Bernhard Peter
Kyoto, Kosho-ji


Lage und Erreichbarkeit
Der Tempel Kosho-ji, der nicht mit dem gleichnamigen Zen-Tempel in Uji verwechselt werden darf, liegt im Stadtbezirk Shimogyo zentral nordwestlich des Hauptbahnhofs von Kyoto in fußläufiger Entfernung, südlich vom Nishi Hongan-ji, gegenüber dem Ryukoku-Museum. Er wird im Norden begrenzt von der Kitakoji Dori, im Osten von der Hauptverkehrsachse Horikawa Dori, auf der auch Busse verkehren und im Süden von der Shichijo Dori. Der Bereich im Westen bis zur Omiya Dori wird von der Ryukoku-Universität eingenommen. Das Areal des Kosho-ji mißt 170 m in West-Ost-Richtung und 115 m in Nord-Süd-Richtung. Obwohl man vom Bahnhof aus zu Fuß meist schneller dort ist als mit dem Bus, kann man alternativ am Bussteig B1 die Nr. 9 nach Nishigamo via Nijo-jo nehmen, oder am Bussteig D3 in die Linie 28 zum Daikakuji via Arashiyama steigen, oder an C5 in die Linie 75 nach Eigamura, jeweils Ausstieg an der Haltestelle Nishihonganji-mae. Weitere Möglichkeiten sind im Kapitel zum Nishi Hongan-ji erläutert.

Für sich alleine lohnt der Besuch dieses Tempels aus kunsthistorischer Sicht nicht, aber als Tempel zum "Mitnehmen", wenn man sowieso den Nishi Hongan-ji besucht, ist es sicher interessant, einen Blick hineinzuwerfen. Er beeindruckt durch sehr große Gebäude. Die Bausubstanz ist aber durchgehend viel jünger als im Nishi Hongan-ji. Von Atmosphäre kann man nicht wirklich sprechen, weder sind die Gebäude alt noch war Leben im Tempel anzutreffen, sicher ein Einzeleindruck in einem ungünstigen Moment.


Geschichte und Bedeutung
Der Kosho-ji steht in einer Flucht mit dem Nishi Hongan-ji, seine repräsentative Mauer mit den Toren ist ganz ähnlich gestaltet wie bei diesem, so daß er aufgrund der engen Nachbarschaft häufig nicht als separater Tempel wahrgenommen wird. Die Geschichte der beiden Tempel ist eng miteinander verbunden, und doch ist es ein eigenständiger Tempel. Der Kosho-ji ist der Tempel eines anderen Zweiges der Schule Jodo-Shinshu ("Wahre Schule des Reinen Landes"). Der Shin-Buddhismus wurde von Shinran Shonin (21.5.1173-16.1.1263) gegründet und ist eine Form des Amida-Buddhismus, und diese Richtung spaltete sich noch weiter auf. Die größte Schule des Shin-Buddhismus ist die Hongan-ji-Richtung mit dem Nishi Hongan-ji als Haupttempel, gefolgt von der Otani-Richtung mit dem Higashi Hongan-ji als Haupttempel. Daneben gibt es noch mehrere kleinere Richtungen, die Takada-Schule, die Bukko-ji-Schule, die Kosho-Schule, die Kibe-Schule und die Izumo-ji-Schule.

Im Gegensatz zum Haupttempel Nishi Hongan-ji handelt sich bei dem Honzan Kosho-ji um einen Tempel, der von Kyogo (-1490) gegründet wurde, einem Anhänger des 8. Monshu der Jodo-Shinshu, des als Reformer bekannt gewordenen Rennyo Shonin (1415-1499). Genau genommen handelt es sich um eine Abspaltung des Tempels Bukko-ji (heute im Südosten von Shijo Karasuma zu finden) und dessen Unterschule, die entstand, als Rennyo die Leitung des Hongan-ji übernahm, der bisher im Schatten des Bukko-ji gestanden hatte, und ihn groß machte. Kyogo hatte zunächst die Nachfolge im Bukko-ji angetreten, hatte aber dann zusammen mit 42 anderen Mönchen im Jahr 1481 seine Solidarität zu Rennyo erklärt, der ihn herzlich aufnahm und ihm den Namen Renkyo gab, was eine symbolische Kombination der beiden Namen Rennyo und Kyogo war. Daraufhin wurde in der Nähe des Hongan-ji der erste Kosho-ji erbaut. Kosho-ji war der Name, der ursprünglich für den Bukko-ji vorgesehen war. Das waren freilich noch nicht die heutigen Gebäude, denn selbst der Nishi Hongan-ji entstand ja erst nach 1600 am heutigen Ort. Der Kosho-ji ist quasi eine selbständige Abspaltung, die sich aber in Affiliation zum Hongan-ji gestellt hat und deshalb auch die räumliche Nähe gewählt hat. Zur Kosho-Schule gehören neben dem hier vorgestellten Tempel in Kyoto noch der Gokuraku-ji in Kawakami-gun auf Hokkaido, der Saikyo-ji in Kobe (Präfektur Hyogo), der Junsho-ji in Yamatotakada (Präfektur Nara), der Shoen-ji in der Präfektur Kagoshima, der Zenraku-ji und der Yosen-ji, beide in Okawa-gun, Präfektur Kagawa.

Da es sich um einen Tempel des Amida-Buddhismus handelt, wird als Hauptbild neben dem Gründer ein Amida Nyorai (Amitabha Tathagata) verehrt.


Struktur der Anlage und Beschreibung
In vielerlei Hinsicht wirkt der Tempel Kosho-ji wie ein reduzierteres und neueres Abbild des Nishi Hongan-ji. Die Monumentalität der Gebäude ist beiden gemeinsam. Zur Ostseite hin besitzt der Tempel zwei Tore, zu denen kleine Brücken über den Wassergraben führen. Das größere und wichtigere Tor im Süden ist das San-mon. Die Lehmmauer ist genauso wie beim Nishi Hongan-ji gelb mit weißen Linien bemalt. In der Nordostecke sehen wir den Kyozo, in der Südostecke den Shoro. Der Sutrenspeicher ist das älteste Gebäude des ganzen Komplexes; er stammt aus dem Jahr 1848. Zwischen beiden Toren bildet ein moderner Bau das Empfangsgebäude. In der Südostecke der Anlage befindet sich der moderne Kosho Kaikan, das Tempelgästehaus, das die interessante Möglichkeit einer Übernachtung in einem Tempel bietet. Der Tempel besitzt genau wie sein großer Bruder nördlich zwei große, mit ihrer Front nach Osten ausgerichtete Hallen, die mit einem Korridor verbunden sind, wovon die südliche, größere die Gründerhalle Goei-do ist und die nördliche die Amida-Halle, Amida-do. Letztere ist kleiner, dafür aber zweistöckig. Beide Hallen stammen vom Anfang des 20. Jh. Vor den Hallen befindet sich das überdachte Handwaschbecken, Chozuya.


Ostseite, Ansicht von Nordosten: von rechts nach links nördliches Tor, Empfangsgebäude, San-mon

Ostseite, Ansicht von Nordosten: von rechts nach links Empfangsgebäude hinter Abschlußmauer, San-mon

Ostseite, Ansicht von Nordosten: Empfangsgebäude und Abschlußmauer

Amida-do, Blick von Osten

Kyozo, Sutrenspeicher im Nordosteck der Anlage

links Goei-do, rechts Verbindungskorridor, Blick von Nordosten

links Goei-do, rechts Amida-do, Blick von Nordosten

modernes Empfangsgebäude, im Hintergrund rechts das San-mon

Goeido, rechts Verbindungskorridor zum Amida-do

Chozuya

links Goei-do, rechts Chozuya

Glockenturm (Shoro) im Südosteck

links Chozuya, rechts Amida-do

Ostflanke, Ansicht von Südosten mit Blick auf das nördlichere Tor von beiden


Literatur
Lokalisierung auf google maps:
https://www.google.de/maps/@34.9896668,135.7520154,18.5z - https://www.google.de/maps/@34.9898011,135.7518471,148m/data=!3m1!1e3
Abt Rennyo:
https://en.wikipedia.org/wiki/Rennyo
Webseite des Tempels:
http://www.koshoji.or.jp/
Kosho-ji:
https://www.japanvisitor.com/japan-temples-shrines/koshoji-kyoto
Schulen des Shin-Buddhismus:
http://www.terakoya.com/r_link_e.htm
Volker Zotz: Rennyo nach 500 Jahren:
https://www.oag.uni-hamburg.de/noag/noag-163-164-1998/noag163-164-1.pdf
Stanley Weinstein: Rennyo and the Shinshu Revival, in: John Whitney Hall, Toyoda Takeshi (Hrsg.): Japan in the Muromachi Age, University of California Press, Berkeley, Los Angeles, Lonodn, 1977, ISBN 0-520-02888-0, S. 358
Bukko-ji:
https://en.wikipedia.org/wiki/Bukk%C5%8D-ji
Bukko-ji:
https://www.japanvisitor.com/japan-temples-shrines/bukkoji
eigene Webseite des Bukko-ji:
http://www.bukkoji.or.jp/english/


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