Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2471
Langenbrettach (Landkreis Heilbronn)

das Chanowsky-Schlößchen in Brettach

Das Chanowsky-Schlößchen in Brettach ist das architektonisch wertvollste Gebäude im Ort. Es entstand im ausgehenden 16 Jh. und ist im manierierten Stil der späten Renaissance ausgeführt. Ein repräsentativer Volutengiebel prägt die straßenseitige Ansicht des zweistöckigen Rechteckbaus. Die Gesimse, die Eckquaderung und die Fensterlaibungen der Zwillingsfenster täuschen auf den ersten Blick darüber hinweg, daß es sich um ausgemauertes Fachwerk mit einem Schaugiebel handelt.

Der Familienname des Bauherrn wird in der Literatur sehr unterschiedlich wiedergegeben: Chanowsky, Canoffsky, Canofski, Canoski, Canoffsgi, Conofsgy, Kanofsky, Kanoffski, Kanofski, Kanofzgi oder Kohafzi ist alles im Bereich des Möglichen. Stammsitz des Vladikengeschlechts ist Dlauhá Ves (Langendorf), einst Kreis Prachin, heute vier Kilometer südlich von Sušice gelegen und zum Okres Klatovy gehörig. Der gemeinsame Ahnherr aller Linien (Chanovský, Castolarský, Dlauhoveský, Krasylovský und Oselecký) war Ješko z Dlauhé Vsy, der im 12. Jh. lebte. Die hier relevante Linie begann mit Aleš von Langendorf (Johann Alexius von Langendorf, Sohn von Nicolaus Ladislaus Lhota von Langendorf) und wählte ihren Namen nach der Burg Chanovic (Chanowitz), die sie 1462 erbte. Aufgrund ihres protestantisch-lutheranischen Glaubens verließ die Familie Chanowský in den 1580er Jahren das böhmische Chanowitz und trat in die Dienste von reformierten deutschen Fürsten. Johann Kasimir von der Pfalz zu Simmern, selbst calvinistischen Bekenntnisses, nahm den um 1550 noch in Chanowitz geborenen Heinrich Chanowský am 15.1.1584 in Heidelberg als Hofjunker und Jäger auf. Er wurde Vertrauensperson von Pfalzgräfin Elisabeth und deren Nichte Christina von der Pfalz. Friedrich IV. von der Pfalz übernahm Heinrich Chanowský als Hofjunker und Jäger. Später wurde er markgräflich badischer Oberforst- und Jägermeister. Danach trat Heinrich Chanowský um 1593/1594 in die Dienste von Herzogs Friedrich I. von Württemberg und wurde von ihm zum Forstmeister des Neuenstädter Forstes gemacht. In Brettach ließ er sich 1594 seinen Herrensitz erbauen, der bis 1664 in der Familie blieb. Das Amt des Forstmeisters übte er bis 1609 aus. Er verstarb zwischen Sommer 1611 und Frühjahr 1612 in Brettach; von seinem Grabdenkmal in der Dorfkirche von Brettach hat sich nichts erhalten.

 

An der Fassade des Herrenhauses ist über dem Kellereingang ein großartiger Wappenstein im Stil des Manierismus angebracht. Er ist undatiert, dürfte aber um 1594-1595 entstanden sein. Eine querovale Kartusche umfaßt zwei Vollwappen der Ehepartner. Rollwerk umgibt die Kartusche, die oben in der Mitte mit einer Löwenmaske geschmückt ist. Seitlich sitzen zwei Putten auf den Schnecken und halten sich an der äußeren Lage der Zierformen fest.

Das Wappen der Chanowský von Langendorf, hier heraldisch rechts zu sehen, zeigt in Blau einen silbernen Mühlstein, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken der silberne Mühlstein, oben fächerförmig mit drei aufrechten blauen Pfeilen besteckt. Es wird im Siebmacher unter der Schreibweise "Chanovsky" geführt (Band: Bö Seite: 3 Tafel: 3) und unter "Kanofsky" (Band: WüA Seite: 194 Tafel: 104). Dort werden die Wandlungen beschrieben, die dieses Wappen durchmachte: Das Schildbild war anfangs ein Mühlstein und wurde im 18. Jh. als Rundschild interpretiert. Übrigens hat die tschechische Gemeinde Chanovice als Wappen in Blau einen silbernen, schräggestellten, in der Mitte spitzen Rundschild über einem grünem Bogenschildfuß; das Wappen ist abgeleitet von der alternativen Interpretation des Wappenbildes der Chanowský von Langendorf.

Die Helmzier der Chanowský von Langendorf war zunächst ein wachsendes goldenes und rot gezäumtes Pferd zu blau-silbernen Decken, das dann gegen den Mühlstein ausgetauscht wurde (was auch bei anderen Linien der Familien so geführt wurde, s. u.), der dann noch mit den drei Pfeilen ergänzt wurde. Diese Änderung soll sich auf seine drei Söhne beziehen und wird mit Psalm 127/3-5 in Verbindung gebracht: "Siehe, ein Erbteil vom Herrn sind Söhne, ein Lohn ist die Frucht des Leibes. Wie Pfeile in der Hand eines Kriegers, so sind Söhne aus den Jahren der Jugend. Selig der Mann, der mit ihnen den Köcher gefüllt hat! Sie werden nicht zuschanden, wenn sie mit ihren Feinden rechten im Tor."

Im Alberti wird das Wappen auf S. 110 behandelt und in der Variante mit den Pfeilen abgebildet; Tinkturen werden nicht angegeben. Im Rietstap wird das Wappen unter dem Namen "Chanovski Dlauhevski de Langendorf" geführt und zeigt den Rundschild, "D'azur à un bouclier circulaire de bronze le nombril à dextre. Casque couronné. Cimier un cheval issant d'or. Lambrequin d'argent et d'azur".

Alle Linien der Familie hatten dieses Motiv des Mühlsteines, aber die einzelnen Linien unterschieden sich durch die Farben. Die Nachkommen von Castolar von Langendorf, Herrn auf Bilenic, die sich seit 1515 "Castolarský" nannten und Ende des 17. Jh. ausstarben, hatten als Feldfarbe Rot anstelle von Blau, ebenso bei den Helmdecken. Als Helmzier führten sie den Mühlstein. Ebenso führten die 1378 unter diesem Namen auftretenden, von Bohuslav von Langendorf, Herr auf Krasylov, begründeten und 1670 erloschenen Krasylovský von Langendorf den Mühlstein in Rot. Als Helmzier hatten sie den Mühlstein, aber ringsum von Pfauenfedern umgeben (bzw. einem Pfauenwedel aufgelegt). Die am 12.4.1829 in den österreichischen Freiherrenstand erhoben Dlauhoveský von Langendorf, die die Güter Nemcic und Krasylov besaßen, hatten wie die Chanowský Blau als Farbe, ebenso die von Johann von Langendorf, 1410 Herr auf Oselec, begründeten und 1578 mit Peter Oselecký von Langendorf erloschenen Oselecký von Langendorf auf Oselec.

Das Wappen seiner Ehefrau, Johanna Rappin (Raphi), zeigt einen oberhalben gekrönten Löwen, auf dem Helm ein gekrönter Löwe mit Schweif wachsend (ohne Literaturbeleg, Tinkturen unbekannt, Hinweise willkommen). Über den beiden Wappen sind die Buchstaben GIMH eingeritzt, was für "Gott ist meine Hilfe" stehen könnte.

Überblick über die Genealogie:

Von den Nachkommen des Bauherrn wurde Friedrich Ludwig Chanowský während des Dreißigjährigen Krieges 1633 sowie 1638-1644 als Kommandant der Stadt Freiburg bekannt. 1633 wurde er mit der Herrschaft Baisingen und dem gesamten Grundbesitz der Familie von Sturmfeder belehnt, konnte sich aber aufgrund der Zeitumstände nur kurze Zeit daran erfreuen. Von den Schweden, auf deren Seite er sich engagierte, bekam er die oberschwäbischen Orte Rißtissen, Wilflingen und die Stadt Ehingen, ehemals stauffenbergisches und vorderösterreichisches, vor allem aber katholisches Gebiet. Als die Schweden die Schlacht bei Nördlingen verloren hatten, war er diesen Besitz wieder los und mußte nach Straßburg ins Exil gehen. Dieser Familienteil, der über vier Generationen in Deutschland gelebt hatte, erlosch 1678 im Mannesstamm und gänzlich 1743. In Böhmen bestand die Familie länger. Wenzel Josef Chanowsky von Langendorf hatte zwar das namengebende Gut Chanovice 1717 an Ferdinand Joachim von Rummerskirch verkauft, den Hauptmann des Prachiner Kreises. Das gesamte Geschlecht erlosch aber erst 1877 mit Franz Chanowský von Langendorf auf Nemcic und Krasylov.

Das Chanowsky-Schlößchen kam 1664 durch Verkauf an Herzog Friedrich von Württemberg-Neustadt. Im 18. Jh. wurde das Anwesen in bürgerlichem Besitz veräußert und geteilt. Aufgrund der unterschiedlichen Behandlung beider Teile durch die neuen Besitzer ging das einheitliche Äußere verloren. Im rückwärtigen Teil ging durch Umbauten das originale Aussehen in den 1970er Jahren weitgehend verloren, während in der selben Zeit der südliche Teil mit dem schönen Spätrenaissance-Giebel renoviert wurde. Zum Zeitpunkt der Photos (2013) war das Schloß insgesamt stark vernachlässigt und heruntergekommen. Seitdem hat sich viel getan: Die Gemeinde hat das Schloß zur Gänze erworben, ab 2013 vorbildlich saniert und hat seit 2015 die Gemeindeverwaltung vom direkt daneben stehenden Rathaus in das historische Gebäude verlegt (Einweihung am 9.10.2015). Der Gewölbekeller mit eigener Quelle, dessen Zugang unter dem Wappenstein liegt, wird umgebaut zu einem Veranstaltungsort für Kleinkunst oder Konzerte.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf google maps: https://www.google.de/maps/@49.2255117,9.3814837,18.96z - https://www.google.de/maps/@49.2255117,9.3814837,159m/data=!3m1!1e3
Chanowsky-Schlößchen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Chanowskysches_Schlösschen
Heinrich Chanowsky:
https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Chanowsky
Karl Hugo Popp, Hans Riexinger: Die pfälzisch-württembergische Linie der Familie Chanowsky von Langendorf, Teil 1, in: Jahrbuch für schwäbisch-fränkische Geschichte, Bd. 32, jhrsg. vom Historischen Verein Heilbronn, Heilbronn 1992
Chanowsky-Schlößchen:
https://www.langenbrettach.de/index.php?id=131
Sohn:
https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Ludwig_Kanoffski_von_Langendorf
Sohn:
http://www.30jaehrigerkrieg.de/chanovsky-chanowsky-canoffsky-canofski-canoski-canoffsgi-conofsgy-kanofsky-kanofski-kanofzgi-kohafzi-von-langendorf-friedrich-ludwig/
Julius Kindler von Knobloch, Oberbadisches Geschlechterbuch, hrsg. von der Badischen Historischen Kommission, Bd. 2: He - Lysser, Heidelberg, 1905 -
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kindlervonknobloch1898bd2/0242/image
Chanovice:
https://de.wikipedia.org/wiki/Chanovice
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 286

das Gasthaus zum Lamm in Brettach

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