Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2466
Groß-Umstadt (Landkreis Darmstadt-Dieburg)

das Wambolt-Schloß

Das Wamboltsche Schloß, eine typische Stadtresidenz des 17. Jh., ist einer von einst sieben Adelssitzen in der Stadt und liegt am Westrand der mittelalterlichen Altstadt zwischen dem ehemaligen Curti-Schloß im Norden und dem Pfälzer Schloß im Süden, zwischen Curtigasse und Pfälzer Gasse. Es ist eine Dreiflügelanlage im Stil der Renaissance, dessen zwei Längsflügel einen nach Osten offenen kleinen Hof zwischen sich einschließen. Der massive, zweigeschossige Putzbau mit Eckquaderung und 1-, 2- oder 3-teiligen, mit Falz und Kehle profilierten Fenstern steht auf einem hohen Natursteinsockel. Vier reich verzierte Volutengiebel aus rotem Odenwald-Sandstein bilden die jeweils östlichen und westlichen Abschlüsse. Die beiden Hauptflügel sind ungleich; der nördliche Flügel ist ein bißchen kürzer, dafür aber erheblich breiter als der südliche. Das Anwesen wird im Osten und Süden von altem und hohem Baumbestand umgeben; dieser Park war bis zum Verkauf von der Stadt gepachtet.

Der Adelssitz gehörte zunächst der 1830 im Mannesstamm erloschenen Familie von Heddersdorf und wird 1036 erstmals urkundlich erwähnt. 1430 ging das Eigentum an dem Adelssitz infolge der Heirat von Hans Wambolt mit Johanna von Heddersdorf an die Wambolt vom Umstadt, die ihn zu ihrem Stammsitz machten. Bis dahin besaßen die Wambolt den Alten Wamboltschen Hof als Stammsitz, der wiederum 1570 an die von Heddersdorf ging und seitdem Heddersdorfer Hof heißt. Ob das evtl. ein zusammenhängender, aber zeitlich verzögerter "Tausch" der Anwesen war, kann nicht mehr geklärt werden.

Das Grundstück wurde 1561-1575 durch Ankauf von Häusern an der Ostseite vergrößert; darunter befand sich auch das 1609 erbaute sogenannte Jägerhaus aus Fachwerk.  Von 1600 bis 1602 wurde der Nordflügel des Schlosses an den Treppenturm des alten, vermutlich noch aus staufischer Zeit stammenden Burgsitzes gesetzt. Die Renaissance-Schaugiebel des Nordflügels mit Volutenhörnern, Pilastern, seitlichen Beschlagwerkzwickeln, Obelisken und Lisenen mit vertieften Spiegeln wurden vom selben Steinmetz gearbeitet wie die des etwa zeitgleichen Groß-Umstadter Rathauses (1600 abgebrochen, bis 1605 neugebaut); beide Bauten sind stilistisch voneinander abhängig, wobei das Wambolt-Schloß ein klein wenig früher als das Rathaus fertig wurde. Ganz oben im Giebel steht über dem Flugloch mit Fischblasenmaßwerk die Datierung "1602" auf der Ostseite. Auffällig sind im Erdgeschoß die drei bauzeitlichen schmiedeeisernen Korbgitter mit spiraligen und gedrehten Stäben vor den Fenstern. Im Innern befinden sich noch insgesamt fünf Stuckdecken aus der späten Renaissance mit streng geometrischen Motiven und Beschlagwerk.

Auf der Hofseite des Nordflügels befindet sich der durch eine Treppe zu erreichende Haupteingang mit einem Segmentbogenportal mit abgesetztem Oberlicht. Der auf das Jahr 1600 datierte Türsturz trägt das Allianzwappen von Philipp III. Wambolt von Umstadt (21.5.1545-29.12.1620) und Anna Margaretha Knebel von Katzenelnbogen. Er war der Sohn von Wolfgang Wambolt von Umstadt (1513-1578) und Anna von Gemmingen (1522-1558) und wurde kurpfälzischer Groß-Hofmeister und Geheimer Rat sowie Statthalter zu Amberg. Seine Frau war die Tochter des kurpfälzischen Hofgerichtsrats Dietrich (Dieter) Knebel von Katzenelnbogen (-1611) und Margareta von Waldmannshausen. Übrigens war der Mainzer Fürsterzbischof und Kurfürst Anselm Casimir Wambolt von Umstadt ein Neffe des Bauherrn Philipp III. Wambolt von Umstadt

Das Wappen der Wambolt vom Umstadt ist geteilt, oben in Schwarz drei silberne Spitzen, unten in Schwarz zwei silberne Spitzen. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu silbern-schwarzen Decken ein wachsender, silberner, rotgezungter Brackenrumpf mit goldenem Stachelhalsband und schwarzem Ohr (Münchener Kalender 1919, Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 25 Seite 89, 116, 135, Siebmachers Wappenwerk, Band: Bad Seite: 25 Tafel: 17, Band: He Seite: 29 Tafel: 33, Band: BraA Seite: 102 Tafel: 62).

Das Wappen der Knebel von Katzenelnbogen zeigt in Silber ein rotes Schildchen, oben rechts begleitet von einem schwarzen Ring. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu ein rotes rechtes und ein silbernes linkes Eselsohr (Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 27 Seite 123, Siebmachers Wappenwerk Band: Bad Seite: 58 Tafel: 35, Band: NaA Seite: 18 Tafel: 25).

Um 1681 folgte der Südflügel anstelle des alten Burgsitzes; Bauherr war der Obrist Friedrich von Wambolt, der Enkel von Philipp Wambolt von Umstadt (-1620) und Anna Margaretha Knebel von Katzenellenbogen. Der alte Treppenturm wurde in den Verbindungsflügel integriert. Ursprünglich besaß der Südflügel ebenfalls einen Treppenturm. Tief unter den heutigen Bauten befinden sich noch die Kellergewölbe des alten Burgsitzes. Auch der Südflügel besitzt zwei Schaugiebel, wobei seine Schmuckformen im Vergleich zum Nordflügel stark vereinfacht sind; die Volutenbegrenzung ist hier ohne Beschlagwerk ausgeführt. Auch die Gesimse, Obelisken und das Flugloch , die den entsprechenden Elementen des Nordflügels gleichen, sind in vereinfachter Form ausgeführt worden.

Am Südflügel befindet sich ein großer Wappenstein mit insgesamt drei Komponenten, darunter noch ein sekundär eingemauertes Element mit zwei Komponenten. Dieser untere Sturz trägt die gleichen Wappenschilde, die auch am Nordflügel zu sehen waren, nämlich Wambolt vom Umstadt und Knebel von Katzenelnbogen.

Die dreiteilige Wappenkomposition besitzt in der Mitte den Schild für die Wambolt vom Umstadt wie beschrieben. Heraldisch links befindet sich das Wappen der von Hoheneck; es zeigt in Rot einen silbernen Pfahl, beiderseits begleitet von fünf aufrechten goldenen Schindeln. Das nicht dargestellte Kleinod wäre zu rot-silbernen Decken ein wachsender, roter, mit einem silbernen, von aufrechten goldenen Schindeln begleiteten Pfahl belegter Brackenrumpf (Aschaffenburger Wappenbuch, Tafel 9 Seite 79, 128, Siebmacher Band: SchwA Seite: 15 Tafel: 9).

Heraldisch rechts befindet sich ein weiterer Schild, auf dem nur ein Leistenschragen zu erkennen ist. In der Literatur wird das den von Schönborn zugeordnet, wobei man sich auf die beiden Ehen des Bauherrn stützt. Reichsfreiherr Heinrich Friedrich Wambolt vom Umstadt (18.7.1628-14.12.1688), Sohn von Friedrich Wambolt von Umstadt (-1649) und Maria Jacobea von Metzsch, hatte in erster Ehe am 12.1.1654 Maria Ursula von Schönborn (27.9.1636-25.3.1677) geheiratet, die Tochter von Philipp Erwein von Schönborn und Maria Ursula von Greiffenclau zu Vollrads. Heinrich Friedrich Wambolt vom Umstadt wuchs evangelisch auf und wechselte später zur katholischen Konfession. Er war kurmainzischer Rat und Oberamtmann zu Dieburg. Den Reichsfreiherrenstand bekam er am 3. 5. 1664 zu Regensburg. Aus der ersten Ehe entsproß eine Tochter, Anna Helene Wambolt von Umstadt, die am 10.5.1677 in Worms Johann Philipp Ernst Groschlag von Dieburg heiratete.

Danach hat Heinrich Friedrich Wambolt vom Umstadt in zweiter Ehe am 24.4.1678 Eva Maria von Hoheneck (22.5.1655-) geheiratet, die Tochter von Johann Reinhard von Hoheneck und Martha Helena von und zu Eltz. Aus dieser Ehe entsprossen drei Kinder: 1.) Helena Catharina Wambolt von Umstadt hat am 22.9.1699 Karl Anton Ernst Damian Heinrich von und zu Eltz-Kempenich geheiratet. 2.) Reichsfreiherr Franz Philipp Caspar Wambolt von Umstadt hat am 26.6.1719 in Koblenz Maria Charlotte von Kesselstatt geheiratet. 3.) Maria Anna Wambolt von Umstadt hat am 16.10.1705 Johann Philipp Joseph Graf von Stadion zu Warthausen und Thannhausen geheiratet.

Von der heraldischen Logik her müßte es genau so sein, Ehemann (Wambolt) in der Mitte, erste Frau (höherrangig) heraldisch rechts, also Schönborn, zweite Ehefrau heraldisch links, also Hoheneck. Im Jahr der Datierung, 1681, waren die Beiden drei Jahre verheiratet. Nur - das ist niemals ein Schönbornwappen, denn diese führten einen auf drei Spitzen schreitenden Löwen und keinen Leistenschragen. Insofern werfen die logischen Erwartungen Fragen auf, weil sie nicht mit dem aktuellen Befund übereinstimmen. Es gibt in der Genealogie aber keine sinnvolle Möglichkeit, den Leistenschragen zu erklären. Dieser Stein ist irgendwann einmal derart falsch "restauriert" worden. Auch wenn man sich anschaut, was jemand aus der sich über die drei Schilde spannenden Krone gemacht hat - da war ein Stümper am Werk. Heraldisch plausibel ist die Erklärung, daß hier einmal ein Schönbornwappen war, das irgend jemand völlig verändert "restauriert" und damit vollends vernichtet hat, und genealogische und heraldische Logik würden legitimieren, das bei einer zukünftigen Restaurierung richtigzustellen.

Über der kaum noch als solche zu erkennenden Krone ist ein Schriftband mit dem Text "Recht Thun Waret Lang" - also Rechtes tun währt lang. Unter den drei Wappenschilden befindet sich eine weitere vierzeilige Inschrift, die aufgrund der Wölbung insbesondere oben stark angegriffen ist: (Friedrich Freyher) Wambolt von / (Umbstadt) ChurMaintz(ischer) Obrister Hof / Vndt Kri(e)gs Rath Vndt AmptMan(n) / Zu Dippurg : 1681“

 

Mit Fertigstellung des Südflügels war ein großartiger städtischer Adelssitz entstanden, der gerade innerhalb der kleinteiligen Fachwerkbebauung der Umgebung zur damaligen Zeit besonders beeindruckend und großartig wirkte. Die Dreiflügelanlage und die architektonischen Details machen das Wambolt-Schloß zum kunstgeschichtlich wertvollsten der einstigen sieben Adelssitze. Die Familie verlegte wenige Jahrzehnte später ihren Sitz in andere Schlösser und nutzte das Anwesen nur noch als Verwaltungssitz. Um 1850 erfolgten einige Veränderungen am Schloß. Im 20. Jh. wurde es noch einmal von der Familie selbst bewohnt, als Bardo Wambolt von Umstadt und seine Großmutter Maria Freiin von Falkenstein wieder hier einzogen. In den 1960er Jahren wurden die 6 m hohe Umfassungsmauer und Nebengebäude (Kutschenremise und Kelterhaus) abgerissen; die dadurch gewonnene Fläche sowie ein großer Vorhof wurden überbaut. Das bis vor kurzem in Besitz der in ihrem Schloß in Birkenau wohnenden Wambolt vom Umstadt befindliche Schloß wurde 1975 renoviert. Genutzt wurde das Schloß für Mietwohnungen; auch die Dekanatsjugendstelle hatte im ersten Stock ihren Sitz. Danach wurde allen Mietern gekündigt, Leerstand und Verfall folgten; die Bausubstanz kam herunter. Überall am Dach drang Wasser ein; die Wände waren durchnäßt, und das Dachtragewerk hatte sich nach Süden gesenkt. Verhandlungen zwischen der Stadt und den Wambolt von Umstadt sind gescheitert. Die hier gezeigten Photos stammen aus dieser Zeit des Verfalls, als das Schloß noch verlottert und sanierungsbedürftig wirkte.

Eine weitere Renovierung wurde nach lange ungewisser Zukunft des Gebäudes eingeleitet, nachdem das Schloß 2014 an der Groß-Umstadter Unternehmer Achim Karn verkauft worden war.  Der erste Bauabschnitt ist inzwischen abgeschlossen: Ein neuer Außenanstrich ist bis Ende 2017 auf der Süd-, Nord- und Ostseite erfolgt. Die Gebäudesicherung und Sanierung des Dachgeschosses mit teilweiser Erneuerung der Dachunterkonstruktion sind ebenfalls abgeschlossen, genauso wie die Sanierung der Wohnräume im Erdgeschoß, wo die Firma des Besitzers, die Marken- und Digitalagentur 360VIER, ihren Sitz hat. Die Maßnahmen des ersten Bauabschnitts wurden von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit 170000 Euro gefördert. Der Anstrich der Westseite und die Sanierung der Giebel stehen noch aus, ebenso die Sanierung des mit Stuckdecken ausgestatteten Obergeschosses. Bis Ende 2018 soll die Restaurierung abgeschlossen sein; die zukünftige Nutzung soll eine Mischung aus Gewerbe und Gastronomie sein.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf google maps: https://www.google.de/maps/@49.8684051,8.9273117,20.53z - https://www.google.de/maps/@49.8684051,8.9273117,60m/data=!3m1!1e3
Wamboltsches Schloß:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wambolt%E2%80%99sches_Schloss
ungewisse Zukunft:
http://www.fr.de/rhein-main/alle-gemeinden/darmstadt/wambolt-sches-schloss-zukunft-ungewiss-a-1130408
Neue Sanierung 2017:
http://www.burgerbe.de/2017/11/15/wamboltsches-schloss-in-gross-umstadt-wird-restauriert/ - http://www.echo-online.de/lokales/darmstadt-dieburg/gross-umstadt-otzberg/wamboltsches-schloss-von-drei-seiten-saniert_18338950.htm
Deutsche Stiftung Denkmalschutz:
https://www.denkmalschutz.de/presse/archiv/artikel/wamboltsches-schloss-in-gross-umstadt-wird-restauriert.html
Ulrich Großmann: Groß-Umstadt, Wamboldt-Schloß, in: Renaissance-Schlösser in Hessen - Katalog des DFG-Projekts:
http://schloesser.gnm.de/wiki/Gro%C3%9F-Umstadt,_Wamboldt-Schloss
Johannes Sommer: Das Renaissance-Rathaus zu Groß-Umstadt, eine Dokumentation zu Entstehung und Bewahrung des Bauwerks 1600-1991, 80 S., Verlag Langewiesche, 1993,ISBN-10: 3784558003, ISBN-13: 978-3784558004
Hinweistafel am Schloß
Kulturdenkmale Groß-Umstadt, DTH Kreis Darmstadt-Dieburg, 1988, S. 221
Genealogie Wambolt:
https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=de&iz=0&p=heinrich+friedrich&n=wambolt+von+umstadt - https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=de&iz=0&p=friedrich&n=wambolt+von+umstadt - https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=de&iz=0&p=philipp&n=wambolt+von+umstadt
Wappen Wambolt vom Umstadt: Otto Hupp, Münchener Kalender 1919
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Siebmachers Wappenwerk wie angegeben

ehem. Curti-Schloß (Max-Planck-Gymnasium) - Rodensteiner Schloß - Darmstädter Schloß - Marktbrunnen (Bietbrunnen)

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