Bernhard Peter
Typisch japanische Dinge (37): Jubako und andere Lackboxen


Zu den typischen traditionellen Alltagsgegenständen des japanischen Lebens gehören hölzerne Boxen, die mit Lack überzogen sind und natürlich außen mit wunderschönem Design in Maki-e-Technik bemalt sind, entweder mit Mustern oder mit flächigen Gestaltungen, die die gesamte Oberfläche aller Etagen und vor allem den Deckel einbezieht. Damit gehören diese Boxen zu den Nurimono, den überzogenen Dingen. Die Technik des Überziehens mit Lack, das Handwerk selbst, wird Shikki genannt. Basis ist der aus Rhus vernicifera gewonnene Pflanzensaft. Der Vorteil ist die Resistenz der so überzogenen Gefäße gegen Ritze und Wasser. Die höchste Blüte erlebte diese Technik in der mittleren Edo-Zeit (18. Jh.), aber auch heute noch werden exquisite Arbeiten in den im ganzen Land anzutreffenden Lackzentren angefertigt.

Einer der wichtigsten Vertreter sind die Jubako genannten Stapelboxen. "Bako" bezeichnet eine Box, und "Ju" kennen wir als Geschoßbezeichnung z. B. auch bei Pagoden, San-ju-no-to ist ein Drei-Stockwerke-Genitivpartikel-Turm, also eine dreistöckige Pagode, und ein Go-ju-no-to ist analog eine fünfstöckige Pagode. Dieses Wörtchen begenet uns auch hier, um das Aufeinandertürmen von Stockwerken zu bezeichnen. Eine Ju-bako ist also wörtlich eine Stockwerke-Box oder Etagen-Box, sprich eine Stapelbox. Der Einsatz ist nicht limitiert, hier werden alle möglichen Dinge aufbewahrt. Oft wird so eine Box aber für Essen zum Mitnehmen verwendet. Die Form ist typischerweise quadratisch, aber es gibt auch runde, achteckige oder sogar welche in Mokko-Form, also viermal eingezogen mit vier Bögen dazwischen. Es gibt Varianten mit einem Sockel und Henkel, diese werden typischerweise benutzt, um sich Essen für den Tag einzupacken (Bento-Box). 3- 4 Etagen sind eine normale Größe für Jubako-Boxen. Das unterste Element ist ein bißchen abweichend gebaut mit Standfüßen, nach unten verlängerten Seiten an den Ecken. Ein flacher Deckel mit Falz schließt den kleinen Turmbau oben ab.

Abb.: Jubako geschlossen, 20. Jh. Exkurs zum Motiv: Kiefer (Matsu), Pflaume (Ume) und Bambus (Take). Das ist einer der typischen naturbezogenen Dreiklänge und stellt das Thema "Freunde der kalten Jahreszeit" dar. Die Kiefer ist auch im Winter schön, weil sie immergrün ist. Außerdem war früher die harzreiche Rinde in winterlichen Notzeiten Nahrung. Der Bambus hat die Fähigkeit, auch unter Schneelast nicht zu brechen, sondern sich zu biegen und danach wieder aufzurichten. Und die Pflaume gehört zu den ganz frühen Blütenträgern, sie ist die erste Baumblüte des Jahres am Ende des Winters. Diese Kombination begegnet uns auch bei einem Neujahrsbrauch: Dann wird rechts und links des Hauseingangs je ein Gefäß aufgestellt, in das man drei kurze, oben schräg angeschnittene Bambusstangen mit Kiefern- und Pflaumenzweigen kombiniert. Den höchsten Rang von den drei Pflanzen nimmt die Kiefer ein, deshalb dominiert sie auch hier die Gestaltung.

Neben diesen nach ihrer Konstruktion als Jubako bezeichneten Lackboxen gibt es im traditionellen japanischen Alltag viele weitere Boxen, die nach ihrer Verwendung bezeichnet werden. Der Name wird immer aus Inhaltsbezeichnung und "-Bako" konstruiert.

Es gibt neben den Jubako auch noch andere Konstruktionen, die nicht nach dem Inhalt sondern nach baulichen Merkmalen benannt werden:

Jubako geöffnet, 20. Jh.


Literatur, Links und Quellen:
Nicholas Bornoff, Michael Freeman: Things Japanese - Everyday Objects of Exceptional Beauty and Significance, 143 S., Verlag Periplus, 2014, ISBN-10: 480531303X, ISBN-13: 978-4805313039, S. 10-11
Ulrich Wattenberg: Naturvorstellungen in den Farbholzschnitten von Hokusai und Hiroshige, in: Bernd Herrmann (Hrsg.): Beiträge zum Göttinger Umwelthistorischen Kolloquium 2010 - 2011, Universitätsverlag Göttingen, 2011, ISBN: 978-3-86395-016-3, S. 28


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