Bernhard Peter
Typisch japanische Dinge (29): Shikki und Nurimono: Owan


Diese Owan, Deckelschalen bzw. Miso-Suppen-Schalen, werden traditionell aus Holz hergestellt und mit Lack (Urushi) beschichtet. Das richtige Stück feinstes japanisches Holz wird traditionell auf dem japanischen Rokuro gedreht. Danach wird der Natur-Lack in sehr vielen Schichten nacheinander aufgetragen. Die lackierte Handelsware wird als Shikki bezeichnet, beschichtete Dinge allgemein werden Nurimono genannt. Urushi-Nuri bedeutet Lack Beschichtung. Man findet einfache Schalen ohne Motive, meist außen schwarz (kuro), innen rot (aka), oder solche mit künstlerischer Gestaltung der äußeren Oberfläche. Die Form ist insofern typisch, als der Deckel einen geringeren Durchmesser besitzt als die eigentliche Schale und somit im Gegensatz zu unseren in eine Nut eingepaßten oder mindestens gleich großen, eher überlappenden Deckeln "zu klein" wirkt. Es ist jedoch typisch für dieses "Geschirr", daß der Deckel ein wenig in der Schale versinkt, und das ohne Führung. Das hat den Vorteil, daß sich bildendes Kondenswasser in die Schale zrückläuft und nicht auf den Tisch oder das Tablett tropfen kann, denn in solchen Schalen wird meistens heiße Miso-Suppe serviert. Die Lack-Beschichtung isoliert gut trotz der geringen Wandstärke, so daß die Suppe warm bleibt. Ein weiteres Charakteristikum ist der auf dem Deckel befindliche Greifring, der als Standring beim Abnehmen des Deckels verwendet werden kann. Die Robustheit dieser Schalen ist erstaunlich. Durch das Lackieren in mehreren Lagen erhält das dünnwandige Holz eine hohe Widerstandskraft, so daß sie im Alltag durchaus benutzt werden können, ohne Schaden zu nehmen. Man sollte lediglich nie mit Metallbesteck in diesen Schalen hantieren, sondern traditionell mit Stäbchen die festen Bestandteile essen und den wässrigen Teil schlürfen. In Japan werden nach wie vor Lackschalen in höchster Qualität hergestellt, auch wenn daneben Billigware auf der Basis von Kunstharz im Handel ist.

Abb. oben und unten: Ein Paar Deckelschalen (ca. 12 cm Durchmesser, ca. 9 cm Höhe) mit Lackbeschichtung (Urushi Nuri) auf Holzkörper, schwarzer Urushi mit goldenem Dekor (Maki-e) in Form von Reispflanzen mit prallen Ähren. Ca. 1940-1960.


Literatur, Links und Quellen:
Inés De Castro, Toko Shimomura, Uta Werlich, Naomichi Ishige, Sumiko Tatsuuma: Oishii! Essen in Japan, 224 S., Arnoldscher Verlag 2016, ISBN-10: 3897904683, ISBN-13: 978-3897904682
Elmar Weinmayr, Makoto Kenmisaki: Nurimono - Japanische Lackmeister der Gegenwart, hrsg. vom Museum für Lackkunst, Verlag Fred Jahn, 1996, 232 S., ISBN-10: 393009004X, ISBN-13: 978-3930090044


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