 1511-1515 Domherr zu Köln. 1515-1526 war er Dechant des Stiftes St. Gereon in Köln. Weitere Pfründen lagen in Süddeutschland: 1520-1521 war er Domherr zu Augsburg, außerdem war er Domherr in Bamberg und 1521-1522 Kanoniker an St. Victor bei Mainz. Die Weichen stellten sich auf Erfolg, als er 1521 Coadjutor von Halberstadt und 1523 Coadjutor von Magdeburg wurde, aber er mußte noch 22 Jahre warten, bis er selbst den erzbischöflichen Stuhl besteigen konnte. In der Zwischenzeit stieg er an seinen anderen Pfründen auf: 1529-1530 war er Dompropst zu Mainz, 1531-1543 Propst des Stifts St. Victor bei Mainz. 1532 wurde er Domherr in Würzburg und wieder einmal in Köln. 1536 wurde er erzbischöflicher Statthalter zu Aschaffenburg, 1538-1550 Domkustos und Propst zu St. Johannes Baptista in Mainz. Schließlich wurde er 1545 Erzbischof von Magdeburg und Administrator von Halberstadt. Diese Ämter konnte er aber nur noch 6 Jahre lang genießen.

Die Verwandtschaft zu seinem Amtsvorgänger ergibt sich wie folgt: Seine Eltern waren Friedrich Markgraf von Brandenburg-Ansbach (8.5.1460-4.4.1536) und Sofia von Polen (6.5.1464-5.10.1512). Seine Großeltern väterlicherseits waren Albrecht Kurfürst von Brandenburg (24.11.1414-11.3.1486) und Anna von Sachsen (7.3.1437-31.10.1512, zweite Ehefrau). Die Eltern des Amtsvorgängers waren Johann Kurfürst von Brandenburg (2.8.1455-9.1.1499) und Margaretha von Thüringen (1449-13.7.1501), und die Großeltern väterlicherseits waren Albrecht Kurfürst von Brandenburg (24.11.1414-11.3.1486) und Margarethe von Baden (1431-24.10.1457, erste Ehefrau).

Der Schild ist zweimal gespalten und zweimal geteilt mit einem angesetzten Schildfuß, der wie ein eigenständiges Schildchen geformt ist: Feld 1: Burggrafschaft Nürnberg, innerhalb eines silbern-rot gestückten Bordes in Gold ein schwarzer doppelschwänziger Löwe, rot gekrönt und bewehrt, hier einwärts gewendet, Feld 2: Markgrafschaft Brandenburg, in Silber ein roter Adler, auf den Saxen belegt mit goldenen sog. Kleestengeln, golden bewehrt, Feld 3: Herzogtum Stettin, in Blau ein roter Greif, gekrönt, Feld 4: Herzogtum Pommern, in Silber ein roter, golden bewehrter Greif, Feld 6: Herzogtum Wenden, in Silber ein von Rot und Grün sechsmal schräglinksgeteilter Greif, Feld 7: Herzogtum Kassuben (Cassuben, Kaschubei), in Gold ein schwarzer Greif, Feld 8: Stammwappen Hohenzollern, silbern-schwarz geviert, Feld 9: Fürstentum Rügen, golden-blau geteilt, oben ein wachsender schwarzer Löwe, rot gekrönt und ebenso bewehrt, unten ein aus roten Steinen gemauerter Stufengiebel, Schildfuß: Regalienfeld, ledig und rot. Herzschild gespalten, rechts rot-silbern geteilt für das Erzstift Magdeburg, links silbern-rot gespalten für das Hochstift Halberstadt. Fast genauso führte auch der 1552 berufene Erzbischof Sigismund von Brandenburg seinen Wappenschild (vgl. Siebmacher I, 5, 1, Taf. 171). Die drei Helme des Wappens sind bis zur Unkenntlichkeit verwittert. Lediglich beim mittleren Helm kann man aufgrund des rudimentär vorhandenen hohen Hutes davon ausgehen, daß es sich hier um das Kleinod des Erzstifts Magdeburg gehandelt hat. Darüber befand sich noch ein Gesims, das von zwei lagernden Frauenfiguren (Allegorien? Engel?) beseitet war und oben einen Rollwerkauszug besaß, alles stark in Mitleidenschaft gezogen.

Johann Albrecht von Brandenburg war der letzte katholische Erzbischof. Er versuchte, die Reformation aufzuhalten: Wiederherstellung der aufgelösten Klöster, Wiederaufnahme des katholischen Gottesdienstes im Dom von Halle, Reformen in seinem Bistum - doch vergeblich. Im Schmalkaldischen Krieg wurde er abgesetzt. Im Schmalkaldischen Krieg verlor die protestantische Seite: Kaisertreue Truppen besetzten die Moritzburg. Während der Kaiser nach gewonnener Schlacht bei Mühlburg in der Neuen Residenz von Halle weilte, besetzte sein Bluthund, Don Fernando Alvarez de Toledo y Pimentel, der 3. Herzog von Alba, die Moritzburg. Im Festsaal des Westflügels fand das "Judasmahl" statt, bei dem Landgraf Philipp von Hessen, der sich tags zuvor in der Neuen Residenz dem Kaiser unterworfen hatte, trotz Zusicherung freien Geleits nach einem geselligen Abendessen am 19.6.1547 verhaftet und eingekerkert. Doch die Reformation ließ sich nicht aufhalten: Nach Johann Albrecht von Brandenburg folgten protestantische Erzbischöfe, zuerst sein bisheriger Coadjutor.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Moritzburg 1625 von Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein ("Wallenstein") besetzt, der die erzstiftliche Bibliothek klaute und sie seinem Astrologen Pinnovio schenkte. Graf Wolf von Mansfeld-Bornstedt, kaiserlicher Statthalter im Erzstift, bezog danach die Burg. Dann wurde die Burg ab 1631 von schwedischen Truppen besetzt. Am 7.1.1637 brach während einer neuerlichen Belagerung durch schwedische Truppen ein Feuer in der besetzten Burg aus, von einem unkontrollierten Wachfeuer der Besatzung ausgehend, und zerstörte die Kapelle (Gewölbeeinsturz) und die oberen Stockwerke des West- und des Nordflügels. Daraufhin kapitulierte die kaiserliche Besatzung und zog ab. Sächsische Truppen wollten die nachfolgende schwedische Besatzung wiederum zum Abzug bewegen und sprengten deshalb am 19.3.1639 den südwestlichen Rundturm in die Luft - erfolgreich. Nach Abzug der Schweden zogen auch die Sachsen ab, erstens weil die Burg mittlerweile so stark zerstört war, zweitens, weil der neue Administrator, August von Sachsen-Weißenfels (13.8.1614-4.6.1680, administrierte 1638-1680), endlich Ruhe in seiner Stadt haben wollte und seine Verwandten um Abzug gebeten hatte. Mit den Schweden schloß er einen Neutralitätspakt. Die Ruine ließ man liegen, wie sie war, nur die Kapelle wurde notdürftig rekonstruiert, um sie für Gottesdienste nutzen zu können.

Als 1680 das Erzstift Magdeburg säkularisiert und dem Kurfürstentum Brandenburg als Herzogtum Magdeburg einverleibt wurde, ging der Besitz an der Moritzburg an das Kurfürstentum über, später an das Königreich Preußen. Die verbliebenen Gebäude wurden ab 1717 als Truppenstandort für das preußische Anhaltische Regiment genutzt, und in den Kriegen als Lazarett. 1750 erfolgte ein Neubau der steinernen Brücke auf der Ostseite. 1777 wurde auf den Grundmauern des alten Wehrgangs nördlich des Torturms der sogenannte Lazarettbau errichtet. Die Kapelle wurde zeitweise als Lager für Heu und Stroh verwendet.

Man hatte zeitweise die Idee, die Moritzburg von Karl Friedrich Schinkel komplett in klassizistischer Umdeutung wiederherstellen zu lassen und als Universitätsgebäude zu nutzen, angesichts der Kosten nie verwirklicht. 1897 gab Preußen den südlichen Teil der Anlage an die Stadt zur Errichtung eines Museums. Das Gewölbe der Kapelle rekonstruierte man 1894-1899, als die Maria-Magdalenen-Kapelle zur Universitätskirche umgebaut wurde. 1897 wurde der Nordflügel neben der Kapelle zur Turnhalle umgebaut. Bis um 1900 war die Moritzburg ansonsten eine dachlose Ruine. Mit Spenden wurden der Torturm, das Südostrondell, der südliche Wehrgang und das Talamt 1901-1913 historistisch wiederhergestellt und als Museum ausgebaut. Das Talamt ist aber ein frei dem Original nachempfundener Willkürbau, der nichts mit der ursprünglichen Bebauung zu tun hat, denn hier standen früher die vermutlich in Fachwerk ausgeführten Wirtschaftsbauten. Vielmehr rettete man hierhin zwei Prunkräume aus dem 1594-1607 erbauten und 1881 abgerissenen echten Talamt am Hallmarkt, also einer städtischen Institution, die nichts mit dem Erzbischof zu tun hatte. Diese beiden Räume sind original und wirklich sehenswert. Nach 1950 ging es weiter: Ein Restaurant, ein Kammertheater und ein Studentenclub nutzten fortan weitere Räumlichkeiten. Die größte Maßnahme zur neuen Nutzung war der 2003-2008 erfolgte Umbau des Nord- und West-Flügels durch die Architekten Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano, wobei die ruinösen Mauern mit einem völlig unpassenden, futuristischen Dach versehen und zu neuen Museumsräumen umgestaltet wurden, avantgardistisch und häßlich, wodurch die kaputten Mauern noch schadhafter wirken. Eine Chance echter Wiederherstellung wurde bei diesem Hybrid aus Ruine und Futurismus vertan.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Earth: https://www.google.de/maps/@51.4864033,11.9637068,18.53z - https://www.google.de/maps/@51.4865373,11.9634717,159m/data=!3m1!1e3
Stadt Halle:
http://www.halle.de/de/Kultur/Tourismus/Sehenswertes/Geschichte-entdecken/Moritzburg/
Die Moritzburg auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Moritzburg_(Halle)
Andreas Stahl: Die Moritzburg in Halle, Schnell & Steiner, Regensburg 2002, ISBN 3-7954-1480-6
Andreas Tacke: Kontinuität und Zäsur - Ernst von Wettin und Albrecht von Brandenburg, Wallstein Verlag, 2005
Ernst von Wettin:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_II._von_Sachsen
Berent Schwineköper: Ernst Herzog von Sachsen, in: Neue Deutsche Biographie Bd. 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 615-616 -
https://www.deutsche-biographie.de/gnd124528791.html#ndbcontent - http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016320/images/index.html?seite=629 - http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016320/images/index.html?seite=630
Karl Janicke: Ernst Erzbischof von Magdeburg, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 6, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 291-293 -
https://de.wikisource.org/wiki/ADB:Ernst_(Erzbischof_von_Magdeburg)
Kunstmuseum Moritzburg:
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Deutsche Inschriften 85, Halle/Saale, Nr. 156 (Franz Jäger), in:
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Erzstift Magdeburg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Erzstift_Magdeburg
Erzbistum Magdeburg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Erzbistum_Magdeburg
Liste der Erzbischöfe von Magdeburg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Erzbischöfe_und_Bischöfe_von_Magdeburg
Hochstift Halberstadt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hochstift_Halberstadt
Bistum Halberstadt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bistum_Halberstadt
Bischöfe von Halberstadt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Bischöfe_von_Halberstadt
Albrecht von Brandenburg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Albrecht_von_Brandenburg
Friedrich Wilhelm Schirrmacher: Albrecht Markgraf von Brandenburg, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 268-271 -
https://de.wikisource.org/wiki/ADB:Albrecht_(Markgraf_von_Brandenburg)
Heinrich Grimm: Albrecht von Brandenburg, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 166-167,
https://www.deutsche-biographie.de/gnd118647733.html#ndbcontent - http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016233/images/index.html?seite=184 -
http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016233/images/index.html?id=00016233&seite=185
Johann Albrecht von Brandenburg-Ansbach:
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Albrecht_von_Brandenburg-Ansbach-Kulmbach
Das sächsische Stammbuch:
http://digital.slub-dresden.de/ppn280736444/249 - und als pdf: http://digital.slub-dresden.de/fileadmin/data/280736444/280736444_tif/jpegs/280736444.pdf
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Baugeschichte:
http://www.stiftung-moritzburg.de/moritzburg/baugeschichte/

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