Bernhard Peter
Kyoto: Garten Shosei-en


Lage und Erreichbarkeit:
Der Shosei-en liegt im Stadtteil Shimogyo. Er ist 32000 m2 groß und nimmt ein rechteckiges Areal von 200 m in Nord-Süd-Richtung und 160 m in West-Ost-Richtung ein und grenzt an drei Seiten an Straßen, im Osten an die Hauptverkehrsader Kawaramachi Dori (Anschrift: Shomen-dori Ainomachi Higashi-iru, Shimogyo-ku, Kyoto 600-8190). Der Zugang liegt im Westen an der Ainomachi Dori, der einzigen Seite, an der die Gartenmauer nicht an eine Straße stößt, sondern sich eine Zeile mit Wohnhäusern, Gästehäusern und dem Tempel Butsugan-ji befindet. Der Eingang ist schräg gegenüber der Einmündung einer Seitenstraße zu finden; der Blick fällt durch ein von drei großen schwarzen Holzbalken gebildetes Tor mit ebenso schwarzen hölzernen Torflügeln und Seitenteilen auf eine zurückgesetzte Mauer aus großen Steinblöcken, da ist man richtig. Im Stadtbild gibt es hier drei große Blöcke im Straßenraster, die thematisch und historisch zusammengehören, und die in einer Linie von Westen nach Osten aufgereiht sind: Nishi Hongan-ji, Higashi Hongan-ji und der Shosei-en, erstere etwa gleich groß, letzterer kleiner mit ca. einem Drittel der Grundfläche.

Die Gartenanlage ist gut zu Fuß vom Hauptbahnhof (Kyoto Eki) aus zu erreichen (650 m, 10 min.). Wer den Bus nehmen möchte, kann die Linien 17, 205 und 4 benutzen ab Bahnhof (Kyoto Ekimae), Ausstieg Haltestelle Kawaramachi Shomen; die Haltestelle liegt nicht weit von der Nordostecke des Gartens, anschließend 220 zu Fuß. Letztendlich braucht man aber länger. Wer aus anderen Stadtteilen anreist, kann die U-Bahn Karasuma Line bis zur Haltestelle Gojo nehmen, Restweg zu Fuß 800 m. Nahe Bushaltestellen befinden sich auf der Karasuma Dori, auf der Kawaramachi Dori und auf der Shichijo Dori. Mit der Nr. 5 fährt man ab Hankyu Kawaramachi / Shijo Kawaramachi oder ab Keihan Sanjo / Sanjo Keihan-mae bis zur Haltestelle Karasuma Nanajo.

Es ist eine Sehenswürdigkeit mit bester Verkehrsanbindung, und trotzdem verirrt sich kaum ein Tourist hierher: Der weitläufige Garten zählt nicht zu den überlaufenen Hotspots der Reisenden und ist deswegen eine Perle unter den Gärten. Hohe Mauern ringsum, Eingang in einer ruhigen Seitenstraße - man übersieht ihn leicht. Man kann ihn jedoch gut und entspannt mit dem Nishi Hongan-ji, dem Higashi-Hongan-ji und dem To-ji zu einem Tagespaket kombinieren. Hier im Garten findet man traditionelle Villen- und Teehaus-Architektur und typische Elemente der japanischen Gartenarchitektur: Teiche, Inseln, Brücken, Wald, Solitärbäume, Bachlauf etc. Und auch wenn man im Hintergrund der Bäume die moderne Architektur der Stadt mit ihren Hochhäusern sehen kann und sich im See der Kyoto Tower spiegelt, kann man in diesem geschickt angelegten Garten eine Oase der Ruhe finden, wo man vergessen kann, sich mitten in einer modernen Großstadt in Bahnhofsnähe zu befinden.

Im späten Winter blühen hier die Kamelien und läuten den Jahreszyklus der Farben ein. Im Februar blühen die Pflaumen im Sobei-en (im Süden, westlich des Seeufers), dann folgen Schnee-Weiden, dann die Kirschblüten (rings um den Boka-kaku), im Mai die Wisteria (nordöstliches Seeufer), danach die Seerosen (See), gefolgt vom Buschklee (Lespedeza sp.). Und für den Herbst sind hier genügend Ahorne (Nordufer des Sees) untergebracht, um ein flammendes Farbspiel zu erzeugen. Übrigens, wer einen Blick von oben auf den Garten möchte - den besten Blick hat man vom Kyoto Tower aus.


Geschichte und Bedeutung:
Der Shosei-en gehört zum Higashi Hongan-ji, auch wenn er durch ein paar Straßen von diesem getrennt ist. Der Name des Gartens ist abgeleitet von einem Satz aus einem chinesischen Gedicht von Tao Yuanming (Tao Qian, T'ao Ch'ien, ca. 365-427), einem der größten Poeten aus der Zeit der Sechs Dynastien, ein Satz, der soviel besagt wie daß die Schönheiten des Gartens jeden Tag noch besser werden. Ein alternativer Name des Gartens lautet "Kikoku-tei", wobei "tei" Garten heißt, "Kikoku" (oder auch "Karatachi") die Dreiblättrige Orange bezeichnet (Poncirus trifoliata), welche hier als Hecke gepflanzt wurde. Der Garten ist seit 1936 als Platz besonderer landschaftlicher Schönheit klassifiziert.

Die Anlage dieses Gartens ist das Ergebnis der Trennung von Nishi und Higashi Hongan-ji. Der Nishi Hongan-ji besaß einen exzellenten eigenen Garten, doch der Higashi Hongan-ji hatte keinen. Tokugawa Ieyasu hatte bereits 1602 dem Higashi Hongan-ji Land geschenkt. Der dritte Tokugawa-Shogun, Tokugawa Iemitsu (1604-1651, regierte 1623-1651), schenkte im Jahre 1641 dem Tempel noch einmal Land, und dieses zusätzliche Gelände wurde zur Anlage eines eigenen Garten verwendet. Die Anlage wurde 1653 entworfen von Ishikawa Jozan (1583-1672), einem Samurai, Intellektuellen, Dichter, Kalligraphen und berühmten Gartenarchitekten der Edo-Zeit, der unter anderem die Gartenanlagen des Tempels Shisendo in Higashiyama gestaltete. Auch Kobori Enshu (1579-1647) soll an der Gestaltung mitgewirkt haben. Der Auftraggeber war der 13. Abt des Higashi Hongan-ji, Sennyo (1604-1658), der mit dem Gestalter eng befreundet war und sich hierhin im Alter zurückziehen wollte. Bis 1657 war der Garten fertiggestellt.

Die etwas abgelegene Lage abseits des Haupttempels war gut, wenn sie die Priester und Mönche des Higashi Hongan-ji zurückziehen wollten, auswärtige Gäste empfangen oder unterbringen wollten. Und es hatte den großen Vorteil, daß der Garten nicht jedesmal mit erwischt wurde, wenn der Haupttempel wieder einmal brannte - der Higashi Hongan-ji erlebte in der Edo-Zeit vier große Brände, weswegen der Volksmund ihn den "Flammenden Hongan-ji" nannte. Der Garten brannte immerhin nur zweimal während der Edo-Zeit, einmal 1858 und einmal 1864, in den Wirren der Endzeit der Bakumatsu-Zeit ("Ende des Bakufu"), als gegen das Shogunat eingestellte Samurai in Kyoto Verwüstungen anrichteten. Alle originalen Bauwerke aus der frühen Edo-Zeit wurden dabei zerstört. Deshalb stammen auch alle heutigen Gebäude aus der späten Edo-Zeit und aus der Meiji-Zeit und sind Rekonstruktionen des ursprünglichen Baubestandes aus der Zeit der Wiederherstellung 1865-1868 oder später.


Rundgang und Beschreibung:
Der Garten gliedert sich grob in eine bebaute Westzone und eine unbebaute Ostzone mit dem eigentlichen Garten. Vom Typ her ist der Shosei-en im Stil eines Chisen-kaiyu-shiki-teien, eines Teich- und Wandelgartens. Die Architektur ist im Stil Shoin-shiki, also Räume im Shoin-Stil, die eine gestalterische Einheit mit dem Garten bilden. Der Gartenbereich wird im Südosten geprägt von dem großen See, der etwa ein Sechstel der Gesamtfläche einnimmt, mit mehreren Inseln, und im Nordosten von dichtem, waldartigen Baumbestand. Der mittlere Bereich ist offen und gärtnerisch bzw. parkartig gestaltet. Zum im Vergleich zu anderen Gärten mehr parkartigen Eindruck tragen die Größe, der große See und der Rasen vor dem Rofu-tei bei.

Die Bebauung im westlichen Teil läßt sich von Norden nach Süden in drei dichtere Baugruppen mit lockereren Zwischenräumen gliedern. Hinter dem Westtor (Nishi-mon) und dem Eingangsgebäude (Uketsuke), hinter dem sich die sanitären Anlagen befinden, stößt man nach Passieren eines großen Kirschbaumes zur Linken zunächst auf einen hohen Steinwall (Taka-ishigaki) mit z. T. riesigen Blöcken; besonders markant ist ein diagonaler Stein von gewaltiger Länge, unter dem rechterhand ein runder Stein mit acht Rillensegmenten, ein Mühlstein, eingemauert ist. Die Bauweise erinnert an Burgwälle. Hier wurden Felsblöcke, Basissteine von Gebäuden, gebrauchte Steine unterschiedlichster Herkunft und selbst Fliesen verarbeitet, insgesamt eine bizarre Ästhetik der Wiederverwendung. Hinter diesem Wall liegt die mittlere Baugruppe, zu der zum Garten hin die Showa-zeitliche, 1957 erbaute Halle Onrin-do (die rechte, nördlichere) und das ebenfalls 1957 errichtete, zweistöckige Teehaus Ro-an gehören. Im Onrin-do gibt es sehenswerte Fusuma-e (bemalte Schiebetüren) mit Arbeiten von Munakata Shiko (5.9.1903-13.9.1975), ein Künstler, der dem traditionellen japanischen Holzschnitt zu neuer Blüte mit zeitgenössischen Tendenzen verhalf. Das Ro-an besitzt einen kleinen Teegarten, der mit einem lockeren Bambuszaun abgesteckt ist. Vor dem Ro-an steht die Steinlaterne Ro-an-no-kasuga-toro, also die Ro-an-Steinlaterne im Kasuga-Stil.

Direkt vor dem Onrin-do steht abgesetzt im Osten der Meiji-zeitliche, 1892 erbaute Pavillon Boka-kaku (wörtlich heißt das etwa: Pavillon neben den Blüten). Das Besondere an dessen Architektur ist, daß es einen zweistöckigen zeremoniellen Torbau imitiert mit Durchgang im unteren Geschoß und beiderseits hochführenden schrägen Treppen zum Obergeschoß. Die Treppenaufgänge sind zwar in gleicher Schräge überdacht, aber fliegend, weil sie seitlich offen sind. Das Gebäude ist eine architektonisch einzigartige Kreuzung eines Lustpavillons und eines Sanmon der Tempelanlagen. Der Tourist darf nicht ins Obergeschoß hinaufsteigen, wo sich die 12 chinesischen Tierkreiszeichen als Dekoration befinden. Das geht auf einen Originalentwurf von Ishikawa Jozan zurück, der auch ein begeisterter Hobby-Astronom war. Ringsum sind etliche Kirschbäume verschiedener Varietäten gepflanzt, deren Blütezeit von spätem März bis in die Mitte des Aprils reicht. Jenseits des Pavillons verläuft weiter im Osten der Bach, der den kleinen Nordwestteich mit dem großen Hauptsee (Ingetsu-chi) verbindet.

Ein gedeckter Korridor, dessen Mittelteil als Nordeingang (Teien kita-guchi) erhöht ist und hier einen Durchgang bietet (hier betritt der Besucher den Garten auf dem empfohlenen Rundweg), führt nach Norden zur Empfangshalle Rinchi-tei, deren östliche Veranda (Engawa) direkt an den Teich grenzt; die Stützen der Veranda stehen schon im Wasser. Das Bauwerk ist Meiji-zeitlich und wurde 1884 errichtet. Die zum Garten offenen Räume sind mit Tatami-Matten ausgelegt. Hier können Besucher einen Tee trinken. Ein weiterer Korridor führt abknickend auf die Nordseite des Teiches zur Empfangshalle Tekisui-ken, auch diese stammt aus dem Jahr 1884 und dient ebenfalls als Teestube. Östlich davon befindet sich die Steinlaterne Higaki-no-toro ("Gartenlaterne der Zypressenhecke"), die wie ein verwitterter Pilz aussieht. Wenn man im Uhrzeigersinn um diesen Teich herumgeht, gelangt man zum 1888 errichteten Gebäude Tairitsu-seki (bzw. Dairitsu-seki). Wenn man einen Blick durch die offenen Vordertüren wirft, sieht man die typische Einrichtung von Räumen, die für die Teezeremonie genutzt werden. Geht man in dieser Richtung weiter, stößt man auf eine Quellfassung, deren gemauerte Fassung die Form einer Schildkröte nachzeichnet, mit angesetztem Kopfstein. Sie wird Kame-ishi-ido (Schildkrötensteinbrunnen, kame = Schildkröte, ishi = Stein, ido = Brunnen) bzw. Kame-no-ko-no-ido (Schildkrötenpanzerbrunnen) genannt. Der nordwestliche Teich steht über einen Bachlauf mit dem großen See in Verbindung; mehrere Wege führen auf unterschiedliche Weise darüber hinweg, einmal mit Trittsteinen, einmal über versetzt angeordnete Steinplatten etc.

Die südliche Bebauung beginnt mit einem gedeckten Korridor, der am Ro-an seinen Ausgang nimmt. Er führt südwärts zum Rofu-tei. Das ist eines der ältesten Gebäude des ganzen Ensembles, es stammt noch aus der späten Edo-Zeit und wurde 1865 erbaut. Es wurde als Gästehaus der Regierung genutzt. Ganz im Süden, jenseits einer Trennmauer, befindet sich ein großer formeller Eingang (O-genkan), der aus dem Jahr 1884 stammt. Er ist auf einen kleinen Platz gerichtet, auf den man vom Südeingang kommt, ebenso durch ein kleines Gartentor (südlicher Gartenausgang, Teien minami-guchi, hier verläßt der Besucher den Garten auf dem empfohlenen Rundweg) in der östlichen Trennmauer, oder aber, wenn man vor Wall Taka-ishigaki nicht nach links, sondern rechts südwärts geht. Der O-genkan dient als offizieller Eingang für den Rufu-tei. Hier im südlichen Bereich gibt es noch einen Pferdestall mit drei Boxen (Uma-tsunagi, uma = Pferd). Abgesetzt von der Hauptgebäudegruppe liegt weiter im Osten direkt am Ufer des Sees Ingetsu-chi das Teehaus Souchin-kyo. Das ist eines der ältesten Gebäude im Garten, es ist spät Edo-zeitlich und wurde 1865 errichtet. Von dort hat man einen schönen Blick über den See und sieht im Wasser die Inseln. Der Teeraum ist 2,5 Tatami-Matten groß.

Es gibt im See (Ingetsu-chi), dessen Name daher kommt, daß man hier sehr schön des Nachts den sich im Wasser spiegelnden Mond betrachten kann, zwei große und mehrere kleine Inseln. Für die Aufschüttungen verwendete man Material, das vom Odoi stammt, dem von Toyotomi Hideyoshi rings um Kyoto gezogenen Befestigungswall. Die südliche große Insel erreicht man vom Südufer über eine kleine Brücke. Die nördliche Insel (Kita-o-shima) erreicht man entweder von Westen über die Shinsetsu-kyo-Brücke (Schneefall-Brücke), eine auf vier Böcken ruhende Bogenbrücke, oder von Norden her über die 1884 erbaute Kaito-ro-Brücke, eine horizontal verlaufende Brücke, die als gedeckter Korridor mit einem Mittelpavillon mit seitlichen Auskragungen und geschweiftem Dach mit querstehendem First gestaltet ist, eine Mondbetrachtungsplattform. Das Dach ist im Hiwadabuki-Stil mit Schindeln aus Zypressenrinde (Hinoki). Vor dem Brand des Jahres 1858 stand hier eine Brücke ganz anderer Konstruktion, mit einem bogenförmigen Verlauf und zinnoberrot gestrichener Balustrade. Haken im Inneren der gegenwärtigen Brücke erinnern daran, daß man hier früher abends Laternen aufhing. Wegen der Brandgefahr hat man aber davon Abstand genommen. Etwas nordwestlich neben dem nördlichen Brückenkopf befindet sich die Löwengebrüll-Kaskade (Shishi-ku). Wenn man von dieser Brücke ostwärts blickt, sieht man eine Reihe von Wisterien am östlichen Seeufer (Shito-gan), besonders schön im Mai. Diese Wisterien-Klettergerüste heißen Fuji-dana. Am nördlichen Seeufer befindet sich ein Ahornwald (Tanpu-kei).

Am Nordwestufer der Nordinsel befindet sich eine besondere Steinlaterne, die Hekigyoku-no-sekido. Etwa in der Mitte zwischen beiden Brücken ist am Nordwestufer der Insel in einer Höhlung des künstlich aufgeschütteten Hügels ein Brunnen zu finden, der aufgrund seiner Form Shiogama (Salzpfanne) genannt wird. Auf der Insel selbst steht auf dem künstlichen Hügel ein aus zwei gegeneinander schräg versetzten, durch ein kurzes Vordach miteinander verbundenen Teilstrukturen bestehendes Teehaus (Chashitsu), das Shukuen-tei; es stammt aus der Meiji-Zeit und wurde 1884 errichtet. Der eigentliche Teeraum ist 2 Tatami-Matten groß; mehrere Nebenräume gruppieren sich da herum. Unter dem erhöht wie auf Stelzen stehenden Anbau (Shukuen-tei jodan-no-ma, jodan = erhöhter Bereich, jodan-no-ma = Raum mit erhöhtem Bodenniveau) befindet sich eine Reihe von Felsen. Mehrere Stufenwege führen vom Ufer zu ihm hoch. Etwas abseits steht als Handwaschbecken das Shiogama-no-chozu-bachi; es hat die Form einer Säulentrommel mit aufgesetzter Säulenbasis, in der sich die Höhlung befindet. Shiogama bedeutet hier wiederum Salzpfanne oder Salztopf, ein Gefäß zur Gewinnung von Salz durch Verdunsten. Der Wasserstand des Sees variiert im Laufe des Jahres, deshalb befinden sich rund um die Insel mehrere flache Buchten, die durch Steinbrücken überbrückt werden, die aber zeitweise trockenfallen können.

Die südliche Insel im See wird Garyu-do genannt. "-do" ist bekanntlich die Bezeichnung für eine Halle, insbesondere eine Tempelhalle, und nicht für eine Insel. Das kommt daher, daß sich hier früher ein kleiner Tempel befand, der längst verschwunden ist. Der Name blieb; die Ruine heißt Garyu-do-ato (ato = Ruine, Fundament). Alternativ kann man die Insel auch als Minami-o-shima benennen, große Südinsel.

Im See ist auf einer kleinen Insel (To-no-shima, to = Turm, Pagode, no = Genitivpartikel, shima = Insel), der nördlichen der beiden, eine neunstufige Erinnerungs-Steinpagode (Minamoto-no-toru-yukari-no-to, to = Pagode) aufgestellt, das Denkmal für den Heian-zeitlichen Aristokraten Minamoto-no-Toru (822-895), einen Sohn des Kaisers Saga, der als literarische Vorlage für Hikaru Genji in der Geschichte des Prinzen Genji diente. Er war selber nicht nur Staatsmann und Minister zur Linken, sondern auch Dichter. Die lange für wahr gehaltene Legende sagt, hier auf dem Gartengelände habe früher einmal seine Residenz Kawara-no-in gestanden, deshalb die Erinnerungspagode. Der Historiker Rai Sanyo (1780-1832) schrieb im Jahr 1827 in seinem "Shoseien-ki", in dem er die 13 besten Szenerien des Gartens pries, daß es "traditionell gesagt" wird, hier habe sich früher die Residenz befunden, und der Shosei-en wäre auf den Ruinen angelegt worden. Diese Vorgeschichte ist nicht nur unbelegt, sondern als Mißverständnis widerlegt: Schon 1997 heißt es in der Literatur, daß sich das Kawara-no-in im Bereich Gojo Kyogoku-Minami befunden habe, und 2008 ist die Position des Kawara-no-in im Atlas des alten Kyoto von Matsuoka Mitsuri 400 m nordnordöstlich vom Shosei-in markiert. Aber der Glaube an das Mißverständnis hat durchaus Einfluß auf die Gartengestaltung genommen. Dazu zählen auch die Salzpfannen-Motive, denn Minamoto-no-Toru hat sich angeblich Meerwasser bringen lassen, um es nur zum Spaß eindampfte, um Salz zu erhalten. Der Basisstein der Steinpagode trägt auf jeder Fläche ein Buddha-Relief. Die südliche kleine Insel trägt nur interessante Felsen.


Literatur, Links und Quellen:
Shosei-en auf Japan Travel Manual: http://jpmanual.com/en/shoseien
Shosei-en auf Kyotofukoh:
https://kyotofukoh.jp/report30.html
Informationsangebot des Bahnhofs:
https://www.kyotostation.com/the-shosei-en-garden/
Shosei-en auf Japan Visitor:
https://www.japanvisitor.com/kyoto/shoseien
Shosei-en bei Asano Noboru:
http://kyoto.asanoxn.com/places/honganji_toji/shoseien.htm
Besucherbroschüre des Shosei-en
Broschüre mit Übersichtskarte:
http://ueyakato.jp/en/wp-content/uploads/sites/2/2014/08/shoseien-p01.pdf
Shosei-en auf der Seite des Muttertempels:
http://www.higashihonganji.or.jp/english/tour/shosei-en/
Auf Kanpai:
https://www.kanpai.fr/kyoto/shosei-en
Auf Japan 365 Days:
https://www.japan365days.com/kyoto_shoseien_garden.php
Auf Japan Travel:
https://en.japantravel.com/kyoto/shosei-en-garden-kyoto/16835
Auf Kyoto travel:
https://kyoto.travel/de/thingstodo/entertainment/114
Auf Tale of Genji:
http://www.taleofgenji.org/shosei-en.html
Shosei-en auf einer Seite des Gartenbaubetriebes Ueyokato:
https://ueyakato.jp/en/gardens/shoseien/
Tomoki Kato: A Study of the Spatial Features of Shosei-en, 2013:
https://ueyakato.jp/en/wp-content/uploads/sites/2/2014/08/c3e5993edd9812ef624459c0f0fbe3da.pdf 
Auf Travel around Japan:
http://www.travel-around-japan.com/k62-04-shosei-en.html
Auf Real Japanese Gardens:
http://www.japanesegardens.jp/gardens/secret/shosei-en.php 
John H. Martin, Phyllis G. Martin: Kyoto - 29 Walks in Japan's Ancient Capital, 376 S., Verlag: Tuttle Pub. 2011, ISBN-10: 4805309180, ISBN-13: 978-4805309186, S. 113
Ian Littlewood, Ayumi Oe Littlewood: Kyoto Without Crowds, A Guide to the City's Most Peaceful Temples and Gardens, 264 S., CreateSpace Independent Publishing Platform, 1. Auflage 2018, ISBN-10: 1978158998, ISBN-13: 978-1978158993, S. 207-209


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