Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2160
Oberschwarzach (Landkreis Schweinfurt, Unterfranken)

Die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Oberschwarzach

In der Gemeinde Oberschwarzach am Fuße des Steigerwaldes befindet sich auf dem Kirchberg die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul. Die Pfarrei versorgt heute als Seelsorgegebiet neben Oberschwarzach die Dörfer und Ansiedlungen Bimbach, Breitbach, Düttingsfeld, Erhartsmühle, Greuther Mühle, Handthal, Kammerforst, Mutzenroth, Neudorf, Schlottermühle, Schönaich, Siegendorf, Steinmühle, Wiebelsberg und Wiesenmühle. Gemeinsam mit der Pfarrei Gerolzhofen und weiteren Pfarreien bildet sie die Pfarreiengemeinschaft "St. Franziskus am Steigerwald".

Die heutige Kirche, eine dreischiffige Hallenkirche mit Polygonalchor, wurde 1478 (M CCCC L XX VIII) begonnen, wie aus einem alten Inschriftenstein an der südlichen Außenwand hervorgeht. Aus dieser Zeit stammt auch noch der Chorraum. Wahrscheinlich sind die Wurzeln aber weitaus älter, vielleicht wurde der allererste Bau schon unter dem Würzburger Bischof Bruno (1033-1045) begonnen. Die bedeutendsten, quasi einem Neubau gleichkommenden Erweiterungen der Pfarrkirche fanden 1602/1614 ff. unter den Fürstbischöfen Julius Echter von Mespelbrunn und seinem Nachfolger Johann Gottfried von Aschhausen statt. Auf den ersteren geht das neue Kirchenschiff zurück.

 

Der Inschriftenstein mit der zweiten Bauinschrift befindet sich auf der südlichen Außenwand rechts neben dem zuvor genannten älteren Stein. Der Text lautet: "Nun lobet Gott du Chr(i)stlich ge(m)ein(de) / Allhie(r) im Fleckhen ein und ein / Weiln er ein Fürsten geben hat / Zur wo(h)lfa(h)rt dir durch sein genadt / Der Gott und die Religion / Auch hertzlich liebt sein undertho(n) / Das Zeügt (= bezeugt) dies(e) Kirchen u(n)d Pfarrhau(s) / Julius Bischoff Bauts alles auf / 1614" (z. T. falsche Lesung bei Schock-Werner). Die rechteckige Inschriftentafel wird von drei geflügelten Engelsköpfen umgeben, zwei oben, einer unten.

In der Mitte oben befindet sich die ovale Wappenkartusche des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn (reg. 1573-1617). Sein Wappen ist geviert: Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen, Stammwappen der Echter von Mespelbrunn, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine eigentlich rot-silbern gevierte (hier umgekehrt), an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Das Wappen wird ohne Kleinode und ohne weitere fürstbischöfliche Insignien verwendet.

   

Der im Kern spätgotische Kirchturm wurde aufgestockt, aber erst unter Julius' Nachfolger 1622 vollendet. Johann Gottfried von Aschhausen (reg. 1617-1622) war seit 1609 Bischof von Bamberg, ehe er 1617 zusätzlich Bischof von Würzburg wurde. Als Bischof von Würzburg und Bamberg ist das Wappen geviert mit Herzschild: Feld 1 und 4: in Gold ein rotbewehrter und rotgezungter, schwarzer Löwe, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste, Hochstift Bamberg, Feld 2: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt (hier eine Linie zuviel), Herzogtum zu Franken, Feld 3: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg, Herzschild: in Rot ein silbernes Rad, das eigentliche Stammwappen der von Aschhausen.

Johann Gottfried von Aschhausen (reg. 1617-1622) führt ein umfangreiches Oberwappen. In der Mitte an Position 1 befindet sich die zum Hochstift Bamberg gehörende Kaiserkrone, überragt von einem Kreuz, Helm 1 (rechts der Mitte): ein rundes, goldenes, ringsum pfauenfederbestecktes Schirmbrett, auf dem sich der schwarze Löwe mit der silbernen Schrägrechtsleiste vom Schildbild wiederholt, Helmdecken schwarz-golden, Hochstift Bamberg, Helm 3 (rechts außen): ein Paar Büffelhörner, jeweils im Spitzenschnitt rot-silbern geteilt, Helmdecken rot-silbern, Herzogtum zu Franken. Hinter dem äußersten Helm ist das gestürzte Schwert der fürstbischöflichen weltlichen Gewalt zu sehen.

Auf der anderen Seite folgen Helm 2 (links der Mitte): auf einem roten Turnierhut mit Hermelinstulp ein silbernes Rad, Helmdecken rot-silbern, Stammkleinod von Aschhausen, und Helm 4 (links außen): auf einem Fürstenhut drei Straußenfedern in den Farben Rot, Silber und Blau zwischen zwei rot-silbern gevierten Standarten mit Schaft, Helmdecken rot-silbern, Hochstift Würzburg. Neben dem äußersten Helm ist der Krummstab der fürstbischöflichen geistlichen Gewalt zu sehen.

Diese Inschrift zeugt von einer 1890 durchgeführten Renovierung des Turmes. Das heutige Kirchenschiff wirkt trotz der erhaltenen, im wesentlichen barocken Ausstattungsstücke sehr modern, weil das Langhaus 1947 unter Pfarrer Peter Klement nach Plänen des besonders auf dem Gebiet des katholischen Kirchenbaus profilierten Architekten Prof. Albert Boßlet (23.1.1880-28.10.1957), stilistisch einem Vertreter der sog. Heimatschutzbewegung, erweitert wurde.

 

Zu der Zeit dieses tiefgreifenden Umbaus des Langhauses war Matthias Ehrenfried (3.8.1871-30.5.1948, amtierte 1924-1948) Bischof von Würzburg, und sein auf 1947 datierter und mit seiner Devise "GLORIA ET PAX DEO ET MUNDO" (Ehre und Friede für Gott und für die Welt) beschriftete Wappenstein befindet sich an der südlichen Außenwand direkt unterhalb der Bauinschrift von Julius Echter. Sein Wappenschild ist geviert mit Herzschild: Feld 1 und 4: in Blau drei silberne Getreideähren, Feld 2 und 3: in Rot eine silberne Sichel, Herzschild: von Rot und Silber mit drei Spitzen geteilt. Über dem Schild befindet sich mittig die Mitra, rechts der Krummstab des Würzburger Oberhirten, links der obere Teil eines Vortragekreuzes. Das Wappen wurde von Dr. phil. Ferdinand von Werden entworfen, einem Freund des Bischofs. Es greift mit dem Fränkischen Rechen eines der traditionellen Motive Würzburger Bischofswappen auf und verweist mit den übrigen Motiven auf die Abstammung aus einem Bauerngeschlecht. Zugleich ist es ein (vermutlich falsch) redendes Wappen, indem es "Ehren"fried mit "Ähren" umsetzt.

Literatur, Links und Quellen:
Pfarreiengemeinschaft "St. Franziskus am Steigerwald" www.pg-st-franziskus.de
Albert Boßlet:
http://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Boßlet
Matthias Ehrenfried:
http://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Ehrenfried
Julius Echter von Mespelbrunn:
http://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Echter_von_Mespelbrunn
Johann Gottfried von Aschhausen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottfried_I._von_Aschhausen
Siebmacher, Band Bistümer
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Barbara Schock-Werner, Die Bauten im Fürstbistum Würzburg unter Julius Echter von Mespelbrunn, 536 S., Schnell & Steiner Verlag 2005, ISBN-10: 379541623X, ISBN-13: 978-3795416232, S. 453.

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Die Wappen der Fürstbischöfe von Würzburg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
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