Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2484
Aschbach (zu Schlüsselfeld, Landkreis Bamberg, Oberfranken)

Pfarrhaus der evangelischen Kirchengemeinde St. Laurentius

Direkt gegenüber der evangelischen Pfarrkirche befindet sich das zugehörige Pfarrhaus, dessen Schaufassade aber zur Hauptstraße gerichtet ist (Hauptstraße 13). Der mit der Giebelseite zur Straße orientierte, auf hohem Sockel eingeschossige Satteldachbau besteht aus verputztem Fachwerk und ist etwa auf die gleiche Bauzeit wie die Pfarrkirche zu datieren. Zwischen den beiden Fenstern des Hauptgeschosses ist ein Wappenstein eingelassen, stilistisch sehr ähnlich dem an der Pfarrkirche, nur inhaltlich einfacher und ohne die Ahnenprobe, dafür ornamental reichhaltiger.

Das Wappen ist das der Freiherren von Pölnitz auf Aschbach, geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in rotem, mit goldenen Schindeln bestreuten Feld ein goldener Löwe einwärts, Feld 2 und 3: in Rot ein silbernes Ankerkreuz, gekrönter Herzschild: in Silber ein blauer Sparren (Stammwappen). Hier wird das Wappen ebenfalls ohne die drei dazugehörenden Helme wiedergegeben; auf dem Hauptschild ruht eine Krone.

 

Unter dem Wappen ist - genau wie an der Kirche und am Schloß - ein kaiserliches Gnadenzeichen zu sehen, das aus einem Tatzenkreuz mit Kugeln am Ende der Kreuzarme und jeweils zwei verschlungenen, spiegelbildlichen Buchstaben "C" in den Hauptwinkeln besteht, mit ebenfalls jeweils einer Kugel im oberen Kreuzungswinkel der beiden "C", und dessen rundes Medaillon einen Doppeladler mit Kaiserkrone oben zwischen den Häuptern zeigt, ganz oben die Kaiserkrone. Es handelt sich um das Ordenszeichen der reichsunmittelbaren Ritterschaft eines Ritterkantons, ein kaiserliches Gnadenzeichen für den Ritterhauptmann des Kantons der fränkischen Reichsritterschaft. Es gab diesen Orden offensichtlich in mehreren verschiedenen, individuell von einem Juwelier angefertigten Ausführungen. Marquard Karl Christoph Anton Freiherr von Pölnitz (-7.9.1742), der Erbauer von Kirche und Schulhaus, war 1727-1742 Ritterhauptmann des zum fränkischen Ritterkreis gehörenden Kantons Steigerwald, und deshalb führte er dieses Symbol. Er war in diesem Amt der Nachfolger von Philipp Dietrich von Schrottenberg.

Auf einem unlängst zur Versteigerung gebrachten Gemälde seines Verwandten Carl Anton von Pölnitz aus dem Jahr 1755 ist ein ähnliches Gnadenzeichen detaillierter und in Farbe zu sehen; das Ordenskreuz selbst ist schwarz und golden gesäumt, die Initialen "C" sind golden, und um den Doppeladler ist noch eine kreisförmige Devise gelegt des Wortlauts "Virtus et Fidei", und der Adler selbst ist noch mit dem Habsburger-Brustschild belegt und hält Schwert und Reichsapfel in den Fängen. Der Orden wird im Gemälde von seinem Besitzer an einem roten Band auf dem Brustharnisch getragen. Dieser Carl Anton von Pölnitz wurde 1750 Ritterhauptmann im Kanton Gebirg, als Nachfolger von Marquard Carl Ludwig von Guttenberg. Er selbst wurde 1779 von Johann Franz Schenk von Stauffenberg abgelöst. Dazu war Carl Anton von Pölnitz Ritterrat und Ritterhauptmannschaftsverweser im Kanton Steigerwald. Der bis 1806 bestehende Ritterkanton Gebürg gehörte wie der Kanton Steigerwald ebenfalls zum fränkischen Ritterkreis und umfaßte ungefähr die Fränkische Schweiz und das Fichtelgebirge, also ganz grob das Dreieck zwischen Bamberg, Bayreuth und Erlangen. Die anderen vier Kantone der fränkischen Reichsritterschaft waren Baunach, Odenwald, Altmühl und Rhön/Werra.

Analog zu diesem Gnadenzeichen für die fränkische Reichsritterschaft wurde 1793 von Kaiser Franz ein Orden der unmittelbaren Reichsritterschaft für die schwäbischen Ritterkantone eingeführt. Dieser Orden war ähnlich, aber nicht gleich: Das Ordenszeichen war ein goldenes, weiß emailliertes Kreuz; das aufgelegte Medaillon zeigte auf der Vorderseite den kaiserlichen Doppeladler mit dem allgemeinen Wappen der schwäbischen Reichsritterschaft; rückseitig auf dem Mittelschild das Wappen des jeweiligen Ritterkantons. Das Ordensband war schwarz mit doppelter goldener Einfassung.

Literatur, Links und Quellen:
Liste der Baudenkmäler: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Schlüsselfeld
Lokalisierung auf google maps:
https://www.google.de/maps/@49.7724023,10.5631754,18.99z - https://www.google.de/maps/@49.7724023,10.5631754,174m/data=!3m1!1e3
von Pölnitz:
https://de.wikipedia.org/wiki/Pölnitz
Kunstdenkmäler:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Schlüsselfeld#Aschbach
Carl Anton von Pölnitz:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/32/Portrait_Karl_Anton_von_Pölnitz_1755.jpg
Orden der schwäbischen Reichsritterschaft:
https://de.wikipedia.org/wiki/Orden_der_unmittelbaren_Reichsritterschaft
ein herzliches Dankeschön an Frhr. v. Recum für die Identifizierung des Ordens
Reichsritterschaft Gebürg:
http://www.reichsritterschaftsort-gebuerg.eu/
Reichsritterschaft Gebürg:
https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Reichsritterschaft,_Kanton_Gebirg
Reichsritterschaft Steigerwald:
https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Reichsritterschaft,_Kanton_Steigerwald
Fränkischer Ritterkreis:
https://de.wikipedia.org/wiki/Fränkischer_Ritterkreis
Ritterkanton Steigerwald:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ritterkanton_Steigerwald
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4, S. 174-176

Schloß Aschbach - ev. Pfarrkirche St. Laurentius

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