Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2453
Kleinheubach (Landkreis Miltenberg, Unterfranken)

Das Schloß Löwenstein in Kleinheubach

Schloß Löwenstein liegt in einem weitläufigen Park am südlichen Mainufer zwischen Kleinheubach und der Heubachbrücke. Die symmetrische Anlage ist mit ihrer Hauptachse nach Südwesten geöffnet; dorthin öffnet sich der Ehrenhof der freistehenden Dreiflügelanlage, die ca. 85 m breit und 54 m tief ist. Über dem Kellersockel erheben sich die zweieinhalbgeschossigen Satteldachflügel mit vier Eckpavillons und einem überhöhten Mittelpavillon mit Mansarddächern. Die Putzfassade wird mit Werksteingliederungen rhythmisiert. Der Mittelpavillon wird durch Kolossalpilaster und eine figurengeschmückte Attika akzentuiert. Die Anlage wurde im Stil des französischen Rokoko 1721-1732 erbaut; der planende Architekt war der Darmstädter Hofbaumeister Louis Remy de la Fosse (1659-1726); ausgeführt wurde das Schloß vom fränkischen Baumeister Johann Dientzenhofer (1663-1726) und von Baumeister Johann Jakob Rischer (1662-1755) aus Mannheim vollendet. Jakob van der Auwera, Würzburger Hofbildhauer, fertigte die Steinmetzarbeiten an. Die kunsthistorische Bedeutung des Schlosses ergibt sich sowohl durch den starken französischen Einfluß als auch durch die Großzügigkeit der aus einem Guß geplanten und errichteten Anlage. Es ist das einzige im französischen Stil errichtete Schloß in Unterfranken. Etwas abgesetzt flankieren zwei ca. 45 m lange und 15 m breite Flügelbauten das Schloß, einflügelige Querbauten mit zweigeschossigen Risaliten an beiden Enden, dazwischen jeweils ein eingeschossiger Mittelteil mit Satteldach. Der südliche dieser Flügelbauten ist der ehemalige Marstall; hier ist heute das Weingut Fürst Löwenstein untergebracht. Der nördliche Flügelbau ist das Gardistenhaus, auch Kanzleibau genannt. Beide Bauten entstanden um 1732 und wurden von Johann Jakob Rischer erbaut.

Im 19. Jh. gab es einige Veränderungen. Zum Dorf hin errichteten Wolfgang und Friedrich Streiter 1819-1825 den ca. 119 m messenden "Langen Dienerbau", eine zweigeschossige Baugruppe mit erhöhtem Mittelbau und mit westlichem Eckpavillon, beide jeweils durch Fassadenversprünge und aufwendigere Gliederungen akzentuiert, jetzt ein Wohn- und Geschäftshaus. 1812 entstand die Reitschule. Der bis zur Brücke 580 m lange und 320 m breite Schloßpark (der ursprünglich 3 km lang war und bis Miltenberg reichte) wurde zum englischen Landschaftspark umgestaltet. Der Hauptzugang wurde verlegt; man nähert sich dem Schloß nicht mehr in gerader Linie zum Ehrenhof, sondern von der Seite her. Einige Räume im Innern wurden klassizistisch umgestaltet. Die im Südflügel befindliche Schloßkapelle wurde 1870 von Eduard von Steinle, Leopold Bode und Ferdinand Becker im Stil der Nazarener innen neu gestaltet. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Schloß schwer beschädigt und geplündert.

Nutzer des nach wie vor teilweise (rechter Flügel, Südflügel) privat bewohnten Gebäudes war seit 1948 die Deutsche Bundespost bzw. Deutsche Telekom als größter Mieter. Sie nutzte es als Aus- und Bildungsstätte für den höheren und gehobenen fernmeldetechnischen Dienst. 1997-2000 wurde das Schloß im laufenden Betrieb vom Architekturbüro Wilfried Stendel zu einem Tagungshotel und Bildungszentrum mit einem Festsaal, zwei Auditorien, 19 Gruppenräumen sowie 60 Gästezimmern umgebaut. In dieser Umbauphase wurden auch komplett die Fassaden mit ihren reich profilierten Sandsteinwerksteinen saniert und konserviert. Seit 2005 wird das Schloß von der Stiftung Fürst Löwenstein als Hotel für Tagungen sowie für kulturelle, geschäftliche oder private Events betrieben, ab 2012 durch einen Spezialisten für die Vermarktung historischer Gebäude, das französische Unternehmen Châteauform. Deshalb kann das Schloß innen auch nicht besichtigt werden.

Ganz oben am Mittelrisalit ist ein Allianzwappen angebracht, das aus zwei einander zugeneigten Ovalkartuschen besteht. Aus einem Fürstenhut fällt ein Wappenmantel herab, der zu beiden Seiten hochgerafft ist und von den beiden schildhaltenden Löwen zur Seite gezogen wird. Die Kartusche für den Ehemann ist leer und ausgeschlagen, hier wäre das Löwensteiner Wappen zu erwarten, wie es z. B. an der ehemaligen Hofhaltung in Wertheim oder in Kreuzwertheim zu sehen ist. Die Kartusche für die Ehefrau zeigt ein hessisches Wappen, mit einem gespaltenen und zweimal geteilten Hauptschild: Feld 1: in Silber ein rotes Patriarchenkreuz (Fürstentum Hersfeld), Feld 2: schwarz-golden geteilt, oben ein silberner sechsstrahliger Stern (Grafschaft Ziegenhain), Feld 3: in Gold ein roter Löwe, blau bewehrt und blau gekrönt (Grafschaft Katzenelnbogen), Feld 4: in Rot zwei goldene, blau bewehrte schreitende Löwen übereinander (Grafschaft Diez), Feld 5: schwarz-golden geteilt, oben zwei achtstrahlige silberne Sterne (Grafschaft Nidda), Feld 6: in Rot ein silbernes Nesselblatt, belegt mit einem silbern-rot geteilten Schildchen (Grafschaft Schaumburg), Herzschild: in Blau ein silbern-rot mehrfach geteilter aufrechter Löwe, golden gekrönt und golden bewehrt (Landgrafschaft Hessen). Ein Detail ist nicht stimmig: Feld 5 ist hier am Schloß geteilt, oben wie es sein soll, unten jedoch zusätzlich zwei Balken. Die Ehefrau entstammt der Linie Hessen-Wanfried, einer Abspaltung der Rotenburger Quart, was wiederum eine Abspaltung von Hessen-Kassel ist. Die Isenburger Balken tauchen jedoch nur bei Hessen-Darmstadt auf, nicht bei Hessen-Kassel und seinen Linien.

Fürst Dominik Marquard zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort (7.11.1690-11.3.1735) war der Sohn von Maximilian Karl Albrecht Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort (14.7.1656-26.12.1718), des ersten Fürsten aus dem Haus Löwenstein. Die Erhebung in den Fürstenstand war am 3.4.1711 durch Kaiser Joseph I. erfolgt, was dann am 8.1.1712 durch Kaiser Karl VI. auf alle ehelichen Nachkommen erweitert wurde. Des Bauherren Mutter war Polyxena Maria Gräfin Khuen von Lichtenberg und Belasi. Fürst Dominik Marquard zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort heiratete am 28.2.1712 in Rotenburg an der Fulda Christina Franziska Polyxena von Hessen-Rheinfels (1687-1728), die Tochter von Landgraf Karl von Hessen-Wanfried (19.7.1649-3.3.1711) aus der nur zwei Generationen überdauernden Unterlinie Wanfried der Rotenburger Quart und dessen erster Ehefrau Sophie Magdalene von Salm-Reifferscheid (-1675). Fürst Dominik Marquard zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort hatte die Herrschaft Kleinheubach 1721 gekauft; zuvor gehörte sie den Grafen von Rieneck, und über Margarethe, die Frau des letzten Grafen, Philipp von Rieneck, die eine geborene Gräfin von Erbach war, kam der Besitz an die Erbacher, und Friedrich Karl Graf zu Erbach-Erbach verkaufte die Herrschaft an den Fürsten Löwenstein, zusammen mit der Georgenburg.

Da das große Löwenstein-Wappen am Mittelbau ausgeschlagen ist, müssen wir es imaginär nach dem Reichsfürstendiplom vom 3.4.1711 ergänzen: Der Hauptschild wäre zweimal gespalten und zweimal geteilt, Feld 1: in Silber auf grünem drei- oder viergespitztem grünen Schildfuß (drei- oder viergespitzter natürlicher Felsen) schreitend ein roter Löwe, gekrönt (Grafschaft Löwenstein), Feld 2: in Silber ein roter Adler (Grafschaft Montaigu), Feld 3: in Gold ein schwarzer aus der Teilung hervorkommender Adler (Grafschaft Wertheim, obere Hälfte), Feld 4: in Silber eine rote ovale Schnalle (Grafschaft Rochefort, es findet sich auch der Hinweis auf eine goldene Schnalle im Siebmacher), Feld 6: in Blau 3 silberne Rosen mit goldenem Butzen (Grafschaft Wertheim, untere Hälfte), Feld 7: in Silber zwei rote Balken (Herrschaft Breuberg), Feld 8: in Gold ein dreireihig silbern-rot geschachter Balken, oben ein daraus hervorkommender roter Löwe (Grafschaft Mark), Feld 9: in Rot ein silberner Löwe, gekrönt (Herrschaft Scharfeneck), Herzschild: silbern-blau schräggerautet (Haus Wittelsbach).

moderne Darstellung mit mehreren farblichen und inhaltlichen Abweichungen

Wie der Herzschild verrät, stammt das Haus Löwenstein-Wertheim von den Wittelsbachern ab. Der Stammvater war Kurfürst Friedrich I. der Siegreiche von der Pfalz (1.8.1425-12.12.1476), der aufgrund gewisser politischer Umstände zum Verzicht auf Ehe und Erben gezwungen wurde und die Münchner Hofdame Clara Tott (auch: Dett, evtl. von Dettingen) aus Augsburg liebte und offensichtlich auch heiratete, wobei der Zeitpunkt unklar ist. Daß sie vom Heiratsverbot entbunden wurden und heimlich geheiratet haben, ergibt sich daraus, daß ihr Sohn Friedrich (1461-1474) im Jahr 1472 zur Aufnahme in Domstifte Speyer und Worms eheliche Abkunft nachwies. Die Ehe war auf jeden Fall nicht standesgemäß, sondern morganatisch. Ihr zweiter gemeinsamer Sohn, Ludwig der Ältere (29.9.1463-28.3.1524, genannt Ludwig der Bayer) erhielt vom Nachfolger seines Vaters, Kurfürst Philipp von der Pfalz, zunächst die Herrschaft Scharfeneck (bei Landau) als Lehen. 1488 wurde ihm die Herrschaft Scharfeneck wieder entzogen, dafür bekam er das Amt Löwenstein in Schwaben mit der Burg Löwenstein (Landkreis Heilbronn), außerdem die Burg Wildeck bei Abstatt (Landkreis Heilbronn). Er wurde am 24.2.1494 von Maximilian I. in den Reichsgrafenstand erhoben und begründete das Fürstenhaus Löwenstein-Wertheim. Ein Intermezzo gab es 1504-1510: Im Landshuter Erbfolgekrieg wurde die Grafschaft Löwenstein von Württemberg eingesackt und erst ein paar Jahre später als Lehen wieder zurückgegeben, nicht mehr reichsunmittelbar. Nachdem die Löwensteiner aber an die Reichsgrafschaft Wertheim gekommen waren und ihre Residenz verlegten, wurde die Grafschaft Löwenstein für sie weniger wichtig.

Nacheinander gab es drei verschiedene Familien, die sich Grafen von Löwenstein nannten. Die ältesten Besitzer der Grafschaft Löwenstein stammen aus dem Hause der Grafen von Calw. Das Geschlecht erlosch im 13. Jh. Gottfried Graf von Löwenstein war der letzte seines Stammes und verkaufte die Grafschaft 1277 an den Bischof von Würzburg. Dieser verkaufte sie 1281 weiter an König Rudolf von Habsburg, der daraus ein Reichslehen machte, das sein unehelicher Sohn Albrecht von Schenkenberg bekam. Dieser übernahm auch das Wappen der Grafen von Calw-Löwenstein. Das war die zweite Familie. Kurfürst Friedrich hatte diese Grafschaft dann für 14000 Rheinische Gulden von Nachkommen im 3. Glied dieses "natürlichen Sohnes" von Rudolf von Habsburg mit Lucardis von Bolanden gekauft. Vom Kaiser kam die Erlaubnis, den Namen und das Wappen der alten Grafen von Löwenstein fortzuführen.

Das Haus Löwenstein-Wertheim spaltete sich 1611 in zwei Linien: Die Linie Löwenstein-Wertheim-Virneburg, später Löwenstein-Wertheim-Freudenberg (evangelisch) hatte ihren Sitz in Kreuzwertheim; die im frühen 17. Jh.  abgesplitterte und von Graf Johann Dietrich begründete Linie Löwenstein-Wertheim-Rochefort, später Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (seit 1621 katholisch) hatte ihren Sitz erst in Kleinheubach, ab 1806 in Bronnbach, nach dessen Verkauf 1986 wieder in Kleinheubach. Weil aber gemäß Hausvertrag von 1597 alle Linien gleichberechtigte Erben waren, ergaben sich daraus in der Praxis sehr komplizierte Regierungsgeschäfte. Im Westfälischen Frieden von 1648 wurde festgelegt, daß die beiden Linien in der Grafschaft Wertheim gemeinschaftlich zu regieren hätten (Condominium). Im Wiener Kongreß wurde die ehemalige Grafschaft Wertheim wieder aufgeteilt, der nördliche Teil ging an Bayern, der südliche Teil mit der Stadt Wertheim an Baden. Die katholische Linie, hier in Kleinheubach relevant, schaffte 1711 den Aufstieg in den Reichsfürstenstand, die evangelische Linie erst 1812, erstere durch Nähe zum Kaiser, letztere durch Bayern. Der Wechsel im Namen beider Linien kam durch den Verlust linksrheinischer Territorien zustande; Rochefort in den belgischen Ardennen und Virneburg in der Eifel; statt dessen nannte man sich nun nach Rosenberg im Neckar-Odenwald-Kreis (ehem. Herrschaft Rosenberg, zwischenzeitlich Besitz der von Hatzfeld) resp. Freudenberg im Main-Tauber-Kreis (ehem. Herrschaft Freudenberg). Aber der katholischen Linie ging nicht nur Rochefort verloren, betroffen waren ebenso die linksrheinischen Besitzungen Chassepierre, Herbeumont, Agimont, Neufchâteau, Cugnon, Scharfeneck und Püttlingen. Dafür bekam die Linie im Reichsdeputationshauptschluß als Entschädigung aus mainzischem Territorium die Ämter Wörth und Trennfurt und aus würzburgischem Territorium die Ämter Rothenfels und Homburg, dazu die Klöster Neustadt, Bronnbach und Holzkirchen. Die evangelische Linie wurde im Reichsdeputationshauptschluß mit dem Amt Freudenberg, den Dörfern Mondfeld, Rauenberg, Wessental und Trennfeld sowie mit den Klöstern Triefenstein und Grünau entschädigt.

Zur Wappengeschichte: Als Stammwappen führten die Friedrich und Ludwig von Bayern vor dem Erwerb von Scharfeneck eine silbern-blau schräggerauteten Schild, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein silbern-blau schräggerauteter Flug. 1476 wurde der Schild geviert, Feld 1 und 4: Wittelsbach, Feld 2 und 3: in Rot ein silberner, gekrönter Löwe (Herrschaft Scharfeneck), auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein gekrönter silberner Löwenrumpf zwischen dem Wittelsbacher Flug (Kombi-Kleinod). Mit dem Erwerb von Löwenstein wurde der Schild geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Silber auf grünem drei- oder viergespitztem grünen Schildfuß schreitend ein roter Löwe, gekrönt (Grafschaft Löwenstein), Feld 2 und 3: Scharfeneck, Herzschild: Wittelsbach. Dazu werden zwei Helme geführt, Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken auf mehreren grünen Spitzen ein roter Löwe, gekrönt (Grafschaft Löwenstein), Helm 2 (links): Kombination Scharfeneck mit Wittelsbach wie zuvor.

Nach der Stolbergschen Erbschaft kamen sukzessive Wertheim, Königstein, Montaigu, Rochefort und Breuberg ins Wappen. Von Christoph Ludwig Graf von Löwenstein-Wertheim, Stifter der Linie Virneburg, ist folgendes Wappen überliefert: Über Schildfuß geviert, Feld 1: Löwenstein, Feld 2: Wertheim, Feld 3: Montaigu, Feld 4: Scharfeneck, Schildfuß: Breuberg, Herzschild: Wittelsbach. Dazu werden drei Helme geführt: Helm 1 (Mitte): Löwenstein, Helm 2 (rechts): Kombination Wertheim und Breuberg, Helm 3 (links): Kombination Scharfeneck und Wittelsbach. Wolfgang Ernst Graf von Löwenstein-Wertheim, Bruder des zuvor Genannten, hat im Prinzip das gleiche Wappen geführt, anstelle des Schildfußes jedoch eine eingebogene Spitze mit Breuberg. Andere führten Breuberg als kleinen Schild an der Fußstelle aufgelegt. Die Wertheim-Breuberg-Helmzier wurde auf Platz 3 verschoben, während auf Platz 2 zu rot-silbernen Decken ein golden gekrönter, silberner, wachsender Ader mit roten Flügeln für Montaigu erscheint.

Als nächstes nimmt die Linie Löwenstein-Wertheim-Virneburg weitere Felder hinzu: Hauptschild zweimal gespalten und zweimal geteilt, Feld 1: Löwenstein, Feld 2: Montaigu, Feld 3 und 6: Wertheim, Feld 4: in Silber eine rote ovale Schnalle (Grafschaft Rochefort, es findet sich auch der Hinweis auf eine goldene Schnalle im Siebmacher), Feld 7: Breuberg, Feld 8: in Gold sieben (4:3) zu zwei Reihen gestellte rote Wecken (Grafschaft Virneburg), Feld 9: Scharfeneck, Herzschild: Wittelsbach. Dazu werden vier Helme geführt, Helm 1 (innen rechts): Löwenstein, Helm 2 (innen links): Wertheim-Breuberg, Helm 3 (außen rechts): Montaigu, Helm 4 (außen links): auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein goldenes Schildchen mit sieben (4:3) zu zwei Reihen gestellten roten Wecken zwischen einem schwarzen, außen mit silbernen Kugeln besteckten Paar Büffelhörner (Grafschaft Virneburg). Weitere Zutaten folgen. Die Linie Löwenstein-Wertheim-Rochefort entwickelt sich ähnlich, macht nur einen Unterschied: Nicht Virneburg kommt in Feld 8, sondern die Grafschaft Mark.

Neue Inhalte ergaben sich nach dem Reichsdeputationshauptschluß. Verlorene Territorien wurden durch die neu hinzugewonnenen, ehemals klösterlichen Besitzungen ersetzt. Nach dem königlich-bayerischen Wappenvermehrungsdiplom vom 20.12.1806 ist das Wappen der Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg zweimal gespalten und zweimal geteilt, Feld 1: Löwenstein, Feld 2: in Gold ein schwarzer Löwe (Königstein), Feld 3: Wertheim, Feld 4: Breuberg, Feld 6: in Rot drei silberne Gebirgsspitzen (Rothenfels), Feld 7: in Blau ein goldener Brunnen (Bronnbach), Feld 8: geteilt, oben in Silber eine rote Rose (wegen Rosenberg, irrig), unten silbern-rot geteilt und viermal gespalten (Herrschaft Rosenberg), Feld 9: in Blau ein fliegender silberner Habicht (Habitzheim), Herzschild: Wittelsbach. Dazu Fürstenhut und Wappenmantel. Nach dem königlich-bayerischen Diplom vom 19.11.1812 ist das Wappen der Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Freudenberg zweimal gespalten und dreimal geteilt, Feld 1: Löwenstein, Feld 2: Königstein, Feld 3: Wertheim, Feld 4: Breuberg, Feld 6: geteilt, oben Rothenfels, unten ein mit drei silbernen Ringen belegter blauer Schräglinksbalken in einem beiderseits rot-silbern mit drei Spitzen geteilten Feld (Freudenberg), Feld 7: in Blau schräggekreuzt zwei silberne Schlüssel (wegen Kloster Triefenstein), Feld 8: Schenken von Limpurg, Feld 9 vereinigt mit Feld 12: in Rot das Schweißtuch der Veronika (wegen der Karthause Grünau), Feld 10: Bronnbach, Feld 11: Habitzheim, Herzschild (auf Feld 5): Wittelsbach. Zwei widersehende Löwen als Schildhalter, Fürstenhut und Wappenmantel.

Am ehemaligen Marstallgebäude, Sitz des Weingutes, ist an der nordöstlichen Längsseite ein Allianzwappen zwar neueren Datums, aber im passenden Stil über dem mittig angeordneten Rundbogenportal angebracht, bestehend aus zwei sich einander zuneigenden Ovalkartuschen, unter einem Fürstenhut zusammengestellt. Die heraldisch rechte Kartusche zeigt das Wappen der von Löwenstein-Wertheim in seiner kleinen Form, halbgespalten und geteilt, oben rechts in Silber auf vier grünen Bergen einwärts schreitend ein goldengekrönter roter Löwe (Löwenstein), oben links silbern-blau schrägrechts gerautet (Wittelsbach), unten geteilt, oben in Gold ein aus der Teilung wachsender schwarzer Adler, unten in Blau drei (2:1) silberne Rosen mit goldenen Butzen (Wertheim). Hier fehlt ein Oberwappen; als Helmzier zu rot-silbernen Decken würde dazu der Löwe auf den Bergen aus Feld 1 passen.

Die ovale Wappenkartusche auf der heraldisch linken Seite für die Ehefrau zeigt das Wappen der Freiherren von und zu Brenken, geteilt, oben in Gold drei blaue Pfähle, unten in Silber sechs (3:2:1) rote Rosen mit goldenem Butzen und grünen Kelchblättern. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Pr Seite: 37 Tafel: 43, weiterhin im Westfälischen Wappenbuch, dort allerdings mit fünf statt sechs Spaltungen. Im Westfälischen Wappenbuch wird (neben einer unrichtigen Variante) als Helmzier abgebildet: Auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken ein Paar Büffelhörner, rechts rot-silbern geteilt, links blau-golden geteilt, beide außen mit je fünf roten Rosen mit goldenem Butzen und grünen Kelchblättern besteckt. Nach dem Genealogischen Handbuch des Adels ist die Helmzier zu rechts blau-goldenen und links rot-silbernen Decken ein blau-golden geschachtes, außen jeweils mit sechs roten Rosen bestecktes Paar Büffelhörner. Die Familie hat ihren Stammsitz im Dorf Brenken bei Büren und gehört zum Paderborner Uradel. Der Familie gehören die Schlösser Erpernburg in Brenken und Wewer (heute Stadtteil von Paderborn). Die heutige Familie der Freiherren von und zu Brenken ist durch eine Adoption entstanden: Georg Ferdinand Droste zu Vischering (19.5.1941-), der Sohn von Clarissa von Brenken (18.7.1913-26.6.1992) und Dr. iur. Georg Graf Droste zu Vischering (16.8.1900-22.12.1977), wurde von seinem Onkel mütterlicherseits, Franz Josef Freiherr von und zu Brenken, 1946 adoptiert und nahm 1948 den Namen Georg Ferdinand Freiherr von und zu Brenken und das Stammwappen Brenken an (Nichtbeanstandung des Deutschen Adelsrechtsausschusses 1962).

Damit kann dieses Allianzwappen Erbprinz Carl zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg und seiner Frau zugeordnet werden. Carl Friedrich Hubertus Georg Eduardo Paolo Nicolo Franz Alois Ignatius Hieronymus Maria zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (30.9.1966-24.4.2010) ist der Sohn von Aloys-Konstantin Karl Eduard Joseph Johann Konrad Antonius Gerhard Georg Benediktus Pius Eusebius Maria zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (16.12.1941-) und Anastasia Victoria Cecilia Hermine Prinzessin von Preußen (14.2.1944-). Carl zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg heiratete am 8.8.1998 aus Schloß Erpernburg Stephanie Freiin von und zu Brenken, Gräfin Droste zu Vischering (21.4.1970-), die Tochter des oben erwähnten Georg Ferdinand Servatius Michael Maria Freiherr von und zu Brenken, Graf Droste zu Vischering (19.5.1941-) und seiner Frau, Rosa von Nostitz-Rieneck, Gräfin von Nostitz-Rieneck (9.8.1945-). Carl zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg hat mit seiner Frau vier Kinder, Prinzessin Augustina Sophia Carolina Dominique Anastasia Rosa Kiliana Margarethe Maria zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (8.7.1999-), Prinz Nicodemus Hieronymus Alois Georg Hubertus Mario Hugo Eusebius Maria zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (2.8.2001-), Laurentius Christophorus Alois Georg Andreas Benediktus Carl Hubertus Fatima Maria zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (13.2.2006-) und Kiliana Olympia Anastasia Rosa Pilar Philippa Josefine Magdalena Maria (23.5.2008-). Carl Prinz zu Löwenstein ist 2010 auf dem Nürburgring unter Hinterlassung seiner vier kleinen Kinder als Rennfahrer tödlich verunglückt. Chef des Hauses ist nach wie vor Fürst Aloys-Konstantin zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf google maps: https://www.google.de/maps/@49.7191254,9.2175845,18.24z - https://www.google.de/maps/@49.7191254,9.2175845,285m/data=!3m1!1e3
Schloß Löwenstein:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Löwenstein
Sanierung Schloß Löwenstein:
http://www.stendelarchitekten.de/html/body_schloss_kleinheubach.html
Kleinheubach:
http://www.kleinheubach.de/kultur/schloss/
Fürst Löwenstein Unternehmensgruppe:
https://www.loewenstein.de/
Weingut:
https://www.loewenstein.de/historie.html
Kleinheubach:
http://www.geo-naturpark.net/deutsch/willkommen/kommunen/miltenberg/kleinheubach.php
Liste der Baudenkmäler:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Kleinheubach
Fürst Dominik Marquard zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort:
https://de.wikipedia.org/wiki/Dominik_Marquard_zu_Löwenstein-Wertheim-Rochefort
Ludwig I. von Löwenstein:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_I._von_Löwenstein
Clara Tott:
https://de.wikipedia.org/wiki/Clara_Tott
Châteauform:
https://www.chateauform.com/en/house/schloss-loewenstein/
Anton Rahrbach, Jörg Schöffl, Otto Schramm: Schlösser und Burgen in Unterfranken, eine vollständige Darstellung aller Schlösser, Herrensitze, Burgen und Ruinen in den unterfränkischen kreisfreien Städten und Landkreisen, Hofmann Verlag, Nürnberg 2002, ISBN 3-87191-309-X, S. 94-95
Löwenstein-Wertheim:
https://de.wikipedia.org/wiki/Löwenstein-Wertheim
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.
Brenken:
https://de.wikipedia.org/wiki/Brenken_(westfälisches_Adelsgeschlecht)
Brenken: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon, Band II, Band 58 der Gesamtreihe
Genealogien:
https://gw.geneanet.org/dynasties?lang=de&pz=zsofia+maria+tatjana+monika+erzsebet+katalin&nz=von+osterreich&ocz=0&p=carl+friedrich+hubertus+georg+eduardo+paolo+nicolo+franz+alois+ignatius+hieronymus+maria&n=zu+lowenstein+wertheim+rosenberg und https://gw.geneanet.org/dynasties?lang=de&n=freiin+von+und+zu+brenken&nz=von+osterreich&ocz=0&p=stephanie&pz=zsofia+maria+tatjana+monika+erzsebet+katalin und abhängige Seiten
Genealogien:
http://www.angelfire.com/realm/gotha/gotha/lowenstein.html
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Claus D. Bleisteiner. Differenzierung des bayerisch-pfälzischen Wappens bei den wittelsbachischen Bastarden, in: Der Wappenlöwe, hrsg. vom Wappen-Löwen, heraldische Gesellschaft e. V., 18. Band, Sonderband, Eigenverlag, München 2013, ISBN 0931-5667, S. 193-226
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Siebmacher Band Fürsten M, Band Baden

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